Hechingen Fein gespielte Meilensteine der Blasmusik

Auch Franzosen können Blasmusik. Und wie! Die Stadtkapelle aus Joué bot einen Hörgenuss. Foto: Antonia Lezerkoss
Auch Franzosen können Blasmusik. Und wie! Die Stadtkapelle aus Joué bot einen Hörgenuss. Foto: Antonia Lezerkoss
ANTONIA LEZERKOSS 04.11.2013
Die glänzend aufgelegten Musiker des Orchestre dHarmonie aus Joué-lès-Tours präsentierten sich beim Konzert mit blitzsauber gespielten Werken des zeitgenössischen Komponisten für Blasmusik Jacob de Haan.

Vom ersten bis zum letzten Ton bekamen die begeisterten Zuhörer am Freitagabend beim Konzert der Stadtkapelle aus der französischen Partnerstadt Joué in der Aula des Gymnasiums erstklassige Unterhaltung geboten, bei der die Akteure alle Register zogen. Geboten waren vor allem gehaltvolle Originalkompositionen, die als Meilensteine für Blasmusikbesetzungen gelten können.

Da der Komponist Jacob de Haan klar die Disposition der Blasinstrumente einkalkuliert, ist es nicht notwendig, lediglich mit den Begriffen eines für das Blasorchester arrangierten orchestralen Werks zu operieren. Unter dem Taktstock von Thierry Theuillon startete das Orchester mit flotten Fingern und flinken Zungen in das kontrastreiche Stück "Westforte Overture". Eine gelungene Darbietung, bei der das Orchester dem Klang der Blaskapelle nahezu symphonische Dimensionen verlieh. Die ausgezeichneten instrumentalen Fähigkeiten in allen Registern wurden ergänzt und vollendet in einem fein abgestimmten, harmonischen Zusammenspiel und einer mit viel Liebe zum Detail herausgearbeiteten Dynamik. Die spieltechnischen Qualitäten der Musiker ließen keine Wünsche offen, da wurde nicht getrötet und geschmettert, sondern nuanciert und diszipliniert musiziert. Mit der Fantasie "Oregon", ebenfalls von de Haan, unternahmen die Musiker einen Streifzug durch den nordwestlichen Bundesstaat der USA. Punktgenaue Einsätze, gute Intonation und ausgefeilte Dynamik ließen die leichtfüßige, rhythmisch differenzierte Reise in der Northern Pacific Railroad und Begegnungen mit Indianern, Cowboys, Goldgräbern und die Siedlerromantik des ausgehenden 19. Jahrhundert zum reinen Hörvergnügen werden. De Haan hat in dieses interessante Stück vielfältige Elemente aus Westernmusik, Jazz und Rock eingearbeitet hat.

Feinfühlig und eindrucksvoll zeichnete das Orchester die vielen Facetten der emotionsgeladenen Geschehnisse im revolutionären Frankreich des 19. Jahrhunderts in den Ausschnitten aus dem Musical "Les Misérables" von Schoenberg (arrangiert von Warren Barker) nach. Die einzelnen Passagen erfuhren eine hervorragend phrasierte, formteildurchdachte Umsetzung. Es war nicht der dicke, breite Pinsel, der die Klangfarbe übermalte, sondern feinziselierte Tupfer und Striche gaben dem Stück Kontur und Struktur.

Fröhliche Klarinetten, singende Flöten, strahlende Trompeten, imposante Posaunen und effektvoll eingesetzte Pauken treten mit animierend-alerten Rhythmen und pikante Klangmischungen bei der "Fiesta mexicana" auf den Plan. In diesen musikalischen Skizzen beschreibt der Komponist de Haan mit volkstümlichen Anklängen dörfliches Alltagsleben und ein volkstümliches Fest.

Swingend verabschiedete sich das französische Orchester unter Leitung von Julien Grangeponte mit einem musikalischen Handstand im "Bandstand" und überraschte die Zuhörer in guter alter Big-Band-Manier mit schwungvoll-peppigen Tanzrhythmen.

Info Das Orchestre dHarmonie de Joué-les-Tours, gegründet 1882, setzt sich aus 70 Musikerinnen und Musikern zusammen. Geleitet wird es von Thierry Theuillon, Julien Grangeponte steht ihm zur Seite.