Die Burladinger Fasnet ist abgesagt. Nautle-Zunftmeister Josef Entress sandte zum Jahresbeginn ein Rundschreiben an die Mitglieder seines Narrenvereins, worin er schrieb, man sei lange Zeit optimistisch geblieben, habe nie die Zuversicht verloren, doch der zweite Lockdown habe die Hoffnung auf (wenigstens) eine „Fasnet light“ schließlich doch zunichte gemacht.
Also wird es über die tollen Tage hinweg, anders als geplant, keine Vorstellungen und Proklamationen auf dem Burladinger Rathausplatz  geben – mit wenig Publikum, großen Abständen, Maskenpflicht, ohne hochprozentigen Alkohol und bei frühzeitigem Ende der Veranstaltungen.
Ein anderes Spektakel findet hingegen statt: Der Rathaussturm am Fasnetsfreitag. Zwar nicht wie gewohnt, indem die Nautle und weiteres wildes Volk den Verwaltungssitz einnehmen und wobei man im Sitzungssaal singt, trinkt, herumalbert und das Jahres- und Verwaltungsgeschehen durchnudelt. Nein, die närrische Machtergreifung findet dieses Mal im Livestream per Internet-Übetragung statt.

Mit Video-Beiträgen und Live-Moderation

Die Video-Beiträge, die zu sehen sein sollen, sind schon gedreht oder entstehen dieser Tage. Rathausmitarbeiter und Fasnetsaktivisten schlüpfen dafür ins Häs und in verschiedene Rollen, nehmen sich und andere auf die Schippe.
In Echtzeit moderiert wird der bunte Mix von Bürgermeister Davide Licht und von Narrenvater Josef Entress – der sich am Freitag real, aber als einziger aus der Zunft, im Rathaus aufhalten darf.

Idee kam vom Rathauschef

Angestoßen hat die Idee Davide Licht, der, aus dem pietistischen Calw stammend, zugibt, keine allzu große Erfahrung mit der Fasnet zu haben, zumal nicht in einer Narrenhochburg wie Burladingen. Neuerdings feiere man in seiner Heimatstadt zwar auch die fünfte Jahreszeit, aber eben erst neuerdings! Da bestehe noch Lern- und Nachholbedarf.
Trotzdem ist Licht vor seiner Rathaussturm-Premiere nicht bange. „Ich bin närrisch veranlagt“, verspricht er. Zudem sei es ihm wichtig, Traditionen zu achten und zu pflegen. „Das habe ich ja im Wahlkampf versprochen.“ Deshalb fänden der Narrensturm kommende Woche wie auch alle kommenden freitags und unter seiner Mitwirkung statt.

Berthold Wiesner hielt jahrelang die Stellung

Anders als bei seinem Vorgänger. Man erinnert sich, in vergangenen Jahren verweigerte Harry Ebert die Teilnahmen an dem freitäglichen Spektakel und übertrug die Leitung regelmäßig dem Ersten Beigeordneten Berthold Wiesner. Vielleicht hätte Wiesner mit Hinweis auf seinen Arbeitsvertrag das ablehnen können. Dann wäre der Narrensturm am Freitag gestorben gewesen. Stattdessen stellte sich der Kämmerer zur Verfügung und meisterte seine Aufgabe jährlich mit Grandezza. Das rechnen ihm die Nautle hoch an.

Auf der Homepage der Stadt abrufbar

Der Livestream vom Rathaus-
sturm startet am kommenden Freitag um 10 Uhr auf der Homepage des Rathauses: www.burladingen.de. Wer zu spät dran ist oder aus welchen Gründen auch immer keine Zeit hat, muss sich nicht grämen, der Sturm bleibt im Internetkanal Youtube eingestellt und ist dort dauerhaft abrufbar. Einfach auf die Stadt-Homepage gehen, dort den Link anklicken.
Derweil schlägt die ebenfalls von Davide Licht angestoßene Burladinger Masken-Challenge weitere Kapriolen. Nach den Nautle und der Stadtkapelle bastelte der TSV Burladingen aus ihm überlassenem Kapellen-Krimskrams witzige Corona-Masken. Wie das von den Vereinen jeweils bewerkstelligt wurde, kann man gleichfalls auf vergnüglichen Videoclips auf der Homepage der Stadt mitverfolgen.

Mit einem Fläschchen Rotwein geht’s leichter

Seit dieser Woche ist nun der Kulturverein herausgefordert, aus Utensilien des TSV etwas anzufertigen, was einer Corona-Maske gleicht. Damit’s nicht an Inspiration fehlt, haben die Sportler ihrem Materialpaket freundlicherweise ein Fläschchen Rotwein beigegeben.
Davide Licht und der Kulturverein müssen jetzt beide zeigen, was sie fasnetlich drauf haben. Für den Bürgermeister dürfte es nicht deshalb leichter werden, weil der Rathaussturm „nur“ virtuell über die Bühne geht. Sein Mit-Moderator Josef „Ente“ Entress ist für seine Schlagfertigkeit berüchtigt und wird die eine oder andere kommunalpolitische Frotzelei vorbereitet haben.

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