Nelson Mandela – er ist wie eine Ikone in unserer Zeit. Niemand sonst wird weltweit so sehr verehrt und bewundert. Sein Name steht für Freiheit, Frieden und Versöhnung, aber auch für Widerstand gegen Unterdrückung. Mandela hat Südafrika aus dem Apartheid-Regime geführt und ist als erster Staatspräsident bis heute die wichtigste Identifikationsfigur für die Nation. Doch was ist aus Mandelas Traum von der egalitären, demokratischen Regenbogennation geworden? Die Journalistin Leonie March hat „Mandelas Traum“ ein Buch gewidmet.

Rappelvoll war der Saal der Villa Eugenia anlässlich der musikalischen Lesung, die auf Initiative der Buchhandlung Welte und des Fördervereins Villa Eugenia im Rahmen der interkulturellen Woche stattfand.

Was hält Südafrika im Innersten zusammen, trotz aller Konflikte und Kontraste? Dieser Frage wegen begab sich Leonie March, die Südafrika zu ihrer Wahlheimat erklärt hat, auf Spurensuche, die ihr eine Reise quer durch das facettenreiche Land bescherte. Dabei begegnete sie vielen Menschen, die das Leben in Südafrika im Kleinen prägen und gleichzeitig das Große, also „Mandelas Traum“, im Blick behalten. Der lebendige Vortrag sowie die anschaulichen Beschreibungen bei der Lesung ausgewählter Kapitel ermöglichten es, die Lebenswelten der multi-ethnischen Gesellschaft Südafrikas nach zu empfinden. Ein Gang durch die quirlige Metropole Durban am Indischen Ozean mit ihren Kirchen, Moscheen und Tempeln in nächster Nachbarschaft, mit ihren bunt schillernden Märkten, in denen Frauen in Saris, Tschadors und Stretch-Jeans einkaufen, illustrierte bildhaft das Umfeld der afrikanischen, indischen, asiatischen und europäischen Bewohner.

Eine ganz andere, der Tradition verpflichtete Welt tat sich der Autorin bei der Wanderung mit Nachfahren der Ureinwohner durch die Drakensberge und weiter die Küste entlang durch die Transkei auf. Der Viehbestand ist im „Pondoland“ der San (Buschmänner) von größter Bedeutung; er ist Sparbuch, Währung und gilt als Garant für die Lobola, den Brautpreis. Mit Kampfgeist wendet sich Bevölkerung dort gegen die ANC-Regierung, die ihre Bedürfnisse zu ignorieren scheint.

Stolz und selbstbewusst sind die Pantsula-Tänzer in dem Johannisburger Township Soweto. Das Wort Pantsula ist Zulu und heißt übersetzt „wie eine Ente watscheln“. Das Bild der watschelnden Ente aber täuscht: In Wahrheit ist Pantsula explosiv, eine spektakuläre Mischung aus Stepptanz und Breakdance. In Zeiten der Apartheid wie auch noch heute ist er ein Zeichen der Selbstbehauptung. Zu einer Pantsula-Crew zu gehören ist für einen jungen Menschen zwar kein richtiger Job, kann für ihn aber ein besseres Leben bedeuten, als es viele der Nachbarn führen: ein Leben ohne Alkohol und Drogen, eines, in dem man auf sich und seinen Körper achtet. Ein Leben, in dem Menschen einem für das, was man tut, Applaus spenden.

Schon beim Gang auf die Bühne begeisterte die elegante Sängerin Thabilé das Publikum. Begleitet von Steve Bimamisa an der Gitarre verwob sie mit warmen Timbre und betörend schöner, zugleich sanfter wie starker  Stimme Elemente aus Jazz und Soul in traditionelle afrikanische Musik. Die in Englisch, aber auch in den Landessprachen Xhosa, Zulu und Lingála vorgetragenen, teils heiteren, teils melancholischen Lieder waren eine Hommage an die südafrikanische Heimat der Sängerin. Sie berührten, strahlten Freude aus, machten Mut und erzählten von Problemen im Vielvölkerstaat Südafrika.

Tosender Applaus war der Dank für die wunderbare Veranstaltung.