"Traumhaft", beschreibt Silke Lutz ihre neuen Praxisräume. Einzig der Parkplatzmangel bereite ihr Kopfzerbrechen. Wo früher die Seniorenstube in der Krämerstraße ihre Heimat hatte, der Altenclub hatte sich noch vor der Sanierung aufgelöst, gibt es jetzt "Gesundheit, Wellness, Wohlergehen", so GWG-Chef Karl-Heinz Walter. Unter Betrieb wurde saniert. "Jetzt ist eine echt tolle Nutzung drin", ist Walter zufrieden und lobt die Lage mitten in der Stadt. Auch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gefällts. "Sehr schön, sehr ansprechend." Dann noch einen Blick ins alte Waschhaus, dem die GWG ebenfalls einen neuen Anstrich verpasst und das sie mit Wohnungen aufgestockt hat, und weiter geht es das Rad schiebend zum nächsten Punkt auf der Liste der Stadtteilbegehung.

In der Katharinenstraße allerdings ist "traumhaft" nicht das erste, was den Anliegern einfällt. Am Tübinger Tor wurde mit den Arbeiten begonnen. Seit zwei Jahren wird vor ihrer Haustür aufgerissen, gebaggert, überall staubt es. Erst die Fernwärme und jetzt die Straßenarbeiten der Stadt. Schneller wäre es mit einer Vollsperrung gegangen, weiß Tiefbauamtsleiter Arno Valin. Aber: "Man sieht, wie viel hier los ist", bemerkt Bosch die hohe Besucherfrequenz. Dass hier im nächsten Jahr alles schön sein soll - im November sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein -, stellt Stefan Lachenmann nicht zufrieden. "Es gibt ein paar, die nicht wissen, ob sie nächstes Jahr ihr Geschäft noch betreiben können", klagt der Juwelier, der von den Existenzängsten und blank liegenden Nerven einiger Gewerbetreibender weiß.

Erbaulicheres in der Hofstattstraße 24. Hier hat sich die Firma Akabus den "runtergekommenen" Gebäuden, wie es Geschäftsführer Ditmar Olszewski vorsichtig formuliert, aus dem 15. Jahrhundert angenommen. Vier Wohnungen sind vermietet, 21 sollen es werden. Von den hergerichteten Wohnungen, die den historischen Kern mit aufnehmen, konnte sich Bosch selbst ein Bild machen. Einen geschichtlichen Überblick gab indes Landesdenkmalpfleger Dr. Günter Kolb.

Erneut ging es dann mit Rad und Schiebekraft weiter, schließlich wollte sich niemand ein Knöllchen von Ordnungsamtsleiter Albert Keppler in der Fußgängerzone einhandeln. Ulrich Schubert vom Amt für Schule, Jugend und Sport zeigte die provisorische Skateranlage, während im Hintergrund die Bässe des KuRT-Festivals wummerten. Da brauche es eine gute Abstimmung mit der Stadthalle, erklärte Schubert. Das Festival habe man jetzt vorverlegt, damit es in die Zeit der Abibälle falle. Außerdem ist ein halbe Stunde früher Schluss, um 23.15 Uhr und von den sieben erlaubten Stunden Musik, werden auch zwei Stunden Pause gemacht. Sollten die Auflagen nicht strenger werden, würden die Veranstalter weiter mitziehen, sagt Schubert.

Damit war die Begehung auch schon fast zu Ende. Einen Abstecher zum Abschlussgespräch machte die Gruppe ins Jugendcafé. Hier gabs Snacks und Getränke - , nur keine Bürger für den Dialog. Bosch nahms gelassen, so sei das mit der Anonymität in der Stadt, eben anders als in Reicheneck. "Dann können wir jetzt chillen, Herr Hahn", scherzte Bosch mit ihrem Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn.