Hechingen Erste Firmen im Nasswasen

Hechingen / ANDREA SPATZAL 30.08.2012
"Die Lage könnte nicht besser sein." Mit diesem Slogan wirbt die Stadt Hechingen für ihr neues Gewerbegebiet im Nasswasen. Inzwischen sind fünf Firmen bekannt, die an der B 27 ihre Zelte aufschlagen wollen.

Hahn & Mayer Gartenbau, PS-Sport Hydraulik und Pneumatik, Futschik Bedachungen, Albnano Heiztechnologie und ein weiterer Bauherr aus Hechingen sind die Pioniere im neuen Hechinger Gewerbegebiet Nasswasen. Die Fundamente und Bodenplatten für zwei Gewerbegebäude sind bereits hergestellt.

Alex Mayer von der Gartenbaufirma Hahn & Mayer bestätigte gegenüber der HZ, sein Büro aus dem Hechinger Masurenweg samt Lagerhalle aus Grosselfingen in das neue Gewerbegebiet verlagern zu wollen. Schon im Oktober will die Firma für Garten- und Landschaftsbau den Neubau beziehen. "Ich wollte diesen Platz haben", sagt Alex Mayer. Die "günstige Verkehrsanbindung" und die "Werbewirksamkeit" des Standortes hätten ihn sofort überzeugt. Geplant ist auf einem zehn Ar großen Grundstück der Bau einer 15 auf 20 Meter großen Halle mit Photovoltaikanlage.

Auf dem ebenso großen Nachbargrundstück wird ebenfalls schon kräftig betoniert. Auch hier lässt ein Bauherr aus Hechingen eine Gewerbehalle errichten.

Andreas Laske, Inhaber der Firma PS-Sport, ist noch in der Planungsphase. Dem Vernehmen nach hat er ein 70 Ar großes Grundstück im Nasswasen erworben. Gebaut werde "wenn die Zeit dafür reif ist", sagt der Hechinger Geschäftsmann, dessen Autoteilehandel samt Werkstatt für Hydraulik und Pneumatik sich in der Max-Eyth-Straße befinden. Nur die Werkstatt soll an die B 27 verlagert werden. "Das Geschäft bleibt, wo es ist", kündigt Andreas Laske an. Er begrüßt es, dass Hechingen ein neues, leicht erreichbares Gewerbegebiet erschlossen hat. "Eine Stadt braucht größere Firmen auf einem Fleck", argumentiert er.

Eiliger hat es der Hechinger Dachdeckerbetrieb Futschik. Auch den Handwerksbetrieb, bislang in der Schüttestraße, zieht an die B 27. Erst Ende Juni hatte Firmenchef Horst Futschik in der Sitzung des Hechinger Gemeinderates nachgefragt, wann die Stadt denn auf seine Kaufabsicht reagieren wolle. Juli, war die Antwort der Verwaltung. Somit dürfte auch dieser Kaufvertrag inzwischen unter Dach und Fach sein.

Fünfter im Bunde soll Albnano werden. Mit der Burladinger Hightechfirma kommt Zukunftstechnologie auf den Nasswasen. Albnano hat mehrere Neuheiten im Bereich der Wärmeerzeugung entwickelt, unter anderem die "dünnste Heizung der Welt", eine Beschichtung mit Carbon Nano Tubes (CNT), die Fahrzeuge oder auch ein ganzes Zimmer beheizen kann, wenn sie an der Wand oder auf dem Boden aufgebracht wird. Die Firma drängt darauf, aus den gemieteten Räumen in einem Burladinger Industriekomplex ausziehen und mit bis zu 15 Mitarbeitern eigene Fertigungsräume in Hechingen beziehen zu können.

Nach Angaben der Hechinger Stadtverwaltung sind im Gewerbegebiet Nasswasen bislang 1,5 Hektar verkauft worden. Insgesamt ist das ausgewiesene und voll erschlossene Gebiet zehn Hektar groß. Die Grundstückspreise liegen bei 38 Euro pro Quadratmeter (zum Vergleich: Lotzenäcker 35 Euro, Grosselfingen 23 Euro, Burladingen 33,50 Euro).

Nach jahrelangem Tauziehen um die Ausweisung des Gewerbegebietes vor den Toren der Stadt werden nun also Fakten geschaffen. Bitter für die Gegener des Projekts, umso mehr als dass - sozusagen im Hauruckverfahren - der Gemeinderat noch den Bebauungsplan ändern will, wonach im Nasswasen auch bis zu 30 Grad geneigte Dächer zugelassen werden sollen. Der bisherige Bebauungsplan lässt nur extensiv begrünte Flachdächer zur - "zur Schonung des Landschaftsbildes (Blickbeziehungen zur Burg Hohenzollern)" heißt es explizit in den in zähem Ringen ausgehandelten Vereinbarungen Zwischen der Stadt und dem Regionalverband Neckar-Alb. Durch die Lockerung der Vorschriften soll die Installation von Photovoltaikanlagen unterstützt werden. "Die Stadt trägt damit dem in der Bevölkerung verbreiteten Konsens zur Energiewende Rechnung", argumentiert die Verwaltung in ihrer Stellungnahme gegen die Einwände der Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie der Nabu-Gruppe Hechingen.


Baudenkmalpflege und Nabu protestieren gegen die Lockerung der Bauvorschriften

Zugeständnisse an Investoren, die im neuen Gewerbegebiet Nasswasen bauen wollen, macht die Stadt Hechingen. Schrägdächer und Photovoltaikanlagen sollen erlaubt sein. Auf Dachbegrünung kann verzichtet werden. So sieht es der geänderte Bebauungsplan vor, dessen Auslegung der Hechinger Gemeinderat am 26. Juli mehrheitlich beschlossen hat. Die schlechtere Umweltbilanz soll ausgeglichen werden, indem die Ausgleichsfläche um 1,15 Hektar größer wird. Die Stadt begründet den Schritt mit den Folgen der Energiewende. Außerdem sei er für die Vermarktung notwendig.

Die Nabu-Gruppe Hechingen hatte im Verfahren zur Änderung des Regionalplans und im nachfolgenden kommunalen Planungsverfahren stets auf die besonders exponierte Lage des Nasswasens inmitten eines unbebauten Grünzugs in der Sichtachse B 27 - Hohenzollern/Oberstadt hingewiesen.

Der Regionalverband Neckar-Alb unter Vorsitz des früheren Hechinger Bürgermeisters Norbert Roth und die Stadt hatten - mit dem Hinweis auf dringenden und unabweisbaren Bedarf an Gewerbeflächen - letztlich doch noch die Bebaubarkeit des Nasswasens herbeigeführt. Der Regionalverband hatte hierbei im Rahmen einer Vereinbarung mit der Stadt im Jahr 2000 eine besonders landschaftsschonende Bebauung festgelegt. Im Wortlaut: "Zur Schonung des Landschaftsbildes (Blickbeziehung zur Burg Hohenzollern) ist das Gewerbegebiet als ,Gewerbepark auszugestalten, das heißt aufgelockerte Bebauung mit entsprechender (70-prozentiger !) Dachbegrünung und Ortsrandgestaltung, Bauhöhenbeschränkung auf maximal zehn bis zwölf Meter."

Die Bau- und Kunstdenkmalpflege im Regierungspräsidium Tübingen hat "erhebliche Bedenken" gegen die vorgesehenen Änderungen des Bebauungsplanes. Die Änderungen "konterkarieren das Bestreben zur Minimierung der Beeinträchtigungen.

Am 8. August bekräftigte die Nabu-Gruppe Hechingen in ihrer Stellungnahme ihre bereits in der vorgezogenen Bürgerbeteiligung vorgebrachten Bedenken. Nabu-Vorsitzender Gert Rominger stellt fest: "Stark geneigte, langgezogene Dächer mit großflächigen Photovoltaikmodulen verursachen eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbilds. Aufgrund der Südausrichtung kämen die Anlagen - vom Hohenzollern aus gesehen - voll ins Blickfeld, gleiches gilt für Bahn- und Autofahrer auf der B 27 Richtung Tübingen. Hinsichtlich dieser optischen Auswirkungen verweisen wir auf die abschreckenden Beispiele solcher Anlagen am Ortsrand Grosselfingen sowie in Dotternhausen an der B 27 und empfehlen dem Gemeinderatsgremium eine Besichtigung derselben. Hingegen sind bei der mittlerweile verbreiteten Anbringung von Photovoltaikmodulen in Streifenform auf flachen oder gering geneigten Dächern die landschaftlichen Auswirkungen relativ gering. Auch die Mehrkosten sind nur geringfügig.

Für eine Bebauungsplanänderung besteht daher auch unter dem Gesichtspunkt der - generell begrüßenswerten - Stromerzeugung durch Photovoltaik keine Veranlassung. Es liegt zudem die Vermutung nahe, dass die Planänderung dazu genutzt wird, Gebäude zu errichten, deren faktischer - jedoch kaum nachweisbarer - Hauptzweck die Anbringung der Module ist. Unter rein technisch- betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten weisen Gewerbebauten Flachdach oder eine geringe Dachneigung auf, Dachformen mit 30 Grad sind in der Regel unwirtschaftlich. Es wäre unverantwortlich, wenn - wie dies bei geringer Nachfrage nach Gewerbebauflächen erfahrungsgemäß zunehmend der Fall ist - der Boden für Pseudogebäude, die vorrangig der kostengünstigen Energieerzeugung dienen, verschleudert würde.

 

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