Hechingen Endlich Steckdosen im Bürgermeisterzimmer

Hechingen / Ernst Klett 05.09.2018
Die Hechinger Verwaltungsspitze startet durch. Kommende Woche geht es mit der neuen Ersten Beigeordneten in Klausur.

Bloß nichts wegwerfen, das irgendwie unter Schutz stehen könnte! Das Hechinger Rathaus ist seit den gescheiterten Plänen, es teilweise zum Kaufhaus zu machen, ein eingetragenes Denkmal. Das wiederum macht Umbauten und Renovierungen, und seien sie noch so überfällig, zu einer heiklen Sache. Bei der kompletten Neumöblierung des Bürgermeisterzimmers ist man deshalb auf Nummer sicher gegangen: Das im Schrank verborgene Handwaschbecken, ein Original von 1958, lagert nun im tiefen Keller. Zu ihm gesellt sich in Bälde der ebenfalls unter der Ägide des großen, aber nicht unumstrittenen Baumeisters Paul Schmitthenner stammende Kronleuchter. Der wird ersetzt durch moderne Leuchten aus dem Killertal.

Sollte sich jemand noch an den Aufschrei in einem Leserbrief erinnern, als der damalige Bürgermeister Jürgen Weber einst Teile der heftig in die Jahre gekommenen Einrichtung auswechselte, kann völlig beruhigt werden: Die Umgestaltung des Raumes ist mit der Denkmalbehörde abgestimmt worden. Alles hat seine Ordnung, auch wenn man nun im 21. Jahrhundert angekommen ist, wenn man Philipp Hahns neue Arbeitsstätte betritt. Das Stadtoberhaupt hat zwar die alten Tür- und Fenstergriffe belassen müssen, aber bei den Versorgungsleitungen nachrüsten dürfen: Der amtierende ist der erste Hechinger Bürgermeister überhaupt, der endlich ausreichend Steckdosen im Zimmer hat. Bislang gab es eine einzige. Der Rest war nicht zu benutzen – weil aus den späten 50er-Jahren.

Philipp Hahn hat nach dem Urlaub am Montag den Dienst wieder angetreten und ist vom Erdgeschoss in die erste Etage umgezogen. Frei gemacht hat er das Büro des Ersten Beigeordneten für seine Nachfolgerin Dorothee Müllges. Die seitherige Sozial- und Rechtsdezernentin des Landratsamtes Zollernalb ist ebenfalls in frisch renovierter Umgebung empfangen worden. In ziemlich absehbarer Zeit muss sie wohl wieder die Koffer packen: Geplant ist, das die ständige Stellvertreterin des Verwaltungschefs im Neubau Marktplatz 3 logieren wird. Die Abrissgenehmigung fürs Nachbargebäude, in dessen Folgebau sich die Stadt einmieten will, ist inzwischen ergangen. Mit der Genehmigung des neuen Gebäudes der EJL-Gruppe scheint es allerdings noch ein bisschen Zeit zu brauchen.

Zeit wiederum ist das Stichwort für die neu zusammengesetzte Hechinger Stadtspitze. „Die Leute haben eine unglaubliche Erwartungshaltung“, sagt Philipp Hahn. Stadt und Gemeinderat stünden wegen des teilweisen Stillstands unter Zeitdruck. Der Bürgermeister räumt offen ein: Er will ebenfalls schnell. Mit dem Wollen allein sei es aber nicht getan – er müsse schauen, dass das Geld sinnvoll ausgegeben wird.

Da hat der neue Mann im neuen Chefzimmer des Rathauses reichlich zu tun. Ob die längst beschlossene Tiefgarage unterm Obertorplatz nun gebaut wird, oder sich die Stadt bei den Tiefgaragen im weiteren EJL-Projekt einkauft, wird sich wohl doch nicht schon Ende September entscheiden. Es geht schließlich um Millionenbeträge. Offen ist die Zukunft des vor kurzem gekauften Gebäudes der früheren Hof-Apotheke. Gesprochen wurde überdies mit den Besitzern des dahinter liegenden Grundstücks, der abgeräumten Brandruine – Ergebnis offen.

Alles Mosaiksteine, es fehlt das große Ganze? Nur Geduld. Philipp Hahn will flott liefern. Und deshalb geht es am Montag und Dienstag kommender Woche erstmals in der Hechinger Stadtgeschichte auf Klausur in ein Hotel in Titisee-Neustadt. Der Bürgermeister, die Beigeordnete und die vier Fachbereichsleiter lassen die Köpfe rauchen. Die Stadtentwicklung wird dabei genauso ein Schwerpunkt sein wie  die Frage der zukünftigen Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung. Just dazu wird am zweiten Tag ein Fachmann referieren.

250

Euro. Für diese Summe ist der viel zu große und nie benutzte Besprechungstisch des Bürgermeisterzimmers aus Bachmann-Zeiten ins Grosselfinger Rathaus gewechselt.

Am 20. und 21. September gleich Stadtoberhaupt

Neu in Hechingen Dorothee Müllges ist am 25. Juli vom Gemeinderat mit eindeutiger Mehrheit zur Ersten Beigeordneten gewählt worden. Den Wechsel von der Kreisverwaltung nach Hechingen hat sie schnell umgesetzt: Der 1. September war offizieller Amtsantritt.

Voller Terminkalender Die Juristin ist Profi im Verwaltungsgeschäft und hat bereits jede Menge Termine. Den Bürgermeister vertritt sie gleich zwei Tage am Stück: Am 20. und 21. September wird Hechingen wieder von einer Frau regiert.

Abschiedsspende Ihren Ausstand in Balingen hat Dorothee Müllges mit Geld statt Geschenken verbunden. Davon profitiert nun der Hechinger Verein Kinder brauchen Frieden.

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