Rangendingen Endgültig Schluss mit Formel 1

Will von Rangendingen nix mehr wissen: Formel-1- Manager Willi Weber.
Will von Rangendingen nix mehr wissen: Formel-1- Manager Willi Weber.
Rangendingen / ANDREA SPATZAL 25.01.2012
Nachdem der Plan des windigen Formel-1-Managers Willi Weber, im früheren Trigema-Gebäude in Rangendingen Schumacher-Fanartikel zu verkaufen, endgültig begraben ist, macht die Gemeinde Druck.

Händeringend versucht die Gemeinde Rangendingen, endlich eine Lösung für das seit Jahren leer stehende ehemalige Trigema-Gebäude zu finden, dessen Verfall immer offensichtlicher wird.

Das ehemalige Produktionsgebäude am Bahnübergang wurde im Januar 1989 vom damaligen Eigentümer Wolfgang Grupp an die KGV Grundstücks-Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH mit Sitz in Trier verkauft. Diese Gesellschaft verkaufte später das Gebäude an den Formel-1-Manager Wilhelm Weber in Stuttgart. Weber managte Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und wollte in Rangendingen einen Handel für Formel-1-Fanartikeln aufziehen.

Das schien damals noch denkbar, denn selbst in seriösen Tageszeitungen wurde die Beziehung zwischen Schumacher und Weber so charakterisiert: "Der Rennfahrer hätte nicht einmal einen gebrauchten Kaugummi verkaufen können, ohne dass Weber am Speichel noch verdient hätte."

Dann kam aber der tiefe Fall des Willi Weber, der sich schon mehrfach wegen Betrügereien zu verantworten hatte. Zuletzt musste der heute 69-Jährige wegen Insolvenzverschleppung eine Geldbuße von 360 000 Euro bezahlen. Weber ist immer noch im Formel-1-Geschäft, aber seine Immobilie in Rangendingen scheint er in den Turbulenzen vergessen zu haben. Das einst stattliche, architektonisch sogar bemerkenswerte Fabrikgebäude verfällt zusehends.

Ein Stuttgarter Immobilienmakler versuchte lange, das Gewerbegrundstück loszuschlagen. Noch im vergangenen Sommer stand es für 295 000 Euro zum Verkauf, beziehungsweise werde jedes "vernünftige Gebot" akzeptiert, hieß es in der Kurzbeschreibung. Dass der Käuferkreis für das 3550 Quadratmeter große Grundstück mit 1622 Quadratmetern Nutzfläche, einer Dachgeschosswohnung, einem Lastenaufzug und 26 Stellplätzen übersichtlich sein würde, erkannte der erfahrene Makler schnell. "Da muss man Geduld haben", sagte er in einem Gespräch mit der HZ.

Aber in der Gemeinde Rangendingen ist der Geduldsfaden längst am Reißen. In der Bürgerfragestunde am Montagabend hakte Severin Ritter im Gemeinderat nach, wie die Pläne mit der Brache aussehen, zu der auch der ehemalige PennyMarkt zählt, und ob von dem völlig ungesicherten "Schandfleck" nicht inzwischen auch eine große Unfallgefahr ausgehe.

"Eine klare Gefährdung ist derzeit noch nicht vorhanden", gab Bürgermeister Johann Widmaier erst einmal Entwarnung. Die Gemeinde sei mit der Eigentümerseite in Verhandlung, habe zuletzt kurz vor Weihnachten nochmals Lösungsvorschläge unterbreitet. "Wir arbeiten mit Zuckerbrot und Peitsche", so Widmaier. Unter anderem habe die Gemeinde angeboten, sich wahlweise an den Abbruchkosten zu beteiligen oder die Immobilie in ein Sanierungsprogramm mit aufzunehmen. Für Bürgermeister Widmaier ist eine Lösung jedenfalls in greifbare Nähe gerückt. "Ich bin da guter Hoffnung", sagte er.

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