Ellen Schneider erntete von der Jury großes Lob. Überzeugung, Ausdruckskraft und viele gute Argumente bringe sie mit, wurde der 17-jährigen Grosselfingerin, die für das Hechinger Gymnasium ins Rennen ging, bescheinigt. Allein, die Lokalmatadorin war in der Debatte ein wenig zu brav: „Wir hätten gerne mehr davon gehört. Du hättest öfter das Wort ergreifen sollen“, lautete die Kritik.

So musste sich die Elftklässlerin beim Regionalfinale von Jugend debattiert in der Aula des Hechinger Gymnasiums mit dem undankbaren dritten Platz genügen. Für die Landesqualifikation, die am 11. März in Stuttgart stattfindet, qualifizierten sich zwei andere: Marco Regner vom Mössinger Quenstedt-Gymnasium als Sieger der Debatte und Marcel Toth vom Reutlinger Kepler-Gymnasium als Zweitplatzierter.

In der Debatte der Oberstufenschüler war es um die Frage gegangen, ob regionale Dialekte in der Schule unterrichtet werden sollten. Ellen Schneider vertrat zusammen mit Marcel Toth die Contra-Seite. Ihre Eröffnungsrede begann sie höchst originell mit ein paar Sätzen in breitem Grosselfingerisch, um sofort zu erklären: „Damit würde mich in Hamburg niemand verstehen.“ Ihr Hauptargument gegen den Dialektunterricht war aber, dass dieser eine weitere Hürde zur Integration von Flüchtlingen wäre: „Ich stelle mir ein Kind mit Migrationshintergrund vor, das völlig verzweifelt in der Ecke sitzt.“ Außerdem stellte sie die Notwendigkeit solch erzwungener Mundartförderung in Frage: „Ich sehe nicht den Sinn dahinter. Der Dialekt ist im Alltag nach wie vor stark vertreten.“

Die Pro-Fraktion hatte argumentiert, Dialektunterricht sei richtig, weil er dazu führe, dass sich Kinder stärker auf ihre regionale Identität besinnen. Das sei gemeinschaftsfördernd. Außerdem könne die Beschäftigung mit dem Dialekt dazu beitragen, schon im Grundschulalter den Sinn für unterschiedliche Sprachebenen zu schärfen.

Die Mittelstufen-Debatte drehte sich darum, ob in Baden-Württemberg die verbindliche Grundschulempfehlung für den Besuch weiterführender Schule wieder eingeführt werden sollte. Hier vertrat der Neuntklässler Benjamin Steil vom Gymnasium Haigerloch die hohenzollerischen Farben im Achter-Schulverbund. Auch er landete auf dem Bronzerang und verpasste damit knapp den Sprung auf die Landesebene. Die Jury lobte zwar die Vielfalt der Argumente, die er gegen die Wiedereinführung der verbindlichen Empfehlung ins Feld führte, vermisste aber die Klarheit der Formulierungen und riet: „Du solltest besser auf den Punkt kommen.“

Benjamin hatte an der Seite der Reutlingerin Louisa Conradt das bestehende, von der grün-roten Landesregierung eingeführte Verfahren verteidigt. Den Lehrern, die schließlich auch fehlbar seien, sollte die Entscheidung darüber, auf welche weiterführende Schule ein Kind kommt, nicht allein überlassen werden: „Wir setzen auf Dialog und Beratung.“ Außerdem wachse die Chancengleichheit dadurch, dass das Bildungssystem durchlässiger geworden sei. Die Pro-Seite führte dagegen ins Feld, dass falscher Ehrgeiz der Eltern, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken, viele Kinder überfordere. Mit dem Einzug in die nächste Runde belohnte die Jury hier Louisa Conradt vom Reutlinger Kepler-Gymnasium und Celine Rieker vom Mössinger Quenstedt-Gymnasium.

Als sehr guter Gastgeber erwies sich das Gymnasium Hechingen um Schulkoordinatorin Kornelia Köhler. In den Abend eingeführt hatte Dr. Brigitte Vögele rhetorisch und die Zwölfklässlerin Viola Lohrmann musikalisch am Klavier.