Eigentlich hätte auch am Obertorplatz jetzt schon das eine oder andere Loch klaffen sollen. So eines wie neben dem Rathaus, wo das einstige Apothekengebäude abgerissen worden ist. Doch alles braucht seine Zeit. Und das könnte noch länger so bleiben.

Obertorplatz 19. Das HZ-Verlagsgebäude ist ein bissle zum Gespensterhaus geworden. In der Miniaturpassage ist mit dem VdK der letzte Mieter ausgezogen. Der Sozialverband residiert seit kurzem in der Ermelesstraße. Die beiden noch in den Wohnungen verbliebenen Mieter sind seit der vergangenen Woche ebenfalls draußen. Weiterhin zur Stelle ist die HZ-Mannschaft mit Geschäftsstelle, Mediaberaterinnen und Redaktion. Aber auch das ist endlich geworden. Die Hohenzollerische Zeitung zieht just im 70. Jahr ihres Bestehens an eine neue Wirkungsstätte – und wir machen es gern noch ein wenig spannend.

Wenn die HZ die Umzugskartons an anderer Stelle wieder auspackt, steht das traditionsreiche Gebäude, Nachfolgebau des nicht minder geschichtsträchtigen Hotels Post, komplett leer. Und dann? In diesem Moment wollte der neue Hausbesitzer, die Hechinger EJL-Gruppe, eigentlich schwungvoll loslegen und die Abrissbirne kreisen lassen. Aber nicht nur auf dem Areal mit der Nummer 19. Denn das Unternehmen hat bekanntlich groß eingekauft: Das direkt benachbarte Haus Buri, die frühere Drogerie Zink und seit neuestem auch die Volkbank: Alles gehört  EJL. Beim Bankgebäude hat Bürgermeister Philipp Hahn zwar das im Sanierungsgebiet mögliche Vorkaufsrecht der Stadt ins Spiel gebracht. Das freilich war vielleicht nur, um an diese Variante zu erinnern.

Was bis noch vor einigen Monaten geplant war und nach dem Willen von EJL flott hätte umgesetzt werden, befindet sich hartnäckig in der Warteschleife. Das an der Stelle des HZ-Gebäudes vorgesehene Wohn- und Geschäftshaus, direkt daneben statt Buri und Zink ein Hotel, unterirdische Stellplätze inbegriffen, dies passt nämlich nicht zu den Vorstellungen, welche die Stadt und der Gemeinderat von der Innenstadtbelebung haben: Es soll alles eine Nummer oder am besten gleich mehrere Nummern  weniger wuchtig ausfallen.

So haben es auch die Stadtplaner vom Tübinger Büro Hähnig & Gemmeke mit ihrem Entwicklungskonzept deutlich vorgegeben. Zaghaftere Bebauung passt demnach einfach besser an den Obertorplatz und ebenso an den dahinter gelegenen First. Dort ist EJL ebenfalls zur Stelle. Allerdings hat sich da mit dem niederländischen Projekt- und Gebietsentwickler BPD ein potenter Konkurrent eingestellt, der prompt mit Kleinklein aufwartet.

EJL hat sich schnell umbesonnen und gibt sich einsichtig. Jetzt soll das Hotel an die Stelle des HZ-Gebäudes und das Wohn- und Geschäftshaus dahinter. Also keine zwei Klötze mehr direkt in der ersten Reihe. Auf eine Reaktion zu diesem Vorschlag aus dem Rathaus wartet die Firma hoffnungsfroh – und bislang offenbar vergebens. EJL-Geschäftsführer Andreas Ermantraut führt Klage darüber, seit langem nichts von der Verwaltung zu hören.

Die neuen Gebäudebesitzer, denen an der Ostseite des Obertorplatzes alles ab dem Kino bis zum Klaiber gehört, glauben allem Anschein nach nicht an eine schnelle Einigung. EJL will nun aber auch keine nervigen Leerstände am laufenden Band haben. Das heißt: Es wird wieder neu vermietet. Die Volksbank ist zumindest teilweise sowieso noch in ihrem ehemaligen Gebäude vertreten.

In der früheren Drogerie dagegen wird seit kurzem fleißig umgebaut: EJL eröffnet dort in Kürze eine eigene Depandance zur Hauptniederlassung im Nasswasen. Das Unternehmen will in der Innenstadt eine Musterwohnung präsentieren und seinen Immobilienservice vermarkten. Die früheren Verkaufsräume seien nicht zu vermieten gewesen, erklärt Andreas Ermantraut. Wegen komplett fehlender Barrierefreiheit. Es hat wohl schon seine Gründe, wenn alte Häuser abgerissen werden.

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Kaufinteressenten gibt es fürs Firstgelände hinterm Obertorplatz: EJL und die international tätige BPD-Immobilienentwicklung. Wer das Rennen macht, ist noch offen.