Am Dienstagabend entscheidet der Gemeinderat Hechingen darüber, ob die Stadt am Schloßplatz zu ihrem Vorkaufsrecht greift oder nicht. Wie berichtet, gibt es wegen der Grundstücksangelegenheiten im Herzen der Altstadt extra eine Sondersitzung. Und darin geht es darum, der Hechinger Firma EJL ihre weiterhin äußerst umtriebige Einkaufstour in der Zollernstadt zumindest teilweise zu verleiden.

Neu auf der Einkaufsliste

Die neuesten Objekte, die sich EJL einverleiben will, finden sich am Schloßplatz. Es sind der einstige Marstall (Schloßplatz 7) und der rechtswinklig angrenzende Lebensmittelmarkt (Schloßplatz 8) und das links an den Marstall angrenzende Gebäude (Schloßplatz 6) sowie das Haus Schloßstraße 21, das den Gebrauchtkleidungsladen und den Tafelladen des Caritasverbands Zollern beherbergt. Dazu wiederum gehört direkt daneben die frühere Zehntscheuer. Der Besitzer aller vier Gebäude, ein Weilheimer, will sich von den Grundstücken trennen. Sie standen vor knapp vier Jahren schon einmal zum Verkauf. Da gehörten sie allerdings noch einer Stuttgarter Immobilienfirma.

Doch ein Kommentar

Als die Tagesordnung der Sondersitzung am vergangenen Mittwoch bekannt gemacht wurde, wollte EJL-Geschäftsführer Andreas Ermantraut keinen Kommentar dazu geben. Er hatte, so erläuterte er am Montag gegenüber der HZ, erst noch ein Gespräch mit der Stadt abwarten müssen. Diese Unterredung ist ganz offenkundig nicht im Sinne des Unternehmens ausgegangen. Denn nun gibt es doch eine Stellungnahme, und in der wundert sich Ermantraut über das Verhalten der Kommune. Denn die will laut EJL nicht alle Gebäude kaufen, sondern nur die Anwesen Schloßplatz 7 und 8.

Doch auch wenn die Stadt nur zwei von vier Gebäuden kaufen würde, sieht die Hechinger Immobilienfirma ihre Pläne für den Schloßplatz torpediert. Dass dort ein Gelände mit viel Entwicklungspotenzial anzutreffen sein soll, weiß Andreas Ermantraut nach eigenen Angaben nämlich nicht erst seit gestern. Ganz im Gegenteil. Als er noch dem Gemeinderat angehört hatte und CDU-Fraktionschef war, hatte der jetzige EJL-Geschäftsführer einen Antrag eingebracht, die Stadt möge doch eben diese Gebäude am Schloßplatz erwerben. Das war, so erinnert sich Ermantraut, im September des Jahres 2010 und hätte für den städtischen Haushalt 2011 gelten sollen. Doch daraus wurde schon damals nichts. Seit er nun bei EJL das Sagen hat, ist der Schloßplatz wohl immer wieder ein Thema gewesen. Es habe sogar einen Termin mit dem Landesdenkmalamt und dem Bauamt der Stadt gegeben, sagt Andreas Ermantraut. Aber es habe „nicht gepasst“. Auch das Angebot der Firma aus dem Nasswasen mit Verkaufsbüro am Obertorplatz ans Rathaus, gemeinsam mit der Stadt den Schloßplatz neu zu gestalten, ist laut EJL abschlägig beschieden worden.

Was plant EJL genau?

Was aber hat das Unternehmen für konkrete Pläne? Da weicht Ermantraut aus. Alle Objekte seien langfristig vermietet, lautet die Antwort. Es droht demnach also weder für Privatleute, noch für den türkischen Lebensmittelmarkt und ebenfalls nicht für die Caritas ein schneller Rauswurf. Die frühere Zehntscheuer, so viel lässt sich der EJL-Chef entlocken, könnte einen Durchgang von der Schloßstraße zum Schloßplatz hergeben. Zwar regiert der Denkmalschutz mit, aber das gilt offenbar vor allem für die Fassade.

EJL hat gleich ums Eck bereits Großes vor: Die Pläne für eine Neubebauung mit einem Mix aus Wohnungen und Gewerberäumen reichen vom Grundstück Marktplatz 3, der abgerissenen Rathaus-Apotheke, über die Kaufhausstraße neben dem Jugendzentrum bis hinunter zur Rabenstraße, wo das Brandgrundstück neue Verwendung finden soll. Allerdings ist man im Rathaus schon lange unruhig geworden, weil EJL seit Sommer ein genehmigtes Baugesuch für die direkte Rathaus-Nachbarschaft hat – aber offenkundig nichts geschieht. Vor kurzem sah sich die Firma denn auch dazu veranlasst, ihren Bauwillen vehement zu bekräftigen.

Die Stadt wiederum ist selbst gefordert an einem ebenfalls nicht ganz kleinen Areal, das nun komplett in ihrem Besitz ist. Das reicht von der früheren Hof-Apotheke über das Brandgrundstück in der Marktstraße bis zum früheren Gebäude mit dem Elektrofachgeschäft im Erdgeschoss. Laut Bürgermeister Philipp Hahn wird sich die Stadt in diesem Jahr mit den Plänen für diesen Altstadtbereich befassen.

Ob der Gemeinderat heute Abend tatsächlich zuschlagen wird? Als Kaufpreis für alle vier Gebäude sind annähernd 1,3 Millionen Euro genannt. Die Stadt wiederum hat ihren Haushalt fürs Jahr 2020 nur unter großen Anstrengungen ausgeglichen bekommen. Der Mix aus Folgekosten und weiterhin vorhandenen Pflichtaufgaben wie Kindergarten- und Schulplätze geht längst ans Ersparte; zudem müssen neue Schulden gemacht werden. Ob da noch weitere Immobilienkäufe drin sind? Allerdings hätte die Stadt dann am Schloßplatz die Regie. Zumindest teilweise.

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Die Sondersitzung beginnt um 18.30 Uhr


Nicht am Donnerstag! Wegen der Fasnet hat die Stadt den Termin für die Sondersitzung auf den heutigen Dienstag vorverlegt. Sie beginnt um 18.30 Uhr und umfasst, abgesehen von Verschiedenes und Bekanntgaben, nur diesen Punkt: Grundstücksangelegenheiten Schloßplatz 6,7 und 8 und Schloßstraße 21 – Entscheidung über das Ausüben des besonderen Vorkaufsrechts.