Bürgermeisterwahl Eine weiß, wo die Blitzer stehen

Hechingen / Matthias Badura 15.04.2018
Über 300 Bürger kamen zum Wahlpodium der HZ in die Stadthalle „Museum“. Drei Kandidaten standen Rede und Antwort.

Der Hechinger Bürgermeisterwahlkampf hat  einen ersten Höhepunkt erlebt. Auch wenn der Erste Beigeordnete Philipp Hahn als aussichtsreichster Bewerber ins Rennen geht, fehlt es offensichtlich nicht an Würze. Das Wahlpodium der HZ lockte am Sonntagnachmittag über 300 Bürger in der Stadthalle „Museum“ – trotz des  Sonnenscheins und der Tatsache, dass viele Familien Kommunion feierten.

Offensichtlich wollten sich die Wähler die drei Bewerber mit eigenen Augen anschauen, erleben, wie sich sich geben, wie sie reden und auf spontane Fragen aus dem Publikum reagieren. Und natürlich wollte man auch sehen, wie sie miteinander auf dem Podium umgehen.

Umgang? Der war unter der Moderation des HZ-Redaktionsleiters Ernst Klett und seines Stellvertreters Hardy Kromer durchweg fair, ja zahm. Kandidatin Sabine Abbasi, Wirtschaftsjuristin und Wirtschaftspsychologin, bescheinigte ihrem Mitbewerber Hahn sogar in einer ihrer Ausführungen, er habe als Beigeordneter in Hechingen einen „sehr guten Job“ gemacht. Zoff auf offener Szene gab’s also nicht.

Heiterkeit im Saal

Dafür gab’s mehrfach Gelächter im Saal. Die größte Heiterkeit erntete die aus Balingen stammende Bewerberin Petra Koch auf die Frage, wie sie es denn als gewählte Bürgermeisterin mit dem Wohnort halten würde. Würde sie ihren Lebensmittelpunkt an den Arbeitsort verlegen? Das ist scheinbar nicht nötig. „Wissen Sie wie schnell ich von Balingen in Hechingen bin?“, fragte die Verwaltungsbeamtin bei der Balinger Polizei zurück. Und gab die Antwort selbst: „In zehn Minuten! Schneller als die Polizei erlaubt. Ich weiß, wo die Geschwindigkeitskontrollen sind.“ In dem Zusammenhang merkte die 61-Jährige noch an: „Ich zahle meine Strafzettel pünktlich“ – anders als ihre Verwandten, zu denen neben Steffi Graf auch der verschuldete Boris Becker gehöre, wie Koch so nebenbei verriet.

Philipp Hahn verwies mit seiner Wohnort-Antwort – „Ich habe nicht vor aus Hechingen wegzuziehen“ – auf die Tatsache, dass er bereits geraume Zeit hier ansässig ist. Sabine Abbasi erklärte, ja, sie würde Burladingen, wo sie derzeit lebt, verlassen, um als Bürgermeisterin der Zollernstadt zu sehen, wie sich die „Visionen“ ihrer künftigen Gemeindepolitik verwirklichen.

Noch ein weiteres Mal wurde gelacht, nämlich als Petra Koch, bei der Frage nach „Mitarbeiterführung“ darlegte, sie selbst sei von Vorgesetzten einst als „alte Schaffsau“ bezeichnet worden. Zudem besitze sie gegenüber Männern ein erhebliches Durchsetzungsvermögen.

In der Hauptsache drehten sich die Fragen und Antworten freilich um knallharte Stadtpolitik: So um die Neugestaltung des Obertorplatzes, Lämschutz an der B 27 und die Belebung des Oberstadtlebens.

Philipp Hahn konnte hier – natürlich – am besten sein Hintergrundwissen einfließen lassen, konnte an bekannte Fakten  anknüpfen, Möglichkeiten aufzeigen und klare Vorstellungen entwickeln. Dagegen zog sich seine Mitbewerberin Abbasi mehrfach auf allgemeine Formulierungen zurück: dass es ihr darum gehe, mit den Bürgern Visionen und Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Petra Koch äußerte sich insofern ähnlich, als sie sagte, ihr sei es wichtig, einvernehmliche Lösungen zu finden. Hilfreich erscheint ihr dabei die Installation einer „Entscheidungssoftware“, in der die Hechinger alle ihre Wünsche einbringen und dann darüber abstimmen können.

Dieses und anderes wollten die Bürger im Saal, als sie das Fragerecht erhielten, genauer wissen, es wurde nachgehakt. Wie die Stadt Hechingen nach Vorstellung der Bewerber in vier Jahren aussehen werde, mochte etwa Stadtmarking-Koordinator Sigfried Wischke erfahren.

Philipp Hahn sah vor seinem inneren Augen mehr Fahrradwege, einen optimierten Personennahverkehr, ausreichend Parkplätze in der Oberstadt und das neu bebaute HZ-Areal mit Hotel. Die Gegend rund ums Rathaus wäre stark belebt, weil man Leerstände beseitigt und zusätzlichen Wohnraum geschaffen habe. „Rundum“ werde die Zollernstadt in vier Jahren „ein Stück lebenswerter sein“.

Abbasi erblickte das Hechingen des  Jahres 2022 als eine Stadt der „kurzen Wege“ mit Seniorentaxi, „attraktiv“, „unverwechselbar“ und geprägt von einer „innovativen Wirtschaft“. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, war auch ihr wichtig. Ihr Vorhaben, einen „soliden Haushalt“ vorlegen zu wollen, brachte der 37-Jährigen allerdings die kritische Bemerkung Hahns ein, der Haushalt sei bereits einer der solidesten des Landkreises.

Petra Koch zeigte sich da weniger visionär, sie war für Fahrradladestationen und Blumenkübel.

Was befähigt die Bewerber,  Hechingen vorwärts zu bringen? Petra Koch verwies mehrfach auf ihre Laufbahn als Verwaltungsbeamtin und auf die Kontakte, über die sie verfüge. Etwa nach Mannheim, wo sie einst arbeitete. Gewinne sie die Wahl, dann sei es okay, wenn nicht werde sie sich als gute Verliererin zeigen. Langweilig werde ihr nicht werden, sie habe ja noch so viel vor.

Philipp Hahn brachte seine Erfahrung in Politik und Verwaltung zur Sprache und sagte, er sei fest gewillt, das was man „zusammen“ im Gemeinderat und im Rathaus für die Stadt erreicht habe fortzusetzen. Ja, er wolle gewinnen am 29. April. Am besten mit einem Ergebnis von über 50 Prozent.

Sabine Abbasi deutete im Verlauf des Nachmittags mehrfach auf ihre beruflichen Erfahrungen hin, blieb aber Namen und Adressen – vorerst – schuldig. Den Ausgang der Wahl mochte sie nicht voraussagen. Da stecke man nicht drin.

Kandidaten präsentieren sich erneut

Podium Die von der Stadt Hechingen organisierte Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten ist am Donnerstag, 19. April, um 19.30 Uhr in der Stadthalle „Museum“.

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