Landrat Günther-Martin Pauli wusste, was ihn in Hechingen erwarten würde: reichlich Schelte für frühere Fehlentscheidungen zur Krankenhausstruktur, die vor seiner Amtszeit getroffen wurden, die die Steuerzahler im Landkreis jetzt aber zig Millionen kosten. Deshalb lautete Paulis Mantra am Mittwochabend: „Lassen Sie uns den Blick nach vorne richten!“ Das Problem ist nur: Aus hohenzollerischer Perspektive schmerzt nicht nur der Blick in die Vergangenheit, in der ganz offenkundig das falsche Krankenhaus (Hechingen) zuerst geschlossen und in das falsche Krankenhaus (Balingen) 90 Millionen Euro investiert wurden. Der Blick nach vorne tut nicht minder weh. Denn wenn das medizinisch-fachlich unvermeidliche Zentralklinikum tatsächlich bei Dürrwangen gebaut wird, dann werden die Hechinger, Junginger, Burladinger, Rangendinger und Haigerlocher schon gar kein Krankenhaus mehr in rasch erreichbarer Nähe haben. Wir Bewohner des Mittelbereiches Hechingen werden auch beim zweiten Reformschritt die Verlierer sein. Aber, sagt der Landrat, es ist noch gar nichts entschieden: „Fragen Sie alle Kreisräte!“ Das ist auf dem Papier zweifellos richtig. Und doch spricht es Bände, dass die Gutachter in ihren Berechnungen und Präsentationen bereits mit dem Standort zwischen Albstadt und Balingen operieren – und dass auch das Landratsamt schon Landkarten vorlegt, die die angeblich so gute Erreichbarkeit von Dürrwangen belegen sollen. (Darin wird beispielsweise suggeriert, man brauche von Sickingen, Boll oder Schlatt bis Dürrwangen weniger als 20 Minuten!) Wer das wahrnimmt und wer die Balinger/Albstädter Doppel-Kirchturmpolitik im Kreistag kennt, der weiß: Am Ende wird in Dürrwangen gebaut. Nur dieser Standort wird die Albstädter und Balinger über den Verlust ihres jeweiligen Stadt-Krankenhauses hinwegtrösten. Das mag für die hohe Akzeptanz in den Raumschaften Balingen und Albstadt sorgen, die das Klinikum braucht. Das von Landrat Pauli beschworene Krankenhaus für den ganzen Landkreis wird so aber nicht zu bekommen sein. Ein solches – wir bleiben dabei – müsste dort entstehen, wo sich alle drei Mittelbereiche begegnen: in Bisingen. Für das große Albstadt nicht zumutbar? Aber gewiss doch. Wie sagt doch Chefarzt Prof. Michael Bitzer: „Ob die Klinik ein paar Minuten weiter weg ist, ist medizinisch nicht entscheidend.“