Rangendingen Eine Feuerwehrfrau steht ihren Mann

Rangendingen / Andrea Spatzal 14.02.2018
Einen Schutzengel wie die 29-jährige Feuerwehrfrau Hanna Gnant wünscht man sich im Notfall an seiner Seite.

Drei aktive Feuerwehrfrauen gibt es derzeit in der Rangendinger Feuerwehr. Hanna Gnant ist eine davon. Nein, sie war sogar die erste ihre Art in der Jugendfeuerwehr. „Ich kann mich noch erinnern, wie ich beim Bürgermeister war, um zu fragen, ob man die Duschräume auch abschließen kann“, sagt die 26-Jährige und lacht. Das ist lange her, 15 Jahre um genau zu sein. Heute sind Frauen bei der Feuerwehr selbstverständlich. Das Rangendinger Feuerwehrhaus ist längst so ausgebaut, dass beide Geschlechter ein- und ausgehen können. Das muss auch so sein. Die Freiwilligen Feuerwehren konnten auf Dauer keine Männerdomäne bleiben. Der demographische und gesellschaftliche Wandel wirkt sich auf den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst aus – und zwar negativ. Unzählige Abteilungen klagen über „Personalmangel“. Vor diesem Hintergrund fährt  die Feuerwehr Rangendingen unter Kommandant Christian Hermann eine offensive Werbekampagne. „Wir wollen neue Mitglieder aus allen möglichen Personenkreisen dazugewinnen. Wir möchten uns nicht ausruhen und für die Zukunft möglichst immer ausreichend Personal in allen Abteilungen vorhalten können“, betont Hermann. Für Interessierte findet am kommenden Samstag, 17. Februar, um 17 Uhr ein offener Informationsabend im Feuerwehrhaus Bietenhausen statt (wir werden noch berichten).

Bei Hanna Gnant brauchte es nur einen kleinen Stups, um sie für die Feuerwehr zu begeistern. Sie war elf Jahre jung, als sie mit ihrer Schulklasse die heimische Feuerwehr besuchte. „Da gab es einen Gutschein für drei Schnupperbesuche“, erzählt sie. Auch dass ihr Onkel bei der Feuerwehr war, mag dazu beigetragen haben, dass Hanna Gnant sofort „Feuer und Flamme“ war. Die drei wichtigsten Eckpfeiler ihrer nunmehr 15-jährigen Feuerwehrtätigkeit waren damals und sind bis heute: „Die Fähigkeit, anderen in einer Notlage helfen zu können, die Freundschaft und Kameradschaft untereinander, und das neue Wissen, das man erlernt und auch im Alltag gut anwenden kann“.

Die 26-jährige Rangendingerin ist sehr selbstbewusst im besten Wortsinn und hat ein klares Bild vom Wesen der Freiwilligen Feuerwehr. Vertrauen, sagt sie, sei dabei ein ganz zentraler Punkt. Man müsse sich im Ernstfall sowohl auf sich selbst als auch aufeinander verlassen können. „Jeder Handgriff zählt und muss sitzen“, unterstreicht Hanna Gnant. Schön sei, dass man auf diese Verbindungen „auch im Privaten zurückgreifen kann“. Man lerne überhaupt viele Leute kennen und treffe sich immer wieder, zum Beispiel auf Lehrgängen.

Wie steht ihre Familie zu ihrem Dienst in der Feuerwehr? „Sie steht  dahinter“, antwortet  Hanna Gnant ohne zu überlegen. Natürlich müsse die Familie oft auf sie verzichten und natürlich spiele die  Angst mit, „aber sie vertrauen darauf, nein sie wissen, dass ich nicht über meine Grenzen gehe“.

Die engagierte und gut ausgebildete Feuerwehrfrau hat schon große Einsätze gemeistert. Dazu zählen der Großbrand im Sportgeschäft Neher 2012, die Hochwassereinsätze 2013 und natürlich der Wohnhausbrand in der Silvesternacht 2017/18. Es sei immer eine Herausforderung, „die ungeheuren Kräfte zu bändigen“, ob Feuer, Wasser oder Sturm. „Wenn es keinen Personenschaden gibt“, sagt Hanna Gnant, „das ist das Schönste“.

Kommandant Christian Hermann hat Respekt vor dem Engagement und auch dem Mumm der jungen Feuerwehrfrau. Über einen schwierigen Übungseinsatz, den Hanna Gnant im Bereich Absturzsicherung absolvierte, sagt er: „Ich finde das beeindruckend und – das darf man wohl sagen – sowas macht nicht jeder ,Feuerwehrmann’“.

Wer sich für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr interessiert, dürfe sich nicht von der Ausbildung abschrecken lassen. „Die ist machbar, wenn man will“, sagt Hanna Gnant. Sie selbst ist nicht nur im aktiven Dienst, sondern hat auch als stellvertretende Jugendwartin in Rangendingen seit 2002 und Schriftführerin des Jugendfeuerwehrverbandes Verantwortung übernommen.

In Rangendingen sind neben Hanna Gnant derzeit noch die Feuerwehrfrauen Svenja Schneider und Sabrina Birkle im aktiven Dienst. Die Jugendfeuerwehr hat fünf weibliche Mitglieder. bei den Löschzwergen, die es seit zehn Jahren gibt,  ist die Geschlechteraufteilung Fifty-Fifty. Hanna Gnant, die viel mit den Jugendlichen arbeitet, zeigt auch hier ein hohes Maß an Verantwortung: „Wir sind es, die schauen und die Übungsabende so gestalten müssen, dass sie dabeibleiben.“

Die Feuerwehr hat viele Gesichter

Die Werbeaktion der Feuerwehr Rangendingen wird von der HZ mit einer Artikelserie begleitet, in der vier aktive Feuerwehrmitglieder mit ganz unterschiedlichen Biografien vorgestellt werden: Matthias Wiest (34), Hanna Gnant (26), Felix Fäller (19) und Usman Minhas (18). Sie schildern ihren Werdegang und ihren Blick auf die Feuerwehr. In einem weiteren Teil der Serie erklären Kommandant Armin Hipp und Vize-Kommandant Siegfried Grupp von der Feuerwehrabteilung Höfendorf mit Löschgruppe Bietenhausen Details zum Infotag am 17. Februar und zur Ausbildung.

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