Hechingen Obertorplatz: Eine alte Idee wird wieder neu

Hechingen / Ernst Klett 01.09.2018
Aus alt mach neu: Zwei langjährige SPD-Kommunalpolitiker wollen den Obertorplatz mit der Straße nur im Herrengässle.

Mehrere Stunden im Archiv der HZ zuzubringen, das kann mühselig sein. Muss es aber nicht. Ganz im Gegenteil sogar. Diese Erfahrung gemacht haben Elisabeth Ilg-Reininghaus und ihr Mann Dieter Ilg. Das Ehepaar war im tiefen Keller des Gebäudes Obertorplatz 19 auf der Suche nach einer alten Idee für die Neugestaltung eben dieses Platzes. Die jüngsten Pläne dafür sind zwar fix und fertig, wurden aber durch den Dauerzwist um die Tiefgarage Jahr um Jahr nicht umgesetzt. Mittlerweile haben sie unter Umständen so viel Staub angesetzt, dass nochmal darüber nachgedacht werden sollte.

Die Chancen dafür stehen so schlecht nicht. Werner Beck, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Gemeinderat Hechingen, hat vor der Sommerpause genau dies angeregt: Die Entwürfe für den neuen Obertorplatz noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Besonders die Verkehrsführung soll beachtet werden, wenn es nach den Freien Wählern geht. Dafür gab es in der Sitzung einen wichtigen Fürsprecher: Bürgermeister Philipp Hahn ist ebenfalls der Meinung, dass man die jahrealten Überlegungen nicht einfach eins zu eins übernehmen sollte, ohne sie nicht mindestens ein weiteres Mal hinterfragt zu haben.

Das wiederum hat bei zwei ehemaligen Hechinger SPD-Kommunalpolitikern das einwandfrei funktionierende Gedächtnis in Gang gebracht: Obertorplatz, da war doch was? Genau: Das Urheberrecht für die Verlegung der Verkehrsader von der östlichen auf die westliche Seite, das gebührt den Sozialdemokraten der Zollernstadt. Es ist schon ein großes Weilchen her. Denn mit dem zentralen Areal der Oberstadt plagen sich Bürgermeister und Gemeinderäte nicht erst seit gestern oder vorgestern. Seit mehr als 40 Jahren wird diskutiert und sogar auch geplant. Nur ist bislang halt nichts geschehen. Dieses Mal –  Hechingen schwimmt anders als früher im Geld – wird es aber was werden. Tiefgarage hin oder her.

Dank der Recherchen im HZ-Archiv steht fest: Im Oktober 1977 unterbreitete die SPD-Fraktion dem damaligen Bürgermeister Norbert Roth drei  Vorschläge zur Verkehrsführung. Darunter war die Verlegung der Durchgangsstraße ins sogenannte Herrengässle; das ist die Verbindung von der Frauengartenstraße an Apotheke und Buchhandlung vorbei zur Zollernstraße. Der ganz, ganz große Vorteil dabei: Der Verkehr ist weggedrängt auf den Rand einer Platzseite und zerschneidet diesen nicht in zwei Teile – wie es die jüngste Planung immer noch vorsieht. Die Vorschläge wurden, so erinnert sich der damalige Fraktionsvorsitzende Dr. Heiner Stobitzer, aber nicht einmal zur Abstimmung an den Ratstisch gebracht. Das Geld habe angeblich gefehlt, außerdem seien die Bäume an der südlichen Platzseite im Weg gewesen. Elisabeth Ilg-Reininghaus weiß aber noch sehr genau: „Der HGV und der ADAC-Ortsclub haben sehr positiv reagiert auf unsere Ideen.“

Damals gaben die Genossen so leicht nicht auf: Ein zweiter Anlauf für die Westseite folgte im Januar 1986.Aber wieder, die alte Hechinger Krankheit, es wurde nichts umgesetzt.

Nun, im dritten Anlauf, sieht das Duo Stobitzer und Ilg-Reininghaus die Chancen erheblich steigen. Da sind nicht allein die Freien Wähler und der Bürgermeister. Hervorragend sei die bisherige Resonanz in der Bevölkerung auf ihren wieder aufgelegten Vorstoß fürs Herrengässle. Und spätestens beim Neubau des Hallenbads nach dem gescheiterten Privatisierungsversuch habe man doch gesehen, wie sehr die Bevölkerung mitreden wolle – und dies auch tue, unterstreicht Elisabeth Ilg-Reininghaus ganz dick. Die altgediente Stadträtin: „Ich setze auf die Leute!“

Mit seiner neuen, alten Idee geht das SPD-Seniorenduo nun weiter auf Werbetour. Die Tiefgarage lassen beide übrigens bewusst außen vor: Was unter dem Platz geschieht, hat schließlich nichts mit dessen Neugestaltung zu tun – von der Frage der Ein- und Ausfahrt der unterkellerten Großgarage mal abgesehen.

So geht es weiter mit dem Obertorplatz

Hopp oder top Nach der jetzt endenden sommerlichen Beratungspause wollen Stadt und Gemeinderat einen Haken an das Thema Tiefgarage machen. Entscheidendes hat sich in jüngster Zeit getan: Das Haus Klaiber hat den jahrelangen Gerichtsstreit beendet, und auf dem Areal zwischen der HZ und der früheren Drogerie sollen zwei private Neubauten entstehen mit so viel unterirdischen Stellplätzen, dass sich die Tiefgarage erübrigen könnte. Der Knackpunkt: Die Stadt ist zwar hoch willkommen als Mieterin der Parkplätze, aber fürs Rathaus und den Gemeinderat muss der Preis dafür halt auch stimmen. kle

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