Um sechs Uhr gestern Morgen war auf den Fluren der Alice-Salomon-Schule in Hechingen schon aufgeregter Betrieb. Das ist ganz schön früh, auch wenn am selben Tag Deutsch-Abitur geschrieben wird. Die 63 Abiturienten waren aber die ersten in der Geschichte des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums der Schule, die gestern zum Abi-Marathon antraten. Und da waren auch die Lehrer aufgeregt, ob alles klappt. Pünktlich um sechs Uhr öffneten sie die Umschläge mit den Prüfungsaufgaben. Schulleiter Karl-Heinz Rauch und Deutsch-Lehrerin Leonie Schneider-Loye konnten dann das erste Mal aufatmen, als sie sahen, dass "die Aufgaben wirklich machbar waren". Dazu gehörten ein Textvergleich von Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" und Franz Kafkas "Prozess" sowie Gedichtinterpretationen von Erich Kästners "Ein Beispiel von ewiger Liebe und Erich Frieds "Nur nicht".

Leonie Schneider-Loye und ihre Kollegin Ute Voitl waren für die Organisation des ersten Abiturs an der Schule verantwortlich. Und das mit viel Engagement: "Die beiden haben viel Freizeit investiert, damit es die Schüler so angenehm wie möglich haben", sagt Schulleiter Karl-Heinz Rauch. Einen Probelauf für das Abitur an der Schule gab es schon voriges Jahr. Die Schüler einer Tübinger Privatschule, die noch kein Abitur abnehmen durfte, schrieben an der Alice-Salomon-Schule ihre Abschlussprüfungen.

Gestern, am ersten Tag der Prüfungen, lief alles rund: Die Zwölftklässler begrüßten die Abiturienten und versorgten sie mit Getränken. "Die waren fast genau so aufgeregt", erzählt Rauch. Die Abiturienten seien erstaunlich gut aufgelegt gewesen. Grund für Sorgen gab es eigentlich auch keine, denn "die Vorbereitung auf die Prüfungen war in den letzten Wochen sehr intensiv", sagt Leonie Schneider-Loye, außerdem hatten alle große Vesper-Paketen und Maskottchen dabei.