Ein Ludwigsburger Wohnmobil mit Parkschein vom Schloss Lichtenstein an der Scheibe, ein Minivan mit Reutlinger Kennzeichen, ein Kombi aus dem Landkreis Esslingen – gleich am ersten Öffnungstag des Römischen Freilichtmuseums in der neuen Saison wird auf dem Parkplatz erkennbar, dass Stein eine Attraktion für Tagestouristen aus dem ganzen Ländle ist. Sicher: Massenandrang sieht anders aus, aber Fördervereinschef Gerd Schollian hat allen Grund zur Zuversicht, dass bis Ende Oktober wieder – wie im vergangenen Jahr – um die 24 000 Besucher sehen wollen, wie die Römer vor rund 2000 Jahren am Rande der Schwäbischen Alb lebten. „Wir hoffen auf eine gute Saison“, sagt Schollian. „Die Anmeldungen laufen. Die erste Gruppe kommt schon heute Mittag.“

An überregionalem Publikum fehlt es nicht auf dem Gelände der Villa rustica. Schulklassen, fachkundige Gruppen von Archäologen oder einfach erlebnishungrige Ausflüglergruppen aus dem ganzen Ländle suchen gezielt das Areal oberhalb des Starzeltales auf. „Was es hier zu sehen gibt über das römische Landleben, gibt es sonst nirgends“, sagt Schollian selbstbewusst.

Wünschen würde sich der spiritus rector der Anlage freilich noch mehr Zuspruch aus der näheren Umgebung. Ein Hebel dafür könnte eine bessere Anbindung des Freilichtmuseums an das „Wanderparadies Hechingen“ sein. Mit leichtem Verdruss hat Gerd Schollian zur Kenntnis genommen, dass die drei neuen Rundwege, die von den Hechinger Touristikern ausgewiesen wurden, am Martinsberg und im unteren Killertal, aber weit entfernt von der Villa rustica verlaufen. „Die Wanderwege gehen alle in Richtung Alb“, ist Schollians Eindruck, „uns scheint man vergessen zu haben. Dabei sind wir doch neben der Burg das touristische Highlight von Hechingen“. Sein Wunsch wäre ein echter „Römerwanderweg“ als fester Bestandteil des „Wanderparadieses“. Auf der Terrasse des Freilichtmuseums lässt sich schließlich herrlich mit Burgblick einkehren. „Aber vielleicht“, so Schollian, „müssen wir einen eigenen Weg ausweisen“.

An diesem Saisoneröffnungstag steht Gerd Schollian wie fast jeden Tag in Arbeitsklamotten im Römischen Tempelbezirk, dessen Rekonstruktion im Westen der Anlage große Fortschritte macht. Schollian und sein getreuester ehrenamtlicher Helfer Karl-Josef Gönner rechen und schaufeln im Außenbereich vor der Portikushalle, um das Einsäen vorzubereiten. Nebenan wird am „Haus des Priesters“ gemauert. Das eine oder andere kleine Tempelchen will auch noch gebaut sein. „Peu à peu“, sagt Schollian. „Es ist halt alles eine Mordsarbeit – und eine Geldfrage.“ Bislang hat der Förderverein Sponsorengelder für zwei Tempel gesammelt. Alles weitere muss aus Eigenmitteln finanziert werden. Trotzdem ist der Steinemer Römerchef guter Dinge, Ende 2020 mit dem Tempelbezirk weitgehend fertig zu sein und eine weitere große Attraktion der Anlage präsentieren zu können.

XXII


(22) Grad: So frühlingshaft – in einer römischen Zahl ausgedrückt – war die Temperatur am Dienstag beim Saisonauftakt des Römischen Freilichtmuseums in Stein.

Einige Attraktionen in der neuen Saison


Tatort Villa rustica: Die Autorin Isabel Holocher-Knosp liest an diesem Sonntag, 7. April, um 15 Uhr am Ort des Geschehens aus ihrem neuen Schwabenkrimi, der während des Römerfestes im Freilichtmuseum spielt.

Das Keltenfest findet in der dritten Auflage am Wochenende 11./12. Mai statt.

Steampunk-Picknick ist am Samstag, 1. Juni. Alle Gäste sind eingeladen, sich unter Besucher aus dem 19. Jahrhundert zu mischen, die in Science-Fiction-Kostümen aus der Zeit von Jules Verne und H. G. Wells auflaufen.

„Römer im Schein der Fackeln“ heißt es wieder am Samstag, 12. Oktober. hy