Hechingen Ein Feingeist und Mann der sanften Töne

Günter Schlichtenberger starb am Dienstag im Alter von 79 Jahren.
Günter Schlichtenberger starb am Dienstag im Alter von 79 Jahren.
Hechingen / SABINE HEGELE 27.01.2012
Günter Schlichtenberger war ein Feingeist. Er liebte klassische Musik und war interessiert an der preußischen Geschichte. Am Dienstag starb er mit 79 Jahren.

Günter Schlichtenberger ist tot; er starb nach längerer Krankheit, aber doch überraschend.

In Hechingen bleibt er vor allem als Rechtsanwalt in Erinnerung, der jedem seiner Mandanten die volle Aufmerksamkeit schenkte, der sich die Mühe machte, auch hinter die Fassade des straffällig gewordenen Menschen zu blicken. Günter Schlichtenberger hinterlässt seine Frau Hanna, die Kinder Konrad, Clara und Lioba sowie sechs Enkelkinder.

Geboren und aufgewachsen in Ragnit in Ostpreußen, flüchtete Günter Schlichtenberger als Elfjähriger mit einer Art Ziehmutter aus der Heimat über Schlesien nach Tübingen. Dort arbeitete seine ältere Schwester als Krankenschwester.

Mit seiner Flucht verlor er die Familie für viele Jahre aus den Augen. Erst 1956 fanden die Schlichtenbergers wieder zusammen - in Norddeutschland, mit Hilfe des Roten Kreuzes. In den Norden hatte es die Mutter und die beiden jüngeren Geschwister Günter Schlichtenbergers nach ihrer später datierten Flucht aus Ostpreußen (über Dänemark) verschlagen. Der Vater tat zu dieser Zeit Kriegsdienst.

Als junger Mann nahm Günter Schlichtenberger in Tübingen das Studium der Rechtswissenschaften auf - und schloss es auch in der Universitätsstadt ab. Dazwischen lagen Studiensemester in Hamburg, Münster und Paris. Als Student arbeitete er unter anderem zwei Jahre in einem Heim für hilfsbedürftige Kinder in Tübingen und in den Semesterferien beim Statistischen Landesamt.

Dort lernte er Mitte der 50er-Jahre seine spätere Frau Hanna kennen - beim Schweinezählen. 1959 schlossen die Schlichtenbergers den Bund fürs Leben und gründeten in Tübingen ihren ersten gemeinsamen Hausstand. Zu der Zeit unterrichtete Hanna Schlichtenberger am Hechinger Gymnasium bereits die Fächer Chemie und Biologie.

Aus dem Jahr 1960 datiert der gemeinsame Umzug in die Zollernstadt. Hier war Günter Schlichtenberger zunächst bei der Kanzlei Schellhorn als Anwalt angestellt. Zehn Jahre später machte er sich selbstständig - bis er im Jahr 2008 seine Kanzlei aufgab. Doch auch danach blieb Günter Schlichtenberger als Rechtsanwalt tätig, nicht mehr in Vollzeit, aber auf Anfrage. Letztmals vor Gericht Prozess geführt hat er im zeitigen Frühjahr des vergangenen Jahres, seine Zulassung als Anwalt hatte er nie zurückgegeben.

Ein großer Sportler war Günter Schlichtenberger nicht, dafür war er sehr belesen. In seiner Freizeit widmete er sich mit großem Interesse der preußischen Geschichte, außerdem liebte er die klassische Musik. Eine weitere Leidenschaft, die er mit seiner Frau Hanna teilte, galt der französischen Sprache. Bevorzugtes Urlaubsland des Ehepaares war also nicht von ungefähr Frankreich. Daneben ließ er nie den Kontakt ins ehemalige Ostpreußen abreißen.

Beigesetzt wird Günter Schlichtenberger am kommenden Montag, 30. Januar, auf dem Friedhof in Höfendorf. In jener Rangendinger Teilgemeinde, die die Heimat seiner Frau ist und die er oft und gerne besuchte.

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