Hechingen Campingplatz im Weiher hat neue Pächter

Hechingen / Matthias Badura 19.01.2019
Die Schweizer Alex Monic und David Locher übernehmen den Zolleralbcamping und das „Siehscht me“ im Hechinger Weiher von der Gründerfamilie Klingler als Pächter.

Die Klinglers ziehen sich von ihrem Campingplatz und aus der Gastronomie zurück – guten Gewissens und beruhigt, denn sie sind sicher, die geeigneten Nachfolger gefunden zu haben. Wolfgang Klingler ist mittlerweile 70, er hätte sich längst zur Ruhe setzen können. Aber er wollte seinen Campingplatz, den er 2010 im Hechinger Weiher eröffnete und das zugehörige Café und Vesperstüble „Siehscht me“ in guten Händen wissen. „Ich, meine Frau und mein Sohn haben das hier aus dem Nichts aufgebaut, da hängt Herzblut dran“, sagt er gegenüber der HZ. Daher hatte er sich vorgenommen, den Betrieb so lange weiter zu führen, bis eines Tages die Richtigen zur Tür des „Siehscht me“ herein kommen und sich nach der Pacht erkundigen...

Eines Tages, vor gut zwei Jahren, kamen sie tatsächlich. Zuerst noch unerkannt: Zwei junge Schweizer auf der Rückfahrt vom Camping-Urlaub in Dänemark. War es Müdigkeit, war es Fügung, dass sie wenige Kilometer von der Heimat entfernt noch einmal Station machten, ausgerechnet in Hechingen? Alex Monic, gelernter Außenhandelskaufmann, 31, und David Locher, Restaurationsfachmann, 27, sind passionierte Camper. Sie träumten schon lange davon, ihre Jobs an den Nagel zu hängen und einen eigenen Campingplatz zu betreiben. Welch ein Zufall! Die Klinglers und die Gäste aus der Schweiz kamen ins Gespräch und beide Seiten merkten bald, dass sie auf derselben Wellenlänge funken.

„Die Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile und das ,Siehscht me‘ bilden eine Einheit. Das muss zusammen bleiben, sonst funktioniert es nicht“, ist Wolfgang Klingler überzeugt. Das sehen auch Alex Monic und David Locher so. Klinger wollte außerdem, dass der Platz persönlich und kuschelig bleibt, ein Wohlfühlort, an den man gerne zurück kehrt.

Das ist wiederum genau das, was sich die beiden Schweizer vorgestellt hatten, das war stets ihr Bild vom eigenen Campingplatz: Kein Massenbetrieb, keine unpersönliche Abfertigung. „Wo die Menschen heute auch hinkommen, überall werden sie vor Maschinen und Automaten gestellt. Die Menschen wollen aber mit jemandem reden, sie wollen dass sich jemand um sie kümmert“, meint David Locher. Guter Service, Freundlichkeit, prompte Hilfe, schnelle Bedienung, das wissen die beiden aus eigener Campererfahrung zu schätzen und das wollen sie auch ihre Gästen zu teil werden lassen.

Dies ist der eine Teil des Erfolgsplanes, den sie ausgearbeitet haben, den anderen Teil steuert die Lage des Zollernalbcampings bei: Was die Versorgung angeht, liegen etwa mehrere Supermärkte vor der Haustür, ein Schwimmbad, Tennisplätze oder ein Minigolfplatz sind ebenfalls vorhanden. Vor allem aber sei die Landschaft herrlich und das touristische Angebot phantastisch, schwärmen die Schweizer. Doch da muss man erst einmal nachdenken. Was meinen die beiden bloß?

Wolfgang Klingler hilft auf die Sprünge: „Uns Einheimischen fällt nicht mehr auf, wie schön es bei uns ist und was wir alles besitzen. Aber Gäste von auswärts sind immer begeistert.“

Doch wo ist es am allerschönsten? Auf Maria Zell, auf dem Kornbühl, am Hangenden Stein, in der Bärenhöhle, auf den Premiumwanderwegen oder in der Villa rustica? Falsch! Auf der Terrasse des „Siehscht me“. „Von hier sieht man gleichzeitig den Albtrauf, die Stadtkirche und den Hohenzollern, wo gibt es das sonst?“ lacht Wolfgang Klingler.

Inzwischen ist die Übergabe erfolgt, Alex Monic zog im September aus Zürich hierher, hat sich eingearbeitet, kennt die Abläufe auf dem Platz und die Stammgäste des „Siehscht me“, David Locher folgte vor einem Monat nach.

Klingler kann sich getrost verabschieden. „Auf eine Art bin ich froh, dass ich aufhören darf. Aber“, schränkt er augenzwinkernd ein, „ich werde mich erst dran gewöhnen müssen.“ Die Gäste aus aller Herren Länder könnten ihm fehlen, ebenso die Herausforderungen und Überraschungen, die ein Campingplatz täglich so mit sich bringt. Darauf freuen sich umso mehr die neuen Betreiber.

Kulinarisch: Schweiz trifft Schwaben

Campingplatz Der Zollernalbcamping zählt 50 Wohnwagen- und 20 Wohnmobilstellplätze, zudem sieben Dauerplätze. Natürlich finden auch Zeltcamper Unterschlupf.

Gaststätte Das Café und Vesperstüble „Siehscht me“ hat künftig immer dienstags Ruhetag – statt wie bisher samstags. Geöffnet ist ab 14 Uhr. Die kleine aber feine Speisekarte weist neben heimischen Maultaschen jetzt auch Schweizer Spezialitäten auf: Rösti oder Raclette etwa. Kaffee und Kuchen bieten die beiden Inhaber aus Zürich weiterhin an. Und natürlich sowohl Schwäbischen wie auch Schweizer Wurstsalat.

Auskünfte Mehr Infos und Bilder findet man im Internet unter: zollern­albcamping.de.

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