Kaum sind die neuesten Lockerungen in der Coronakrise im Zollernalbkreis spürbar, könnten die Zollernälbler sie auch schon bald wieder los sein. Ein neuerlicher Lockdown droht: Diesen Eindruck legte ein aktueller SWR3-Bericht nahe. Dort wurde von 55,57 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern im Zollernalbkreis berichtet.

Das würde nach dem aktuellen Bund-Länder-Beschluss bedeuten, dass der Landrat wegen zu vielen Neuinfektionen (über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) wieder Einschränkungen beschließen müsste, um diese einzudämmen. Nur Heidenheim würde in Baden-Württemberg mit knapp 50 Neuinfektionen ebenfalls in die Nähe dieses neuen Grenzwertes stehen – laut des Berichts.

Daten des Ministeriums weichen ab

Die Redaktion von SWR3 in Baden-Baden bezieht sich bei ihrer Berechnung der Infektionsrate in den vergangenen sieben Tagen nach eigenen Angaben unter anderem auf die Daten des Ministeriums.

Der Bericht und die Karte sind vorerst entfernt worden, heißt es auf Anfrage am Donnerstagmittag. Die Redaktion kündigte einen einordnenden und erklärenden Text an, um Verunsicherungen auszuräumen.

Meldeverzug wird nun zum Problem

Andere Medien beziehen sich bei solche bundesweiten Übersichten auf Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und berechnen so am Donnerstag rund 43 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner für den Zollernalbkreis.

Das Problem dabei: Die Daten des Landes und des RKI weichen von denen des Gesundheitsamtes im Zollernalbkreis gelegentlich ab, beispielsweise wegen Meldeverzugs.

Vor Ort werden die Fälle vom hiesigen Gesundheitsamt erhoben und an die nächst höhere Stelle, das Landesgesundheitsamt, gemeldet, das wiederum dem Ministerium für Soziales die Zahlen weitergibt. Dann erhält das RKI die Daten. Bislang konnte dadurch je nach Quelle nur im Detail ein anderer Eindruck vom aktuellen regionalen Infektionsgeschehen entstehen.

Lockdown droht nicht bei jeder Quelle

Was den Stichtag 29. April betrifft, worauf die Berechnungen aktuell fußen, führen abweichende Zahlen jedoch zu extrem abweichenden Infektionsraten und könnten damit Konsequenzen mit sich bringen. Denn welche Datenquelle zur Entscheidung über einen Lockdown künftig genutzt wird, ist aktuell unklar.

Wird die „Obergrenze“ überschritten, ist das örtliche Gesundheitsamt am Zug und muss „entsprechende Maßnahmen“ ergreifen, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage. Die sogenannten 7-Tage-Inzidenzen würden seit Donnerstag im Lagebericht des Landesgesundheitsamtes aufgenommen.

Möglicherweise nur einzelne Gemeinden dann betroffen

Diese Maßnahmen würden dann an die jeweilige Situation vor Ort angepasst. „Es ist denkbar und gut möglich, dass nur einzelne Gemeinden eines Landkreises dann von etwaigen Maßnahmen betroffen sind, oder einzelne Einrichtungen“, sagt Pressesprecher Pascal Murmann.

Elementar wichtig bleibe deshalb eine solide Ermittlungsarbeit der Gesundheitsämter. Die möglichst umfassende Kontaktpersonenermittlung und das adäquate Kontaktpersonenmanagement seien der Schlüssel zur Kontrolle über das Infektionsgeschehen.

Wie SWR3 die Infektionsrate berechnet hatte

Und wie genau kam es zur von SWR3 vermeldeten Infektionsrate? Den Landesdaten zufolge sind am 29. April keine Neuinfektionen seit dem Vortag gemeldet worden. Tatsächlich hat das Landratsamt im Zollernalbkreis jedoch 19 neue Fälle gemeldet.

Damit steigt die Summe der gemeldeten Neuinfizierten in den darauf folgenden sieben Tagen bis zum 6. Mai auf insgesamt 105 Fälle beim Ministerium – anstatt der 96 des hiesigen Gesundheitsamts. So lässt sich die SWR3-Rechnung und die Infektionsrate von 55,7 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern im Zollernalbkreis bei 188.935 Einwohnern rekonstruieren.

Landratsamtsdaten legen keinen Lockdown nahe

Die Daten des Landratsamtes ergeben aktuell eine Infektionsrate von 46,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern bei einer leicht abweichenden Einwohnerzahl von 189.486 Einwohnern im Zollernalbkreis.

Wichtig zu wissen: Grenze liegt bei 94 Neuinfektionen

Die Bevölkerungszahl im Zollernalbkreis beträgt laut Landratsamt 189.486. Um unter 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern zu bleiben, darf die wöchentliche Zahl der Neuinfektionen 94 nicht überschreiten.

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