Es war noch dunkel in der Hechinger Runkellenstraße, als eine Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit der Polizei am Donnerstagmorgen  gegen 6 Uhr die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber stürmte. Augenzeugen der Großrazzia, wie sie Hechingen in dieser Form noch nie erlebt hat, berichten, dass das Einsatzkommando das Aviona-Wohnheim mit Maschinenpistolen stürmte. Auch eine Rampe wurde aufgebaut, um den 130 Polizeibeamten ein schnelleres Eindringen in das vierstöckige alte Fabrikgebäude zu ermöglichen.

Die Einsatzkräfte stellten das Wohnheim auf der Suche nach Drogen auf den Kopf – und wurden fündig. Nicole Luther, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hechingen, bestätigte am Nachmittag, dass Betäubungsmittel und ein vierstelliger Bargeldbetrag gefunden wurden. HZ-Informationen zufolge nahmen die Fahnder unter anderem eine erkleckliche Menge an Marihuana mit. Der Razzia vorausgegangen waren umfangreiche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Balinger Kriminalkommissariates.

Bei dem Großeinsatz, der vier Stunden lang dauerte, vollzog die Polizei zwölf Durchsuchungsbeschlüsse und sechs Haftbefehle des Amtsgerichts Hechingen. Die sechs Festgenommenen wurden noch am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt, der die Haftbefehle in Vollzug setzte. Die Festgenommenen sitzen jetzt in Untersuchungshaft. Dem Vernehmen nach soll es sich um fünf Bewohner des Aviona-Wohnheims und einen Mann aus Burladingen handeln. Sie werden des Drogenhandels verdächtigt.

Darüber hinaus nahm die Polizei sieben weitere Personen – teils Heimbewohner, teils Gäste – vorläufig fest. Diese Sieben wurden nach der Feststellung ihrer Identität und erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß gesetzt. Augenzeugenberichten zufolge ist während des Überraschungscoups der Polizei ein Heimbewohner kollabiert und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Im Hechinger Aviona-Wohnheim leben nach den jüngsten Angaben des Landratsamtes derzeit knapp 100 Asylbewerber. Hinweise darauf, dass Heimbewohner mit Marihuana und anderen Drogen handeln, hatten sich im vergangenen Herbst verdichtet – unter anderem als mehrere Schülerinnen und Schüler des Hechinger Gymnasiums wegen angeblichen Drogenhandels von der Schule verbannt wurden. Die polizeilichen Ermittlungen in jenem Zusammenhang hatten offenbar zutage gefördert, dass die Jugendlichen ihren „Stoff“ aus dem Aviona-Wohnheim bezogen hatten.