Hechingen Drei Showtanz-Schläger verurteilt

Gestern fielen die Urteile im langwierigen Trillfinger Schlägerei-Prozess. Archivfoto
Gestern fielen die Urteile im langwierigen Trillfinger Schlägerei-Prozess. Archivfoto
Hechingen / ANDREA SPATZAL 06.11.2013
Drei hohe Bewährungsstrafen und einen Freispruch gab es gestern im Trillfinger Showtanz-Prozess. Das Interesse an der Urteilsverkündung, auch von Fernsehen und Radio, war groß.

Filmkamera und Mikrophon reckten sich gestern, nachdem l die Hauptverhandlung im Saal 181 beendet war, dem Richter entgegen. Das Interesse an der Urteilsverkündung im Showtanz-Prozess war groß. Nach einer langwierigen und umfangreiche Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugen war das Ergebnis mit Spannung erwartet worden.

Es gab drei Bewährungsstrafen und einen Freispruch. Bei drei Angeklagten folgte das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Ernst Wührl den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe auf drei Jahre Bewährung und einer Geldstrafe von 500 Euro wurde der 24-Jährige Hechinger B. verurteilt. Er gehörte der Skinheadgruppe an, der die "Racheaktion" vor der Trillfinger Festhalle galt. Um seinen Kumpels zu helfen, hatte sich B. erst mit Stöcken bewaffnet, als man ihm diese aber auf dem Weg zum Ort des Geschehens abgenommen hatte, sein Auto in die Menge gefahren. Er fuhr jedoch Schrittgeschwindigkeit. Es gab drei Leichtverletzte. B. war von Anfang an geständig, was ihm das Gericht positiv anrechnete. Negativ fiel eine Bewährung aus früherer Zeit ins Gewicht. Dennoch wollte ihm das Gericht "noch eine Chance geben".

Die höchste Strafe erhielt gestern der Hauptangeklagte aus der "Trillfinger Gruppe" wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, und einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt. Das Gericht sah es aufgrund der Zeugenaussagen als erwiesen an, dass S. "vom Anfang bis zum Ende an vorderster Front mit dabei war und mitgewirkt hat." Er hat vermutlich den ersten Schlag ausgeführt. Nicht umsonst war seine rechte Hand in jener Nacht stark angeschwollen.

Sein Mitstreiter wurde, ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung, zu einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Auch seine Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt (zwei Jahre). Außerdem muss er 750 Euro an die Lebenshilfe bezahlen. Auch L. war damals einigen Zeugen durch eine Gesichtsverletzung aufgefallen. Das Schöffengericht kam zu dem Schluss, dass L. "mitten im Getümmel" gewesen sein muss. "Dann hat er auch mitgewirkt, denn warum sollte er sonst dort gewesen sein", zog der Richter den naheliegenden Schluss.

Einen Freispruch gab es - ganz entgegen dem Antrag - für den Dritten im Bunde. Man könne W. eine Tatbeteiligung nicht nachweisen. Er sei von keinem der Zeugen identifiziert worden, und obwohl auch er erheblich am Mund verletzt gewesen sei, habe er das Zustandekommen der Verletzung damit erklären können, dass er schon auf dem Weg zum "Schlachtfeld" von einem der Skins mit einem Stock geschlagen worden sei. "Das können wir nicht widerlegen", so der Richter, der auch feststellte, dass an der Schlägerei ohnehin "viel mehr beteiligt waren, als hier auf der Anklagebank sitzen".

"Wir haben den allgemeinen Ablauf in jener Nacht relativ klar herausgearbeitet", stellte Richter Wührl fest. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass sich die Schlägerei in der Nacht zum 8. Januar vor der Trillfinger Festhalle weitestgehend so zugetragen hat, wie in der Anklageschrift formuliert: Am Schluss der gut besuchten Veranstaltung, gegen 3 Uhr, kam es zwischen einem 20-jährigen dunkelhäutigen Gast und einer Skinheadgruppe zu einer Auseinandersetzung. Man beschimpfte sich gegenseitig als "Scheiß-Nazi" und Scheiß-Nigger" und es kam wohl auch zu Handgreiflichkeiten. Aber obwohl dieser Streit beendet und der 20-Jährige bereits auf dem Nachhauseweg war, fühlte sich eine 15- bis 30-köpfige Gruppe Einheimischer berufen, die "Nazis" für ihr Tun zur Rechenschaft zu ziehen. Einer der Skinheads wurde niedergeschlagen, und, am Boden liegend, längere Zeit getreten, unter anderem auch gegen den Kopf. "Eine ernsthafte Chance der Gegenwehr war bei diesem Kräfteverhältnis nicht gegeben", stellte der Richter fest. Auch die Freundin des Skins, die sich schützend über ihn beugte, trug Verletzungen davon. Die Prügel waren, so der Richter, von "erheblicher Brutalität und Dauer". Den Angeklagten wurde zugute gehalten, dass alkoholbedingte Enthemmung und Gruppendynamik mit im Spiel waren und - zumindest im Fall der Trillfinger - keine Vorstrafen vorlagen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel