Es ist ein sehr sonniger Januarnachmittag, ruhig geht es in Bietenhausen zu. Allein schon der Fassade des sanierten Gebäudes in der Bußstraße 9, oberhalb des Feuerwehrhauses, sieht es der Betrachter an: Hier hat sich viel getan. Der Anstrich ist nicht mehr zerschlissen weiß, gelb und braun, sondern erstrahlt in reinem Weiß und einer grauen frischen Bordüre – inmitten ist ein riesiges neues Schaufenster.

Kommen Sie rein. Das ist also unser neu entstehendes Lädle“, sagt Eva Maria Herter und lächelt. Die Projekt- und Bereichsleiterin des Diasporahauses Bietenhausen war in erster Linie mit den Planungen zum neuen Dorflädle betraut. Sie hat die Vorbereitungsarbeit seit Sommer 2018 geleistet. Nun ist Herter mit dem Projekt auf der Zielgeraden. Ende Januar könnten womöglich auch alle Arbeiten an dem Dorflädle abgeschlossen sein, und es könnte eröffnet werden. Eine damit verknüpfte sozialpädagogische Fachkraft für ein Jugendhilfsprojekt, die beim Planen mithilft, gibt es ab Mittwoch, 15. Januar, ebenfalls – dank einer weiteren Finanzierungsmöglichkeit.

Zweiter Geldgeber ist das Deutsche Hilfswerk

Das Projekt „Unser Lädle“ bezieht bereits Mittel aus der Quartiersförderung der Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten.“ für ein Jahr. Doch das neue Geschäft in Bietenhausen soll nicht nur den Verkauf von Biowaren und regionalen sowie günstigen Lebensmitteln ermöglichen, sondern auch einen Ort der Begegnung schaffen. Da das Projekt ziemlich umfangreich ist, hat Herter einen zweiten Förderantrag beim Deutschen Hilfswerk gestellt, der wurde im November bewilligt. Für drei Jahre erhält das Diasporahaus Personalgelder für die Angebote der Jugendhilfe im Nebenraum des Dorflädles.

Draußen sitzen im Sommer

Eigentlich sollte der Dorfladen schon Anfang des Jahres eröffnet werden, aber es gab dann doch organisatorisch und architektonisch mehr zu tun, als Herter und ihre Mitstreiter im Vorfeld erwartet hatten. „Wir mussten immer wieder Stolpersteine beseitigen, und das ist uns auch gelungen“, betont Eva Maria Herter. Der Raum des einstigen Dorfladens in dem Erdgeschoss des ehemaligen Bauernhauses war nämlich bis in die 1960er-Jahre hinein ein Tante-Emma-Laden und stand bis zur Wiederbelebung lange Zeit leer.

Mit riesiger Kaffeemaschine

„Die Großsanierung ist jetzt fertig“, sagt Eva Maria Herter. Es gibt drei Räume: den vorderen Verkaufs- sowie den hinteren Nebenraum für das Projekt, Kaffeetrinken und Begegnungen sowie eine Toilette. Allein die Verkaufsfläche im neuen Lädle beträgt laut Eva Maria Herter 30 Quadratmeter. „Unsere professionellen Kühl- und Gefriergeräte sind schon da, unsere große Kaffeemaschine auch.“ Das sei so eine Kaffeemaschine, wie sie eben auch von der Stiftung Lebenshilfe in ihren Cafés verwendet wird, erzählt Herter. Die Stromanschlüsse im Lädle sind schon sichtbar. Dort entstehen an den Seiten noch große, deckenhohe Regalwände. Flache Heizungspaneele an der Decke mit integrierten versenkten Lichtern runden den Verkaufsraum ab. Und die Wände erstrahlen weiß und angenehm im Deckenlicht.

Was den Machern des neuen Dorflädles wichtig war, dass das Material für die Küchenarbeitsfront im Nebenraum und den Tresen im vorderen Zimmer gleich ist. Geselligkeit ist auch vor dem Schaufenster im Sommer angesagt. „Zum Austausch und um Kaffee zu trinken, wird es vor dem Fenster eine Bank geben mit Kissen, dann auch mit kleinem Stehtisch“, erklärt Eva Maria Herter. „Man hat dann gut den Blick zum Spielplatz, wenn Mama das Kind auf dem Spielplatz hat“, sagt die Bereichsleiterin und deutet mit dem Arm nach rechts in Richtung des neuen Schaufensters.

Große Resonanz auf Fragebogen

Das Jugendhilfeprojekt spielt sich im Nebenraum ab, wo die besagte Küchenzeile steht. Das Design der Regale ist hell, damit der kleine und noch niedrigere Raum größer wirken kann. Hier hängt die Heizung elegant und fast unsichtbar in Weiß von der Wand. „Hier wird’s auch eine Regalwand geben – einen Schrank, Stühle, Tische“, hebt Eva Maria Herter hervor und nickt, die große Vorarbeit hat sich gelohnt.

Damit es vom Verkaufsraum nicht direkt in die Toilette geht, ließ das Diasporahaus einen kleinen Vorraum einbauen. Das habe auch auch hygienische Gründe, so Eva Maria Herter. Dort wurden gerade praktische Wandregale sowie ein Schrank eingebaut.

Lieferservice mit dem e-Bike und VW up!

Das WC ist zwar noch ohne Licht, aber auch ohne dieses lässt es sich gut erkennen, dass der Anstrich, die Toilette und das Waschbecken nigelnagelneu sind. „Durch die Fliesen- und die Vinylauswahl und alles aus einem Guss wird’s, glaube ich, eine gute Sache“, frohlockt Eva Maria Herter und deutet auf den grauen Boden.

Wer genau beim künftigen Dorflädle und zugehörigen Lieferservice dank E-Bike und durch die Volksbank bereitgestellten VW up! mithilft, ist noch nicht ganz klar. Die Projektverantwortlichen werden den 280 Schülern des Diasporahauses das Angebot der Unterstützung noch vorstellen. Es gibt auch, davon abgesehen, schon so manche Bekundung, eine zweistündige Schicht zu übernehmen.

Sehr guter Rücklauf der Fragebogen

Was die Jugendhilfe betrifft, wird ab sofort die neu eingestellte Fachkraft des Diasporahauses dieses Angebot vorbereiten. „Da gibt es noch ganz viele Möglichkeiten“, schwärmt Herter. Zum Beispiel könnte es Angebote wie Berufsfindung, Pubertät und zu weiteren Themen, die Jugendliche interessieren, geben. Auch die Bevölkerung nimmt das Ladenprojekt gut an. Beim „Café am Brechplatz“ im vergangenen Jahr hatte Herter Fragebogen ausgeteilt, in denen die Menschen ihre Wünsche bezüglich des neuen Geschäfts und ihres künftigen Einkaufs aufschreiben konnten. Es habe einen „sehr guten Rücklauf der Fragebogen“ gegeben, berichtet Herter zufrieden, mehr als 100 Exemplare seien eingegangen.

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