Hechingen donum vitae in Hechingen ist umgezogen

Die Schwangerenberatungsstelle donum vitae ist ins Zentrum am Fürstengarten umgezogen. Sozialarbeiterin Susanne Scham ist noch dabei, sich einzurichten.
Die Schwangerenberatungsstelle donum vitae ist ins Zentrum am Fürstengarten umgezogen. Sozialarbeiterin Susanne Scham ist noch dabei, sich einzurichten. © Foto: Sabine Hegele
Hechingen / Von Sabine Hegele 25.01.2019
Die Schwangerenberatung donum vitae in Hechingen hat sich im Zentrum am Fürstengarten neu eingerichtet.

Vor 20 Jahren wurde der Verein donum vitae gegründet, beinahe ebenso lange gibt es die Außenstelle in Hechingen. Bis vor kurzem befand sich diese noch am Obertorplatz, in der Seniorenwohnanlage Am Fürstengarten. Vor wenigen Tagen hat sie sich in der Hebammenpraxis Gute Hoffnung und Lichtblick im Zentrum am Fürstengarten (ehemaliges Krankenhaus) neu eingerichtet. Ansprechpartnerin der Beratungsstelle ist Susanne Scham, diplomierte Sozialarbeiterin und selbst Mutter von fünf Kindern. Vertreten wird sie von der Sozialpädagogin Ingrid Weinmann.

Susanne Scham arbeitet seit zwölf Jahren für donum vitae, davon seit knapp sechs Jahren in Hechingen. Den Beratungsbedarf in der Zollernstadt nennt sie „sehr wechselhaft“, zumal in der allgemeinen Schwangerenberatung zusätzlich die Caritas und das Gesundheitsamt tätig sind.

In der Summe jedoch sei donum vitae am Standort Hechingen eine wichtige Anlaufstelle vor allem in der Konfliktberatung. Dabei, sagt Susanne Scham, „ist unser Beratungsauftrag zum Wohl des Kinder“ ausgerichtet – aber „ergebnisoffen“. Will heißen: „Wir respektieren es, wenn sich eine Frau für den Abbruch entscheidet.“

Wie man sich die Arbeit in der Schwangeren(konflikt)beratung vorstellen muss? „Wir geben keine Ratschläge“, erklärt die Sozial­arbeiterin, die „Kunst“ sei es, „die richtigen Fragen zu stellen“. Das gelte vor allem bei Frauen oder Paaren, die über einen Abbruch nachdenken. Und ungeachtet dessen, dass die fünffache Mutter diesen Schritt „persönlich nicht fertig“ brächte, hat Susanne Scham die Erfahrung gemacht, dass es nachvollziehbare Gründe/Lebenssituationen dafür geben kann. Beispielsweise dann, wenn eine Frau nach einer Vergewaltigung ungewollt schwanger wird.

Ein Problem indes hat sie mit der Aussage, „ich möchte meinem Kind doch auch was bieten können“. Denn was brauche ein Kind? „Zeit und Liebe – und keine Adidas-Klamotten“. Ganz grundsätzlich aber weiß die Sozialarbeiterin, dass ein Schwangerschaftsabbruch „immer schmerzhaft“ sei: „Auch diese Frauen trauern um ihr Kind.“

Kommen die Schwangeren meist alleine in die Beratung – oder mehr mit ihren Partnern? „In der Mehrzahl alleine“, sagt Susanne Scham, und ergänzt: „Männer tun sich mit einer ungewollten Schwangerschaft schwerer als Frauen.“

Und in welchem Alter sind die „Klientinnen“? „Die Jüngsten, die bei mir waren, waren gerade mal 14 Jahre alt, die älteste Frau war 50.“ Ein Drittel der Jugendlichen habe ihr Kind zur Welt gebracht – „da stehen dann zumeist die Eltern hinter ihrer Tochter“. Die 50-Jährige habe sich gegen den Nachwuchs entschieden, eine 47-Jährige indes dafür.

Oft trifft Susanne Scham auf Frauen, die in der Trennungsphase von ihrem Partner ungewollt schwanger werden. Eine zugegeben schwierige Situation. Trotzdem gebe sie jeder Frau mit auf den Weg, dass sie noch im letzten Moment Nein sagen könne zum Abbruch – der so endgültig sei. „Viel Bewegung drin“ sei dafür, sich auf das Kind einzulassen. Und: „Es können sich immer neue Türen öffnen.“

Info Der Verein donum vitae bietet in Hechingen, im Zentrum am Fürstengarten, einmal wöchentlich, immer donnerstags von 9 bis 12 Uhr, Beratungsstunden an.

Der Verein donum vitae

Der Verein donum vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens bietet Schwangerschaftskonfliktberatung in deutschlandweit über 200 Beratungsstellen. Er wurde im September 1999 aus den Reihen der Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gegründet, nachdem die katholischen Verbände Deutscher Caritasverband und Sozialdienst katholischer Frauen sich nicht weiter an der staatlichen Schwangerschaftsberatung beteiligten. Im Gegensatz zu den kirchlichen Beratungsstellen stellt donum vitae Beratungsscheine aus, die einen Schwangerschaftsabbruch innerhalb einer festgelegten Frist ermöglichen.

Ziel des Vereins ist es, „sich für den Schutz des menschlichen Lebens, namentlich den Schutz des Lebens ungeborener Kinder, einzusetzen“, was insbesondere durch die kostenfreie Beratung und Hilfe für Frauen in Konfliktsituationen geschieht.

Weit mehr als nur Konfliktberatung

donum vitae steht Frauen und Paaren nicht nur in der Konfliktberatung zur Seite. Der Verein unterstützt ebenso in Sachen Mutterschutz, er informiert über finanzielle Hilfen zum Beispiel durch die Bundes- und Landesstiftung, und er vermittelt praktische Hilfen für die Kinderbetreuung.

Des Weiteren berät donum vitae bei der Pränataldiagnostik ebenso wie bei bestehendem Kinderwunsch. Hier werden die Möglichkeiten und Grenzen der Medizin aufgezeigt, und es wird über Adoption oder die Möglichkeiten der Aufnahme eines Pflegekinds informiert.

Ebenso begleitet donum vitae in der Trauer und auf der Suche nach der Lebenserfüllung auch ohne Kind.

Die Beratung ist kostenlos, unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit, sie unterliegt der Schweigepflicht – und der Verein stellt den Beratungsnachweis aus.

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