Hechingen Distanz zu Luther

Hechingen / SWP 05.11.2013
Die Gedenkveranstaltung am Samstag, 9. November, die an die Pogromnacht vor 75 Jahren erinnern soll, beleuchtet Luthers Judenfeindlichkeit.

Die aus Albstadt kommende evangelische Pfarrerin Sibylle Biermann-Rau wird aus ihrem Buch "An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen: Eine Anfrage" lesen. Ausgehend von der unverändert brennenden Frage, wie jüdisches Leben in einem Land zerstört werden konnte, das sich zum Christentum bekennt, legt die Autorin Augenmerk auf die judenfeindlichen Äußerungen und Schriften Martin Luthers, an dessen Geburtstag nicht zufällig die Zerstörung von 150 von 274 Synagogen allein in Baden-Württemberg stattfand. Die Autorin zitiert wörtlich aus Luthers Schriften, auf die sich der Nationalsozialismus exakt beziehen konnte und die verständlich machen, wie wenig sich der deutsche Protestantismus mit den Juden solidarisierte. Biermann-Rau zeichnet auch den langen Weg der evangelischen Kirche auf, nach 1945 diese Judenfeindschaft zu überwinden. Mitten in der Luther-Dekade stellt die Autorin auch die Anfrage an ihre heutige Kirche, einen weiteren Schritt zu tun und sich von Luthers Judenfeindschaft öffentlich zu distanzieren.

Passend zum Thema werden der Tübinger Geiger Wolfgang Jelinek und der Pianist Alexander Plotkin Werke des jüdischen Komponisten Ernest Bloch "Rhapsodie" aus der "Suite hebraique" und das "Poéme mystique" vortragen.

Die Gedenkveranstaltung in der Alten Synagoge Hechingen beginnt um 19 Uhr.

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