Die Pläne der Firma Erbe hören sich vielversprechend an. Anmut, fließende Formen und die Ästhetik des Waldes sollen die Außenfassade des neuen Werks in Rangendingen prägen. Das neue Gebäude soll sich laut dem geschäftsführenden Gesellschafter Christian O. Erbe „gut in die Landschaft einfügen“. Der Gemeinderat Rangendingen hat nun in seiner Sitzung am Montagabend in der Rangendinger Festhalle den ersten Schritt gemacht, um dem Tübinger Unternehmen Erbe diesen Expansionswunsch zu ermöglichen.

Bisher spricht nichts gegen Natur- und Artenschutz

Erbe Elektromedizin möchte auf dem firmeneigenen Grundstück in Rangendingen ihr zweites Werk entwickeln und das bestehende Gebäude erweitern. Für das Plangebiet bestehen bereits zwei Bebauungspläne „Hitzenried II“ und Hitzenried II – Erweiterung“. Um die Wünsche umsetzen zu können, ist jedoch eine Bebauungsplanänderung notwendig. Dabei wird laut den Planern des Büros Gfrörer weder auf Flächen im Außenbereich zurückgegriffen noch der Natur- und Artenschutz, zu dem es bereits intensive Untersuchungen gab, missachtet.

Kritik hat es schon gegeben

Der Gemeindeart Rangendingen beschloss einstimmig, die Weichen für das Bauvorhaben der Firma Erbe zu stellen und den Bebauungsplan in „Hitzenried II-Erweiterung“ im beschleunigten Verfahren zu ändern. Die Beteiligung der Öffentlichkeit und die Anhörung der Behörden sowie der Träger öffentlicher Belange ist anschließend geplant.

Kritik hat es bereits gegeben. Es gibt Anlieger der Daimlerstraße, die sich gegen das geplante Bauvorhaben der Firma Erbe an die Gemeinde Rangendingen und Bürgermeister Johann Widmaier gewandt haben. Sie befürchten, dass die Bebauungshöhe des neuen Werks zu hoch ist, was sie beim Erwerb ihrer angrenzenden Grundstücke so vorher nicht gewusst hätten. Das höchste Gebäude, das neue Verwaltungsgebäude von Erbe, soll 19,5 Meter hoch gebaut werden.

Wohnen im Gewerbegebiet war damals ohnehin eine Ausnahme

Die Anwohner nahmen auch an der Sitzung teil, durften sich aber nicht äußern, da Johann Widmaier schon zu Beginn betont hatte, dass die Bürgerfragestunde diesmal wegen der aktuellen Corona-Situation entfällt. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes sollte die Anhäufung von Bakterien so gut es geht vermieden werden und die Sitzung nicht in die Länge gezogen werden.

„Sie dürfen alle Fragen im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens stellen“, hob Widmaier hervor. Auf die schriftlich geäußerte Kritik der Anwohner, die der Redaktion dieser Zeitung vorliegt, entgegnete der Bürgermeister, dass die Gemeinde Rangendingen damals ohnehin eine Ausnahme für diese gemacht habe, um ihnen das Wohnen in dem Gewerbegebiet zu ermöglichen. Sieben Jahre seien vorbei, und es sei legitim, den Bebauungsplan nun zu ändern.

Freude über Erweiterung in Rangendingen

Ratsmitglied Reinhold Dieringer erkundigte sich nach Parkplätzen, falls diese fehlen würden. Widmaier betonte, dass, wenn diese fehlen würden, eine Lösung mit dem Unternehmen gesucht werden würde, damit die Erbe-Mitarbeiter nicht fernab vom Firmengelände parkten. Am anderen Standort in Tübingen wolle man, hob Christian O. Erbe hervor, nun ein Parkhaus bauen. Magdalena Dieringer betonte: „Wir sind eigentlich sehr froh, dass Sie hier erweitern.“

Gesamte Systemproduktion in Rangendingen geplant

Machte  Erbe vor zehn Jahren noch 80 Prozent seines Umsatzes mit seiner Kernkompetenz, den elektromedizinischen Geräten, so entfallen mittlerweile 60 Prozent auf die immer intelligenter werdenden Instrumente. Nun sollen die Instrumente, alles, was ein Arzt in der Hand hält, komplett in Rangendingen produziert werden. Man habe die Fläche schon vor Jahren erworben. Und der Tag sei nun gekommen, wo diese für die Expansion genutzt werden soll, so Christian O. Erbe. Das scheint der Firma nun zu gelingen.

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Rangendingen

Das steckt hinter der Firma Erbe


Die Einsatzfelder Die Erbe Elektromedizin GmbH entwickelt, produziert und vertreibt weltweit chirurgische Instrumente sowie Geräte und bietet Dienstleistungen für den professionellen Einsatz in verschiedenen medizinischen Bereichen. Medizintechnik von Erbe wird in den Operationssälen auf der ganzen Welt verwendet. Tätigkeitsfelder sind die Elektrochirugie, die Plasmachirurgie, die Thermofusion, die Hydrochirurgie und die Kryochirurgie.

Die Zahlen Der Konzernumsatz betrug im vergangenen Jahr 278 Millionen Euro. Das internationale Netzwerk umfasst 15 Tochterunter-
nehmen in Europa, Amerika und Asien, eine Repräsentanz und Aktivitäten in 100 Ländermärkten. Die Mitarbeiterzahl beträgt 1026, davon 600 am Hauptsitz in Tübingen und 100 in Rangendingen.