Der römische Wettergott hat es gut gemeint mit den Organisatoren: Zahlreiche Besucher strömten am Samstagabend ins Freilichtmuseum, um sich bei besten äußeren Bedingungen von der einzigartigen Atmosphäre der durch Feuerschein beleuchteten Villa rustica verzaubern zu lassen. So konnten sie hautnah erleben, wie die einstigen Bewohner vor rund 1800 Jahren mit Hilfe von Fackeln und Feuerstellen die Nacht zum Tag machten.

Und nicht nur im von zahlreichen Kerzen und Feuerkörben in geheimnisvolles Licht getauchten Hauptgebäude gab es allerhand zu entdecken. Das gesamte Museumsgelände verwandelte sich in einen großen Abenteuerspielplatz, der vor allem die Augen der Kinder zum Strahlen brachte.

Schaurig ging es in den Katakomben der Villa rustica zu, wo eine Erzählerin mit Geistergeschichten nach dem römischen Gelehrten Plinius für Gänsehaut sorgte. Wem das noch zu wenig Nervenkitzel war, der konnte sich im Grusellabyrinth am finsteren Waldrand verlaufen, das schon von weitem mit Kettenrasseln und gespenstischem Geheul lockte. Das nackte Grauen griff dort im wahrsten Sinne des Wortes nach den mutigen Besuchern.

Einer davon war der siebenjährige Elias, der mit seinen Eltern und seiner Cousine zur Römernacht gekommen war und darauf bestand, das Gruselkabinett alleine betreten zu dürfen. Todesmutig stellte er sich den heulenden Untoten, was ihm den Respekt seiner Familie einbrachte, die sich lieber im Hintergrund hielt.

Zu viel des Horrors? Kein Problem. Zarter besaitete Gemüter suchten sich einfach ein gemütlicheres Fleckchen und genossen die kulinarischen Köstlichkeiten, die von den Römern serviert wurden. Nachwuchshandwerker wie der kleine Finn waren in der römischen Schmiedewerkstatt goldrichtig. Dort wurde, ganz stilecht, über offenem Feuer gearbeitet, und die jungen Besucher durften selbst zu Hammer und Zange greifen, um die Eisen eifrig zu schmieden, solange sie heiß waren.

Als besondere Attraktion erwiesen sich die beiden jungen Dromedare Said und Marisol vom Albkamelhof in Höfendorf. Geduldig ließen sich die sanften Tiere streicheln, bevor einer der Höhepunkte der Römernacht anstand: Die Kamelshow, bei der Tierlehrer Rolf Müller zeigte, was seine Schützlinge alles können. Dicht von Zuschauern umringt war die kleine Arena, in der die beiden Dromedare ihrem Trainer wie am Schnürchen folgten und Galoppsprünge vollführten, um sich gleich darauf neben ihn auf den Boden zu legen. Für orientalisches Flair sorgte parallel dazu auch die Feuerkünstlerin Samara, die mit Fackel jonglierte und Feuer spuckte.

Nicht fehlen durften die Alamannen der Tübinger Gruppe "ASK", die eifrig junge Krieger rekrutierten, um sie in Sachen Disziplin und Kampftaktik zu schulen. Mit Fackeln und langen Speeren bewaffnet zogen die alamannischen Kämpfer zur Villa rustica, um, über die Freitreppe kommend, einen Überraschungsangriff auf die Römer zu starten. Der Überfall erfolgte mit viel Geschrei, so dass sich Gutsherr Gerd Schollian, der sein Heil vergeblich in der Flucht suchte, schnell ergeben musste. Die prall gefüllte Schatztruhe konnte er den mutigen Kriegern dennoch mit strahlendem Gesicht überlassen, sorgte der Besucheransturm doch für eine überaus erfolgreiche Römernacht.