Hechingen Teilgeständnis nach Serie von Einbrüchen

Eine Serie von Einbrüchen wird in Hechingen vor Gericht verhandelt. Die Rolle des dritten Mannes bleibt unklar (Symbolfoto).
Eine Serie von Einbrüchen wird in Hechingen vor Gericht verhandelt. Die Rolle des dritten Mannes bleibt unklar (Symbolfoto). © Foto: Archiv/Silas Stein
Hechingen / SWP 21.06.2018

Welche Rolle spielt der dritte Mann? Die Staatsanwaltschaft Hechingen wirft drei Angeklagten vor, sie hätten zwischen September und Dezember vergangenen Jahres 22 Einbrüche in der gesamten Region verübt. Zwei von ihnen stammen aus Albanien, der dritte – mit italienischer Staatsbürgerschaft – lebt offenbar schon länger in Deutschland (die HZ berichtete). Einer der Albaner legte nun am Mittwoch vor dem Landgericht ein Teilgeständnis ab. Dabei schilderte er, wie er im Februar 2017 erstmals nach Deutschland kam, wie er seinen Mitangeklagten, den italienischen Staatsbürger, kennenlernte und wie er einige Monate später erneut einreiste. Mit an Bord seines Wagens saß der andere Angeklagte aus Albanien. Er selbst, so der Erzähler, habe gehofft, eine Schwarzarbeit zu finden – was ihm jedoch nicht gelungen sei. Was der andere vorhatte, habe er nicht gewusst.

Ein paar Tage nach ihrer Ankunft hätten sie zu dritt einen Ausflug unternommen. Der Italiener habe sie abgesetzt, weil er scheinbar jemanden besuchen wollte. Planlos und pleite seien sie zu zweit durch Empfingen gelaufen. Hätten dann ein unbeleuchtetes Haus entdeckt und seien auf die Idee gekommen, einzubrechen. Von da an hätten sie die Serie fortgesetzt.

Im weiteren Verlauf seiner Schilderung räumte der Angeklagte einen großen Teil der ihm zur Last gelegten Taten ein. Stets sei man gleich vorgegangen: Der Mann mit dem italienischen Pass fuhr das Auto, er selber sei Schmiere gestanden, sein albanischer Kumpel in die Häuser eingestiegen. Der Italiener habe anfangs aber nicht gewusst, wo er sie hinbrachte, er sei erst später eingeweiht worden, wollte erst gar nicht mitmachen, habe ihr Tun sogar verurteilt. Er sei auch nicht jedes Mal dabei gewesen.

Das wunderte Staatsanwalt Markus Engel dann doch: Zwei Männer fahren den tagelangen Weg von Albanien nach Deutschland gemeinsam in einem Auto und unterhalten sich nicht darüber, was der eine von ihnen beiden dort eigentlich will? Merkwürdig. Der Erzähler sucht eine Schwarzarbeit und findet keine? Auch eher ungewöhnlich. Und der italienische Mitangeklagte chauffiert sie beide nachts durch die Gegend, lässt sie aussteigen, wartet im Auto bis sie zurückkehren und fragt nicht, was sie getrieben haben? Warum hat man dann Beute aus solchen Einbrüchen bei ihm gefunden, in die er angeblich noch gar nicht eingeweiht war – wollte Engel wissen.

Es sei ihnen zu gefährlich gewesen, sie bei sich daheim aufzubewahren, antwortete der Angeklagte. Ja, aber man habe doch andere Teile der Beute sehr wohl auch bei ihm in seiner Hechinger Wohnung gefunden, hielt ihm wiederum der Staatsanwalt entgegen. Das sei doch nicht logisch.

Mit seinen Erklärungsversuchen verwickelte sich der Mann immer mehr in Widersprüche und im gleichen Maße drängte sich im Zuschauerraum der Eindruck auf, als sei er bemüht, den Italiener möglichst weit aus der Schusslinie zu halten, seine Rolle herunterzuspielen.

Es könnte daher so gewesen sein, dass die beiden Albaner mit dem Vorsatz angereist sind, hier Einbrüche zu begehen, es könnte außerdem so gewesen sein, dass der Italiener von Anfang an eingeweiht und ein viel aktiverer Teil der Bande war, als sein Mitangeklagter es glauben machen will.

Neben seinem Teilgeständnis war der Angeklagte am Mittwoch auch bereit, über sich selbst zu berichten. Er sei ein gewöhnlicher Arbeiter, so der 37-Jährige, habe drei Kinder und alte Eltern zu versorgen. Neun Jahre lebte er demnach als Gastarbeiter in Griechenland mit seiner Famile ein normales Leben, bevor die Wirtschaftskrise hereinbrach. Daraufhin habe er daheim eine Autowaschstraße eröffnet, die gut lief. Als ihn jedoch ein Arbeitsunfall außer Gefecht setzte, hätten ihn die Schulden überrollt, er musste das Geschäft verkaufen, wieder auf den Bau; 250 Euro pro Monat hätten zum Leben aber nicht gereicht. So sei er auf die Idee gekommen, in Deutschland eine Schwarzarbeit zu suchen. Er bereue, was er getan habe, beteuerte der 37-Jährige, er sei vor den Einbrüchen immer ein anständiger Mensch gewesen. Er bitte die Bestohlenen und alle, denen er Umstände verursacht habe, um Vergebung.

Sein Landsmann gab eine kürzere Lebensbeschreibung, der dritte Mitangeklagte äußerte sich vorerst gar nicht. Fortgesetzt wird der Prozess am 9. Juli.

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