Hechingen / ANTONIA LEZERKOSS Die Landkreise Zollernalb, Tübingen und Reutlingen wachsen nicht mehr nur wirtschaftlich zusammen, jetzt geht's auch musikalisch. Dies zeigte das Sinfonieorchester Neckar-Alb bei der Hechinger Premiere.

Mit einem reizvollen Programm, das durch viele Länder führte, gestalteten die Musiker des neuen Sinfonieorchesters Neckar-Alb, kurz SinfoNeA geheißen, unter der Leitung von Rainer M. Schmid ein abwechslungsreiches Konzert in der Hechinger Stadthalle.

Der Sommer ist weit weg, aber mit "Dos Danzas espanolas" von Joaquín Rodrigo (1901-1999) wurde noch einmal die ganze Pracht der vergangenen Jahreszeit hörbar. Temperamentvoll und schwelgerisch eröffnete das Orchester mit den bald herben, bald schmelzend-süßen spanischen Tänzen den musikalischen Reigen und beeindruckte durch eine raffinierte Klanggestaltung, eine breite Farbpalette und einem ausgeprägten Sinn für eine spontan wirkende Rhythmik.

Die "Bachianas Brasileiras" des brasilianischen Komponisten und Bachverehrers Heitor Villa-Lobos (1887-1959) sind von Buntheit und Lautmalerei geprägt. Die wohl bekannteste ist die "Bachiana Nr. 5". In den zwei liedhaften Vertonungen auf Gedichte von Ruth Valadares Correa und Manuel Bandeira bewiesen die acht Cello-Stimmen des Sinfonieorchesters eine hohe Spielkultur. In den süffigen Klang der Celli mischte sich der Sopran von Ulrike Härter gleich zu Beginn des Adagios mit der berühmten, langen Vokalise. Im schnelleren Mittelteil geht der Sopran zur Rezitation des ersten Gedichts von Ruth Corêa über, das vom Glanz des Mondes in der Nacht und der Saudade erzählt, dem unverwechselbaren portugiesischen Wort für Sehnsucht. Am Ende kehren die sehnsüchtigen Vorhalte des Beginns zurück, während der Sopran ins Summen übergeht. Dazu passte der Ansatz der Sopranistin Ulrike Härter, die sich glutvoll und doch mit Leichtigkeit in das tropische Fluidum einfühlte.

Das runde, knackige Klangbild des Orchesters brachte mit den "Danzón Nr. 2", einem mit südamerikanischen Idiomen gewürzten Dessertstückchen des mexikanischen Komponisten Arturo Márquez (Jahrgang 1950), die leuchtenden Farben der bunten Welt lateinamerikanischer Musik nochmals bestens zur Geltung. Den weiten Melodien und tänzerische Rhythmen, in die Elemente der traditionellen mexikanischen Volksmusik verwoben sind, fügten die Musiker noch eine latent jazzige Note hinzu.

Dann der Kontrast: Der junge Pjotr Iljitsch Tschaikowsky hat seine Vorstellungen über die kältesten Zeit des Jahres in seiner "Sinfonie Nr.1 Winterträume" festgehalten. Vital, funkensprühend und transparent musizierte das Ensemble "Träumereien auf winterlichem Weg". Es brodelte von Anfang an, aufgekratzte solistische Einwürfe der Bläser fielen aus der nervös zitternden Streicherfläche heraus. Nach dem unruhigen Kopfsatz wirkte der 2. Satz idyllisch. Das langsame Spiel der Streicher ließ an beschauliche Kaminabende denken. Doch schon die Rufe der Hörner zeigten das Ende an: Das besungene Tauwetter schlägt wieder in eine Eiszeit um. Jubelnd, in aufschäumendem, beckenschlaggesättigtem Finale endeten die "Winterträume" und das Konzert.