Hechingen Die Narrhalla liegt am Boden - und bittet um Hilfe

Melanie Waltersdorf (links) und Simone Lacher werden um den Fortbestand der Narrhalla kämpfen. Foto: Sabine Hegele
Melanie Waltersdorf (links) und Simone Lacher werden um den Fortbestand der Narrhalla kämpfen. Foto: Sabine Hegele
SABINE HEGELE 23.11.2013
Die Narrhalla ist kaum noch geschäftsfähig - und seit Anfang November auch noch ohne Zunftmeister. Thorsten Keller hat sein Amt niedergelegt.

Diese Nachricht geht an keinem Hechinger Narr spurlos vorbei: Die Narrhalla liegt mehr oder weniger am Boden, zumindest ist sie kaum noch geschäftsfähig. Und mag die aktuell äußerst prekäre Situation "auch als Endpunkt eines langsamen Siechtums unseres Vereins gesehen werden", so glauben "Sudlerin" Simone Lacher und Beisitzerin Melanie Waltersdorf als zwei von fünf verbliebenen Zunfträten doch an "die Chance für einen richtigen Neustart in eine wieder bessere Zukunft".

Worin liegen die Gründe für den beschriebenen Tiefpunkt? Zunftmeister Thorsten Keller hat Anfang November seinen sofortigen Rücktritt vom Amt erklärt - schriftlich und ohne Nennung von Gründen. Zeitgleich schied ein weiterer Zunftrat aus dem zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur noch siebenköpfigen Gremium aus. Diesem gehören heute neben Simone Lacher und Melanie Waltersdorf noch Kassiererin Elke Zintgraf, Beisitzerin Carola Kunz und Michael Rosner als Vizezunftmeister an - und sie werden das sinkende Schiff nicht verlassen!

Ganz im Gegenteil haben sich die Narrhallesen um beratende Unterstützung durch Landschaftsvertreter Peter Stiegler und dessen Stellvertreterin Doris Laubis bemüht - und auch zugesagt bekommen. "Das Präsidium der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte und die ganze Landschaft Neckar-Alb stehen hinter uns" und wollen der Narrhalla aus der Misere heraushelfen.

Das freut die Fünf an der Spitze der Althistorischen Narrenzunft natürlich - zumal sich die Zahl ihrer Mitglieder insgesamt bei nur noch zirka 130 bewegt und dabei inzwischen weniger als 30 Aktive zählt.

Vor allem aber hoffen die Narrhallesen auf die Unterstützung aus Hechingen. "Wir werden mit früheren Mitgliedern, mit den anderen Fasnetsgruppierungen der Zollernstadt und mit Freunden, die uns wohlgesonnen sind, in Kontakt treten und um deren Hilfe bitten. Und ganz offensiv in die Mitgliederwerbung einsteigen."

Wobei Simone Lacher aus der Erfahrung der letzten Jahre heraus weiß, wie schwer sich gerade letzteres gestalten wird: Die "nachwachsenden Narren" wollen nur noch Party machen, bedauert sie - Mitglied der Narrhalla zu sein sei aber auch mit Arbeit verbunden, vor allem in der Hoch-Zeit der Fünften Jahreszeit. . . wenn die Zunft in Hechingen am Auseliga die Schülerbefreiung mitorganisiert, am Nachmittag der Altweiberfasnet zum Kinderball einlädt und am gleichen Abend in der Oberstadt ein Partyzelt bewirtet, am Fasnetssamstag Gastgeber des Preisballs ist, am Lumpenmontag zum Kuttelessen einlädt, und am Fasnetsdienstag Mitorganisator des Zunftmeisterempfangs, des großen Narrenumzugs durch die Stadt und des abendlichen Pestmännleverbrennens ist.

Übrigens alles Veranstaltungen, die die Althistorische auch nächstes Jahr schultern wird. "Wir haben den Anspruch, wieder auf die Beine kommen zu wollen - da können wir es uns nicht leisten, eines dieser Events platzen zu lassen", geben sich die beiden Zunfträtinnen kämpferisch. Zumal sie hoffen, bis dahin schon ein paar neue engagierte Mitglieder in ihren Reihen und unterstützende Helfer an ihrer Seite zu wissen. Zuvor ist auf den 13. Dezember ein Treffen in der Zunftstube terminiert, bei dem jeder willkommen ist, dem am Fortbestand der Narrhalla gelegen ist. Wobei klar sein muss: "Kleinliche Differenzen müssen der Vergangenheit angehören. Ab sofort kann es nur noch um die Sache gehen", geben Simone Lacher unbd Melanie Waltersdorf die Marschroute vor. Weil es um den Fortbestand der Narrhalla und daraus folgend darum gehe, "unserem guten Ruf für und um die Hechinger Fasnet sowie im weiten schwäbisch-alemannischen Umfeld wieder gerecht zu werden". Und um nichts anderes.

Die Narrhalla, die es lange vor allen anderen Hechinger Narrengruppierungen gab und die weit über 100 Jahre die Fasnet in der Stadt maßgeblich prägte, zu retten . . . lautet die (alternativlose) Zielsetzung.