Bildung Die nächsten 125 Jahre der Kaufmännischen Schule Hechingen

Hardy Kromer 17.11.2016

Zurück zu den Wurzeln: Vor 125 Jahren wurden in die Hechinger Gewerbeschule die ersten kaufmännischen Lehrlinge aufgenommen. Deshalb gilt 1891 als das Gründungsjahr der Kaufmännischen Schule Hechingen. Begonnen hatte der Unterricht im kleinen Saal des „Museum“. Im großen Saal feierte die Schule gestern Abend mit geladenen Gästen ihr rundes Jubiläum.

Schulleiter Dr. Roland Plehn freute sich besonders, dass seine drei Vorgänger im Amt allesamt der Einladung gefolgt waren: Norbert Speidel, Wolf-Dieter Freimuth und Wolfram Kunz. Damit waren die Rektoren der letzten 27 Jahre versammelt.

Für den Zollernalbkreis als Schulträger zeigte sich Landrat Günther-Martin Pauli „stolz, dass unsere Beruflichen Schulen ein breitgefächtertes Bildungsangebot vorweisen können, mit dem viele junge Menschen ihre beruflichen Ziele verwirklichen können“. Pauli ging im Galopp durch die Schulchronik, die von vielen Standortwechseln innerhalb der Stadt geprägt ist. Die meisten wurden ausgelöst durch die beständig steigenden Schülerzahlen. Auch in der jüngsten Phase, seit der Schulstrukturreform auf Kreisebene zu Beginn des neuen Jahrhunderts, erlebe die Kaufmännische Schule Hechingen eine „Blütezeit“, sagte Pauli. Aktuell hat die Schule um die 1000 Schüler, die von 65 Lehrkräften unterrichtet werden.

Die Kaufmännische Schule Hechingen, hielt Pauli fest, habe „einen hervorragenden Ruf über den Zol­lernalbkreis hinaus“. Er versprach, der Landkreis werde auch in Zukunft für zeitgemäße Rahmenbedingungen sorgen. Der nächste Abschnitt der Sanierung des 35 Jahre alten Schulgebäudes auf dem Schloßberg für etwas mehr als eine Million Euro stehe unmittelbar bevor (sofern der Kreistag zustimmt).

Pauli wie auch die nächsten Rednerinnen, Schulamtspräsidentin Dr. Susanne Pacher und Petra Brenner, Bereichsleiterin für Ausbildung bei der IHK Reutlingen, zeigte sich überzeugt, dass die Jubiläumsschule für die Zukunft gut aufgestellt ist und anstehende Herausforderungen wie Integration, Inklusion und Digitalisierung gut meistern wird. Susanne Pacher lobte insbesondere die Lehrer für ihre Offenheit und ihr großes Engagement: „Sie bringen 1000 Schülerinnen und Schüler auf den Weg ins Leben.“

Mit Werken von Gluck und Mozart musikalisch umrahmt wurde der Festakt von einem Streicherensemble aus den Reihen des Hechinger Kammer­orchesters. An der Bratsche ein pensionierter Lehrer der Jubiläumsschule: Dr. Heiner Stobitzer.

Niemals Feierabend? Dafür ist der Mensch nicht geschaffen

Höchst erfrischend und kurzweilig war die „Vorlesung“, die Christian Scholz, Professor für Personalmanagement an der Uni Saarbrücken, hielt. Sein Thema: „Die Generation Z und die digitale Transformation“.

Generation Z? So nennt der Wissenschaftler die seit Anfang der 1990er-Jahre Geborenen. Davor gab es in dieser Lesart die Baby-Boomer (die heute 50- bis 65-Jährigen), die Generation X (heute 35 bis 50 Jahre alt) und die Generation Y (heute 25 bis 35 Jahre alt). Und diese Generationen, so Scholz, unterscheiden sich in ihren Grundeinstellungen eklatant – was große Auswirkungen auf das Arbeitsleben hat: War die Generation Y noch „der Traum jedes Personalmanagers – fleißig und karriereorientiert“, so sieht er die Generation Z eher „realistisch“, sicherheits­orientiert, mit weniger hohen Ansprüchen ausgestattet – und vor allem: strikt auf eine Trennung von Berufs- und Privatleben bedacht: „Die Generation Z will um 17 Uhr Schluss machen, um laufen zu gehen oder um Nagellack einzukaufen.“ Und damit stehen ihre Interessen denen der modernen Arbeitswelt diametral entgegen. Denn die setzt darauf, dass Berufs- und Privatleben verschwimmen – um den Anforderungen der Digitalisierung genüge zu leisten.

Plädiert hat der Saarländer nicht darauf, der von den Eltern verwöhnten Generation Z in jeder Hinsicht nachzugeben und den jungen Leuten von heute das Leben zum Ponyhof zu machen. Eindeutig sprach er sich aber dafür aus, ihrem Wunsch nach Entflechtung von Berufs- und Privatleben Rechnung zu tragen. Denn „das permanente Work-Life-Blending“, das Niemals-Feierabend-Haben, mache krank: „Der Mensch ist nicht dafür geschaffen.“ Auch nicht der Mensch im Silicon Valley: „Bei Google endet die Flexibilisierung um 5 Uhr nachmitags. Da fährt für die Mitarbeiter der Bus ab.“

Ein Problem für die Unternehmen? Wie man’s nimmt. Scholz sieht eine „Riesenchance“ für die Arbeitgeber, die Bedürfnisse der Generation Z ernst zu nehmen. Denn deren Mitglieder seien auch ausgesprochen loyal: „Die Generation Z versteht das Unternehmen als Zweitwohnsitz.“ hy