Hechingen Die Mission Orgel ist erfüllt

Mission erfüllt: der Vorstand des Orgelbauvereins (von links): Pfarrer Michael Knaus, Rosemarie Pfister, Dr. Bernhard Keihl, Stiftkantor Mario Peters, Hans-Peter Ulrich und Waltraud Ulrich.
Mission erfüllt: der Vorstand des Orgelbauvereins (von links): Pfarrer Michael Knaus, Rosemarie Pfister, Dr. Bernhard Keihl, Stiftkantor Mario Peters, Hans-Peter Ulrich und Waltraud Ulrich. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Von Antonia Lezerkoss 12.12.2018
Einen feierlichen Gottesdienst gab es in St. Jakobus anlässlich der Beendigung des Engagements des Orgelbauvereins.

Seit Juli 2004 bildet die wundervolle Göckel-Orgel das musikalische Herz der Hechinger Stiftskirche St. Jakobus. Ihre überwältigende Klangpracht und Erhabenheit begleitete seither zahlreiche Gottesdienste und erfreute bei unzähligen geistlichen und weltlichen Konzerten.

Zu verdanken ist dies auch dem großartigen Engagement des 1987 gegründeten Orgelbauvereins, der durch seine jahrelange, stete Bemühung mittels Spendenaufrufen, Wohltätigkeitskonzerten, Orgelfahrten und dem Verkauf von Orgelpfeifenpatenschaften erheblich dazu beigetragen hat, die Stiftskirche mit diesem königlichen Instrument auszustatten. Im Juli 2004 ermöglichten die Beiträge des zeitweilig auf 275 Mitglieder angewachsenen Vereins sowie die vielfältigen Aktivitäten aller Beteiligten die Übergabe von 520 000 Euro an die katholische Pfarrgemeinde. Darüber hinaus beteiligte sich der rührige Verein bis zuletzt an der Rückzahlung eines Darlehens an die Erzdiözese.

Nun, nach mehr als 30 Jahren, ist das kostbare, in Emporen- und Chororgel gegliederte Instrument endgültig im Besitz der Kirchengemeinde. Hiermit betrachtet der Orgelbauverein seine Aufgabe als erfüllt und löst sich zum Ende des Jahres auf.

In einem feierlichem Abendgottesdienst und einem grandiosen, epochenübergreifenden Orgelvortrag von Stiftskantor Mario Peters erfuhr die Leistung der engagierten Orgelfreunde eine rundherum exzellent gestaltete Würdigung.

Engelszungengleich, scheinbar aus dem Nirgendwo, erklang zunächst ein „Lichtritus“. Mit weichen, silbern-schillernden Klangfäden und schmeichelnden Farbvaleurs erfüllte eine federnd elegante, reich modulierte Improvisation, getragen von den ganz zarten, leisen Registern sowie den „flauti mirabili“, den wunderbaren Flöten der Orgel, den Kirchenraum.

Das kompositorische Schaffen des französischen Komponisten Felix Alexandre Guilmant (1837-1911) ist fast ausschließlich der Orgel gewidmet. Mit kräftig-gravitätischem Orgelklang und dem dicht gearbeiteten, geradezu pompösen Fanfarenfeuerwerk des „Prozessionsmar-sches“ in A-Dur von Guilmant begleitete Mario Peters den feierlichen Einzug von Priester und Choralschola.

Bei der Vesper, der abendlichen, liturgischen Feier wechseln sich Wort und Musik ab. Besonders stimmungsvoll und feierlich – dem Anlass entsprechend – erstrahlte die Vesper am Sonntagabend. Unter der Leitung von Pfarrer Michael Knaus gestalteten Sänger im Wechsel mit der Orgel das zarte, kunstvoll gewirkte Gewebe des Hymnus „Gott, heil’ger Schöpfer aller Stern“ von Jehan Titelouze (1563-1633) wie auch die nachfolgenden Psalmen in schöner, sinnhafter Agogik und klarem Ausdruck schlicht und andachtsvoll.

Gebet und Schriftlesung ergänzten den Wortgottesdienst. Ob in meditativen Kompositionen wie Scarlattis „Sonata K 466“ oder in volltönenden Orgelwerken wie Regers Choralfantasie „Macht hoch die Tür“ op. 135a – jederzeit wusste Peters die große Palette der musikalischen und technischen Ressourcen seines Instruments facettenreich auszuschöpfen  und die Göckel-Orgel in fabelhaftem, klanglich bestem Licht zu präsentieren. Mit ausgeprägtem Klangfarbensinn, stets epochengerechter Registrierung, hervorragend eingefangener Echo- und Fernklangwirkung machte er den würdevollen Gottesdienst auch als Dank an die Mitglieder des Orgelbauvereins zu einem wahren Hörgenuss.

275

Mitglieder zählte der Orgelbauverein zu seinen aktivsten Zeiten. 31 Jahre lang hatte er Bestand. 520 000 Euro trug er zur Finanzierung der
Göckel-Orgel bei.

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