Hechingen Die kleinen Dinge sinds

Der Hechinger Barde Christof Stählin bot in der Villa auf der Vihuela und Gitarre seine schönsten Lieder dar. Foto: Leonie Maschke
Der Hechinger Barde Christof Stählin bot in der Villa auf der Vihuela und Gitarre seine schönsten Lieder dar. Foto: Leonie Maschke
LEONIE MASCHKE 23.01.2014
Ob wortgewandtes Gedicht oder humoristisches Chanson: Christof Stählin bewies seinem Publikum in der Villa Eugenia wieder einmal mehr seine sehr hohe Dicht- und Spielkunst.

Freunde des gepflegten Wortspiels und des Gespürs für die kleinen Dinge in der Welt dürften am Dienstagabend in der Villa Eugenia auf ihre Kosten gekommen sein: Der Kabarettist und Chansonier Christof Stählin präsentierte in seinem Programm "Meine Lieder und ich" neue und altbekannte Werke aus seiner Feder. Mit dabei wie immer seine Vihuela, das lautenartige Zupfinstrument aus Spanien, das dem Hechinger Barden seit Jahren eine treue Begleiterin ist.

Stählin schaffte bei seinen Liedern den schmalen Grat zwischen augenzwinkerndem Humor und sanfter Melancholie. So spielte er ein Lobeshymne auf alle Etuis, die man sich so denken kann - vom klassischen Etui, in dem man seine Stifte aufbewahrt, über die Besteckschublade bis zum sicheren, warmen Kängurubeutel, in dem ein Junges schläft.

Durchaus mit Augenzwinkern auf seine eigene Zunft bedankte er sich Laute spielend bei den "Feld-, Wald- und Wiesenakkorden" oder gab einen Beinahe-Schlager zum Besten, den er für den Kölner Karneval komponiert hatte. Dieser wurde aber von den Karnevalisten abgelehnt, das Lied sei für sie "viel zu intellektuell".

Von sanfter Melancholie ist hingegen "Der arme Poet", eine musikalische Interpretation von Karl Spitzwegs berühmtem gleichnamigem Bild. In dem Stück "Venedig" besingt Stählin beinahe genussvoll die makabre Schönheit von Venedigs Untergang, nur um dann am Ende erstaunt auszurufen "Venedig, du bist ja noch da!"

Christof Stählins Lieder sind amüsant und feinsinnig, die intellektuellen Verflechtungen der Worte zur Poesie lassen kaum eine gedankliche Pause zu, denn dann läuft man Gefahr, den gesamten folgenden Inhalt dieser Dichtkunst zu verpassen. Das ist einer der Punkte, der ihn von der heutigen, teilweise krachigen Kabarett- und Musikkultur unterscheidet: Als Zuhörer ist es einem kaum möglich, für kurze Zeit vor sich hinzudämmern; hat man bei Stählin einmal den Faden verloren, so findet man ihn oft erst wieder beim nächsten Chanson, beim nächsten Gedicht.

Das mag für manchen ermüdend sein, doch ist es auch beim oft alltäglichen unbewussten Konsumieren von Informationen herrlich erfrischend, ganz mit dem Geiste bei einer Sache zu sein, bei Stählins Poesie.

Den Liederabend garnierte er mit eigenen kleinen Gedichten und Anekdoten, bei denen er wiederum sein Talent offenbarte, auf die scheinbar unscheinbaren, aber doch erzählenswerten Momente und Begegnungen im Leben zu achten. "Diese Geschichte hat überhaupt nichts zu sagen", bemerkte er lächelnd bei einer Erzählung, "aber ich wüsste auch nicht, warum ich sie Ihnen verschweigen sollte".

Für heiteres Gelächter sorgten seine Anekdoten über seine Vermieterin aus Tübinger Zeiten, die "Gift und Güte des schwäbischen Pietismus" in sich vereinte. Als er diese einmal hinter dem Sofa liegend fand und darauf die Rettungskräfte verständigte, entgegnete die Frau beim Eintreten der Feuerwehr nur trocken: "Bsuch isch mir jetzt aber net so gschickt."