Jungingen / Von Horst Bendix  Uhr

Seit beachtlichen 22 Jahren sorgt Helga Diez in erfolgreicher Heimarbeit für die Osterkerze in der Junginger Wallfahrtskirche. Dieses ganz besondere Licht wird am heutigen Samstagabend bei der Osternachtsfeier in Jungingen mit weiteren Osterkerzen der Seelsorgeeinheit Burladingen-Jungingen geweiht.

Vor über zwei Jahrzehnten hatte der damalige Pfarrherr Markus Honé die Idee gehabt, die Osterkerze selbst in den Orten der Seelsorgeeinheit, die damals noch von Hausen im Killertal bis nach  Jungingen reichte, herzustellen. Das sei doch besser, als sie „von der Stange“ zu kaufen. Als Unikat, so Honés Vorschlag, könne die österliche Botschaft transparenter gemacht werden. Helga Diez war damals sofort begeistert. Sie bedient sich gern Motiven aus Friedensreich Hundertwassers Bild „Das himmlische Jerusalem“. Im Jahr 2000 war es „Der gute Hirte“ und im Jahr 2008 eine „Taube über Palästina“.

Ein Motiv, das herausfordert

Beim diesjährigen Motiv für die Junginger Osterkerze hatte es Helga Diez nicht leicht. Sie hat sich eines Kirchenfenster auf der südlichen Seite der Wallfahrtskirche bedient und das Motiv des Heiligen Sylvester genommen. Wie sollte sie das in kleinste Proportionen umsetzen?  Schließlich gelang es ihr dank ihres Talents und ihrer Ausdauer, das Fensterbild zunächst auf Butterbrotpapier aufzuzeichnen. Dann fertigte sie mit Wachsplatten einen Bilderrahmen an und kopierte das Motiv auf die Osterkerze. Das sei ziemliche Schwerstarbeit gewesen, sagt Helga Diez.

Gut zwölf Stunden Arbeit stecken allein im Motiv des Sankt Sylvester. Hinzu kommen noch die großen Bleiglasfenster, die auf einem Foto festgehalten worden sind. Die haben nochmal viel Zeit gekostet. Mit dem Deckel eines Füllers, der zuvor in schwarze Farbe getunkt wurde, zeichnete sie diese  Rundungen in das Motiv ein  – eine Superidee mit beachtlichem Ergebnis. Mit Schneidegerät, Lineal und Zeichenstift wurde weiter an dem diffizilen Werk geschafft.

Das Schönste an dieser Arbeit sei die anschließende Anerkennung, lässt die Jungingerin wissen. Lob und Dank bekommt sie stets von allen Seiten. Darauf darf sie zurecht stolz sein.

In diesem Jahr feiert die Junginger Pfarrgemeinde das 200-jährige Kirchenjubiläum. Das Gotteshaus wurde 1819 von Baumeister Sauter aus Balingen erbaut. Am 6. Mai 1819 war die Grundsteinlegung, und bereits am 11. September wurde das erste Messopfer gefeiert. Schon aus diesem Grund ist die Osterkerze 2019 etwas ganz Besonderes mit dem Motiv des Heiligen Sylvester, der um das Jahr 335 lebte.

Das Programm für die Feierlichkeiten am 5. und 6. September ist fast in trockenen Tüchern. Dr. Lorenz Enderlein vom Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen wird den Festvortrag halten. Neu ist, dass man von Einsiedeln in der Schweiz  Besuch erwartet, nämlich Bruder Gerold Zenoni, der für das liturgische Ankleiden der Muttergottes von Einsiedeln zuständig ist. Er wird einen Vortrag halten unter dem Titel „Die Erotik der Schwarzen Madonna“. Die Festpredigt am Sonntagmorgen wird Pfarrer i. R. Norbert Dilger halten. Mitwirken werden der Kirchenchor, der Musikverein und der Männergesangverein.

Bruder Gerold kleidet die Madonna ein

Programm Alle Achtung, was sich die Macher des Kirchenjubiläums einfallen lassen für den Herbst. Neben einem Kunsthistoriker und dem langjährigen Rangendinger Pfarrer Norbert Dilger kommt auch ein fernsehbekannter Mönch zu Wort. Es ist Bruder Gerold, der Garderobier der Muttergottes im Kloster Einsiedeln. Eine Kopie der Schwarzen Madonna steht in der Junginger Wallfahrtskirche. Da liegt es nahe, dass über die 30 Gewänder des Originals (und einiges mehr) berichtet wird. Zuschauer von 3sat werden aufhorchen.