Smartphone oder Geldbeutel, das war letztlich die Frage vor dem Münsinger Amtsgericht. Um es vorwegzunehmen: Es war wohl doch das Smartphone, dass einem 40-Jährigen Außendienstmitarbeiter eine Geldbuße von 60 Euro und einen Punkt in Flensburg bescherte, auch wenn der das als "nicht gerechtfertigt" bezeichnete.

Bei einer Verkehrsüberwachung nahe der Jllig-Kreuzung in Münsingen im Mai war den Beamten ein Fahrzeugführer aufgefallen, der an einem Handy hantiert haben soll, freilich während der Fahrt. Er wurde noch in der Karlstraße gestoppt und mit seiner Missetat konfrontiert, auch wenn der die abstritt. Gegen den Bußgeldbescheid über 60 Euro und die Punkt-Ausweisung in der Verkehrssünderkartei legte der Mann Widerspruch ein, der ihn jetzt ins Münsinger Amtsgericht führte. Dort beteuerte er, dass er zum Zeitpunkt der Kontrolle kein Smartphone in der Hand gehabt habe, dies auch gar nicht nötig hätte, da er über einen BluetoothVernetzung verfüge und so alles am Lenkrad bedienen könne. Das Smartphone sei während der Kontrolle auf dem Beifahrersitz gelegen. Er habe zum besagten Zeitpunkt der Kontrolle wohl in seinem Geldbeutel nach einer Tankkarte gesucht. Dies müsse wohl den Beamten ins Auge gestochen sein.

Die zwei Polizeibeamten, die als Zeugen zur Verhandlung geladen waren, sahen dies nun aber ganz anders. Unisono sagten beide, dass der Beschuldigte auf etwas herumgetippt habe. Und sie waren sich sicher, dass dies kein Geldbeutel war. "Das kann man aus fünf Metern Entfernung gut erkennen", erklärt einer der beiden, zumal der Verkehr durch die Ampel im Bereich der Karl-/Schlossstraße recht langsam geflossen sei. Amtsgerichtsdirektor Joachim Stahl regte dann auch einen augenscheinlichen Vergleich des Geldbeutels des Beschuldigten mit einem Smartphone an. Der Farbunterschied schwarz (der Geldbeutel) und schwarz-silbrig (das Handy) sei auf diese Entfernung wohl nicht so gut möglich, die Form sei allerdings verräterisch. Die Geldbörse war wohl deutlich volumiger als das flache Smartphone und auch einer der Beamten ergänzte: "Wenn wir uns nicht ganz sicher gewesen wären, hätten wir das auch nicht zur Anzeige gebracht", nach dem Motto: Im Zweifel für den Angeklagten.

Auch der Amtsgerichtsdirektor hegte keinerlei Zweifel an den Aussagen der Polizisten, "schließlich bekommen die keinen Bonus, wenn sie viele Handy-Verstöße melden", und empfahl dem 40-Jährigen seinen Einspruch zurück zunehmen.

Der sah das ganze zwar alles andere als gerechtfertigt an, blieb bei seiner Version mit dem Geldbeutel, zog dann aber doch seinen Einspruch zurück. Damit bleibt es bei dem Bußgeldbescheid - die 60 Euro muss er berappen. Dazu kommt ein Punkt in Flensburg.

Allerdings wird es nach der Verhandlung doch noch etwas teurer, schließlich muss der Außendienstmitarbeiter nun auch die Gerichtskosten tragen. Und das sind rund 30 Euro.