Hechingen Die Aufgaben allzeit gut erfüllt

MATTHIAS BADURA 20.11.2013
Auf den Tag genau 40 Jahre alt wurde gestern das Sozialwerk Hechingen. Grund zur Freude, aber auch ein wenig Anlass, zu klagen. Und einen Appell an die Kostenträger zu richten: Es muss mehr Geld fließen!

Rund 100 Gäste waren zur Geburtstagsparty in den Saal des Bildungshauses St. Luzen gekommen. Die derzeitigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialwerkes, aber auch einige ehemalige, weiterhin Vertreter der benachbarten Sozialstationen, die Bürgermeister Johann Widmaier (Rangendingen) und Harry Frick (Jungingen), Eberhard Wiget, Sozialdezernent des Landratsamtes und an dem Abend außerdem Stellvertreter von Landrat Günther-Martin Pauli - um nur einige zu nennen. Wer nicht selber erscheinen konnte, ließ sich entschuldigen: Hechingens Bürgermeisterin Dorothea Bachmann hatte dazu ihren Stellvertreter Günther Konstanzer geschickt - und traf dann doch noch persönlich ein. Ihr Amtsvorgänger Norbert Roth - zugleich Mitbegründer des Sozialwerks - hatte der Versammlung ein Grußwort zukommen lassen. Wie Jürgen Ulrich, amtierender Vorsitzender des Sozialwerks in seiner Begrüßung gerührt bemerkte, sprach der vormalige Schultes darin immer noch von "unserem Sozialwerk".

Ein weiterer Mitbegründer kam selbst zu Wort: Georg Niedermaier hielt die Festrede, blickte zurück in die Geschichte der Einrichtung, die auf den Tag genau vor 40 Jahren begonnen hatte. Er erläuterte den Handlungsbedarf, der (landesweit) herrschte, nachdem sich um 1970 die Zeit der Krankenstationen in kirchlicher Trägerschaft aus zahlreichen Gründen dem Ende neigte. Die Stadt Hechingen habe damals die Zeichen der Zeit erkannt. Man schaffte die Aufnahme in ein Landesprogramm und war dann "Modellstation". Wie Niedermaier darlegte, war die Einrichtung von Beginn an ein "bürgerschaftlicher Verein", arbeitete jedoch stets eng mit den Kirchen zusammen. Bis heute sind sowohl die evangelische wie die katholische Glaubensgemeinschaft jeweils durch Pfarrer im Vorstand vertreten.

In der Gründungsversammlung am 19. November 1973 traten dem neuen Verein, der sich zur "Kranken-, Alten- und Familienhilfe" in der Stadt verpflichtete, spontan 89 Bürgerinnen und Bürger bei. Die Mitgliederzahlen wuchsen dann rasch, fast ebenso rasch wie die Anfrage nach den Diensten der Station oder die Station selbst. Angesichts des Erfolges und angesichts des Bedarfs wurde der Tätigkeitsbereich bald auf Jungingen und Rangendingen ausgeweitet - "auf Wunsch der Gemeinden", wie sich Niedermaier erinnerte.

Heute, stellte der Redner fest, stehe das Sozialwerk im Rang eines "mittelständischen Unternehmens": 56 hauptberuflich Beschäftigte leisteten im Jahr 2013 insgesamt 54523 Hausbesuche, man zählte ein Umlaufvermögen von 731656 Euro und Aufwendungen in Höhe von 1 542 301 Euro. Was für eine Bilanz, was für eine Erfolgsgeschichte! Grund, rundum zufrieden zu sein? Nein, sagte Niedermaier, sagte Jochen Ulrich und sagt eine Mehrzahl von Sozialstationen im Land: Um den Standard halten zu können, müssten die Kranken- und Pflegekassen "dringend" ihre Vergütungsleistungen erhöhen, heißt: mehr bezahlen. Vielen Stationen steht das Wasser am Hals. Weiter haben die meisten Stationen einen Mitgliederschwund zu beklagen. In Hechingen waren es einmal über 4000, inzwischen zählt man nur noch 1800 Unterstützer. Plegedienstleiterin Christiane Straßer wusste jedoch nach dem viel applaudierten Vortrag eine Möglichkeit zur Abhilfe: "Jeder der Mitglied ist, soll einfach ein weiteres Mitglied werben", forderte sie die Anwesenden auf. Zustimmendes Gelächter. Dann wurde ausgiebig gefeiert.

Wenn die Kassen nicht mitmachen, drohen in Zukunft Verluste