Die HZ sprach am Telefon mit dem Mann, dessen Audi am frühen Samstag mit Benzin übergossen und angezündet wurde. Er ist ursprünglich Hechinger, lebt aber seit vielen Jahren in Jungingen, beruflich betreibt er in einer Gemeinde des Steinlachtals einen Autohandel.

Er wisse keinen Grund, warum ihn oder seine Familie irgendjemand aus persönlichen oder geschäftlichen Gründen schädigen wolle, sagte der Mann. Das sei undenkbar. Von daher beschleiche ihn ein Verdacht, den er im Grunde nicht bestätigt sehen möchte: "Wir sind eine muslimische Familie. Am Freitag haben die Attentate in Frankreich stattgefunden. . .", da sei es immerhin denkbar, dass der Brandanschlag auf seinen Audi einen rechtsradikalen Hintergrund hatte.

Drei Partien einer Großfamilie leben in dem Haus an der Junginger Bruckstraße, vor dem der Wagen brannte. Angehörige hätten zur fraglichen Zeit - gegen 1.30 Uhr am frühen Samstag - ein Auto gehört, das irgendwo in der Nähe des Hauses anhielt und kurz darauf mit "quietschenden Reifen" wieder wegjagte. Dann habe man einen Knall vernommen. Vermutlich ging in dem Augenblick, der Plastik-Benzinkanister in die Luft, den der oder die Täter auf dem bereits brennenden Wagen hatten stehen lassen.

Sein Vater, so der Junginger, habe noch versucht, den Kanister aus den Flammen zu ziehen. Und sich dabei die Hand verbrannt. Obwohl der Audi in gewissem Abstand zum Haus stand, hätte theoretisch viel mehr passieren können, wenn man an die drei Familien denkt, die in dem Gebäude wohnen: etliche Menschen, darunter Kinder. Ein Glück sei es gewesen, dass die Junginger Feuerwehr so schnell da war. Drei oder vier Minuten später, dann wäre der Brand ins Wageninnere vorgekrochen, ist der Autohändler überzeugt. So wurden "nur" die Außenfläche und der Motor zerstört. Zu gebrauchen ist das Fahrzeug natürlich nicht mehr. Die Polizei, erzählt er weiter, habe es zwischenzeitlich sicher gestellt. "Ich hoffe, die finden brauchbare Spuren. Oder jemand bekommt ein schlechtes Gewissen und verrät was." Wenn es Betrunkene, Feuerteufel oder Leute angezündet hätten, denen es um die Freude an der Zerstörung ging, ja dann, sagt der Junginger, könnte er mit der Sache "abschließen". Aber ein fremdenfeindlicher Hintergrund? Das würde ihn schockieren, ganz besonders tief treffen. Seine Familie sei seit 40 Jahren in Deutschland, inzwischen in dritter, bald vierter Generation. "Ich bin in Hechingen geboren, ich fühle mich nicht als Ausländer sondern als Mitbürger. Ich habe in Jungingen Fußball gespielt, war in der Feuerwehr. Wir haben ein hervorragendes Verhältnis zu allen unseren Nachbarn. Alle von uns arbeiten, wir zahlen unsere Steuern, wir sind keine Faulenzer", empört er sich. Er komme zu keinem anderen Schluss, so wiederholt er, als dass die Brandstifter von Ausländerfeindlichkeit getrieben wurden. Doch ob es Rechtsradikale, Trittbrettfahrer oder sogar persönliche Feinde waren, es kam zum Glück niemand zu körperlichem Schaden. Oder fast nicht. Denn, wie der Junginger sagt: die Angst - die sei jetzt da. Vor allem bei unseren Frauen. "Wenn ein Auto vorfährt, erschrickt man."