Hechingen Dialekt als lebendige Kultur

Im Neuen Schloss in Hechingen schlug der ehemalige Grünen-Bundespolitiker Rezzo Schlauch eine mundartliche Brücke vom Hohenlohischen zum Schwäbischen.
Im Neuen Schloss in Hechingen schlug der ehemalige Grünen-Bundespolitiker Rezzo Schlauch eine mundartliche Brücke vom Hohenlohischen zum Schwäbischen. © Foto: Eberhard Wais
Hechingen / EBERHARD WAIS 08.10.2014
Rezzo Schlauch, ehemaliger Grünen-Bundespolitiker, ist bekennender Hohenloher. Stuttgarter Notabeln-Schwäbisch wird dort eher nicht gesprochen, dennoch schlug er in Hechingen eine mundartliche Brücke.

Der schwäbische Dialekt kennt im Südosten des Ländle sehr viele Ausformungen, das Hohenlohische gehört hingegen schon zur fränkischen Mundart. Das wurde schon bei den ersten Sätzen von Rezzo Schlauch im Neuen Schloss in Hechingen deutlich, als er sich an seine regelmäßigen Besuche als Rechtsanwalt am Hechinger Landgericht in den 70er-Jahren erinnerte. Es ging damals um einen großen Schlägereiprozess und Schlauch erlebte die Hechinger Richterschaft zwar als hart im Auftreten, aber weich im Kern. Gut, dass er sich dann bei Froschschenkeln und Bier in einem Haigerlocher Restaurant erholen konnte. Froschenkel und Grüner? Ja, für einen Hohenloher ist das kein Widerspruch.

Die Sparkasse Zollernalb hatte den früheren Bundespolitiker der Grünen - "politisch bin ich tot" - eingeladen. Er hält für den Förderverein Schwäbischer Dialekt landauf, landab immer wieder Vorträge, am liebsten über sein Lieblingsthema - der Hohenloher und das Hohenlohische. Erwartungsgemäß wurde es ein Hohelied auf Hohenlohe. Für Rezzo Schlauch jedenfalls ist der Dialekt keine aussterbende Gattung, sondern eine lebendige Kultur des Alltags. Aber das Hohenlohische nördlich der Sprachgrenze (die Schlauch bei Schwäbisch Hall verortet) einem Schwaben (Verzeihung, schwäbischen Hohenzollern) unterm Zoller nahe zu bringen, das sei schon Missions-, nein, sagen wir Überzeugungsarbeit.

Dabei beginnen die Probleme schon beim Ländle. Denn das sei eindeutig ein Stuttgarter Begriff, dem sich ein Hohenloher auch 200 Jahre nach der napoleonischen, völkerrechtswidrigen "Landnahme" (Stichwort Reichsdeputationshauptschluss) nicht einfach hingeben könne. Doch das Ländle habe trotz allem nichts Miefig-Provinzielles an sich, sei heute vielmehr eine Marke, die mit konservativ und ökologisch, Tüftler und Hightech, Kulinarik und pietistische Strenge, aber auch Weltmarktfirmen verbunden werde.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran habe das lange als ländlich, manche Schwaben glaubten gar hinterwäldlerisch vernachlässigte Hohenlohe. Für Rezzo Schlauch ist der Hohenloher in seiner Verbindlichkeit, Schläue und mit seinem Optimismus geradezu die notwendige Ergänzung des starrköpfigen aber genialen, knickigen Schwaben. Dem setzt der Hohenloher seine Festfreudigkeit entgegen, wie sie sich beispielsweise bei der jährlichen Muswiese (sie ist wieder in Rot am See-Musdorf vom 11. bis 16. Oktober) äußert. Aber auch das diesjährige Cannstatter Volksfest hat ja bewiesen, ausgelassen feiern können auch die Schwaben.

"Hohâloher Land"

Mundart Beispielhaft zitierte Rezzo Schlauch in Hechingen aus verschiedenen mundartlichen Werken, etwa das Hohenloher Winterliedle, oder von Gottlob Haag, einem sehr bekannten Hohenloher Mundartdichter. Vieles wird da eher durch die Blume gesagt, man nimmt sich Zeit, fühlt sich in einer intakten Natur wohl ganz wie es das Hohenloher Lied verspricht:

Hohâloher Land D Luft schmackt nach Erdâ, nach Wald und nach Heu. Dô isch sou idyllisch, und du fiehlsch di frei.

D Menschâ san freindlich, s hat kôôner pressant - im Hohâloher Land.

SWP

Zur Person Rezzo Schlauch

Rezzo Schlauch, geboren in Gerabronn, aufgewachsen in Bächlingen, Rechtsanwalt, von 1998 bis 2002 Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, von 2002 bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

SWP

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