Hechingen Der trommelnde „Jazz-Herzog“ ist tot

Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg ist mit 85 gestorben.
Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg ist mit 85 gestorben. © Foto: privat
Hechingen / Hardy Kromer 28.07.2018
Hechingen trauert um Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg. Der Bewohner der Villa Silberburg hat viele Verdienste.

Dr. Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg ist tot. Der 85-jährige Kunst- und Musikwissenschaftler sei am Montagmorgen in der Villa Silberburg im Hechinger Fürstengarten, wo er jahrzehntelang wohnte, „friedlich eingeschlafen“, teilte seine Familie mit.

Als Mitglied der früheren Mecklenburger Herzogsfamilie war Carl Gregor 1933 auf Schloss Remplin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) geboren worden. Nach dem Brand des Schlosses 1940, dem Verlust des Wohnsitzes in Berlin durch einen Bombentreffer und der Inhaftierung seines Vaters im KZ Sachsenhausen verschlug es die Familie in den Südwesten, nach Sigmaringen und Hechingen. Carl Gregor studierte Kunstgeschichte, promovierte an der Universität Tübingen und leitete bis zu seinem Ruhestand 1992 das Diözesanmuseum in Rottenburg. Er veröffentlichte zahlreiche musik- und kunstwissenschaftliche Bücher, etwa zu Stilformen des Jazz oder zur Darstellung der Jagd in der Malerei.

Die Liebe seines Lebens war Prinzessin Maria Margarethe von Hohenzollern. Seit 1965 war Carl Gregor mit der Frau, die in Hechingen liebe- und respektvoll „Mausi“ genannt wurde, verheiratet. Ihr Tod im Jahr 2006 traf den Herzog schwer.

Vom Jazzen wollte er aber auch im hohen Alter nicht lassen. Vor fünf Jahren, an seinem 80. Geburtstag, saß „Greggy“, wie ihn seine Musikfreunde nannten, noch am Schlagzeug, als die „Jazzmatics“ im Kloster Inzigkofen zur Matinee aufspielten. 1954 hatte Carl Gregor in Sigmaringen den Jazz Club, einen der ersten weit und breit, gegründet.

Einen Namen hatte sich der Herzog auch als Porträtmaler gemacht. Unter anderem hatte er den Haigerlocher Unternehmer Paul Eberhard Schwenk, drei Beuroner Erzäbte und zwei Rottenburger Bischöfe porträtiert. Auch seine Landschaftsbilder zeigte er in Ausstellungen in Sigmaringen und Hechingen.

In der Zollernstadt war Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg vielfältig bürgerschaftlich aktiv. Zusammen mit seiner Frau war er Mitglied der Hechinger Künstlergilde, der Vorgängerorganisation des Kunstvereins. Er war Gründungsmitglied des Fördervereins Villa Eugenia und setzte sich engagiert für den Erhalt seines geliebten Fürstengartens ein. Und als in den 1970er-Jahren das Neue Schloss abgerissen werden sollte, sammelte er Unterschriften für den Erhalt des klassizistischen Gebäudes und hatte mit einer Bürgerinitiative Erfolg: Das stadtbildprägende Schloss blieb erhalten und wurde in restaurierter Form zum Sitz der Sparkasse.

Zusammen mit seiner Frau betreute Mecklenburg von 1971 bis 1973 im Weißen Häusle im Fürstengarten das damalige Bürgerwehr- und Von-Steuben-Museum. Dabei entstand mit Zeichnungen der Herzogin und Texten des Herzogs das erste illustrierte öffentliche Faltblatt mit Führung zu Sehenswürdigkeiten in Hechingen. Der Herzog war somit auch ein Tourismus-Pionier für die Zollernstadt.

Die Trauerfeier für den Herzog, der kinderlos blieb, findet am Samstag, 4. August, um 14 Uhr in der Einsiedlerkapelle von Inzigkofen statt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel