Der Standort für ein mögliches künftiges Zentralklinikum für den Zol-­lernalbkreis heißt „First-­äcker“ in Dürrwangen. Einem entsprechenden Antrag (der FDP-Fraktion) folgten in der Sitzung am Montagabend 36 Kreisräte, 20 stimmten dagegen. Die Abstimmung erfolgte namentlich, das wiederum hatte Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger (CDU) beantragt, die Kollegen quer durch alle Fraktionen waren dafür.

Es geht immerhin um ein „Jahrhunderprojekt“. Anfang des Jahres hatte sich die tendenzielle Bereitschaft einer Kreistagsmehrheit gezeigt, sich auf ein 200-Millionen-Projekt Zentralklinikum (Stand heute) einzulassen. Dabei sind die Kosten für Ärztehaus, Apotheke, Personenwohnheim und, und, und, noch gar nicht gerechnet.

Es geht um nicht weniger als die bestmögliche Versorgung für alle Einwohner im Zollernalbkreis. Gutachter und Experten sehen dafür nur einen Weg: den Bau eines Zentralklinikums auf der grünen Wiese. Ob dies aber wirklich so gut ist, ob die bisherigen zwei Kliniken in Albstadt und Balingen tatsächlich aufgelöst werden, ist noch nicht entschieden.

200-Millionen-Euro-Projekt

Doch wenn ein Zentralklinikum gebaut wird, dann geht das nicht ohne Zuschuss von Landesseite; von rund 72 Millionen Euro ist die Rede, die aber gibt es sicherlich nicht vor 2024. Für einen Zuschuss aber braucht es einen Antrag. Und was wäre ein Antrag ohne einen möglichen Standort.

„Es geht also nicht um den Grundsatzbschluss“, Zentralklinikum Ja oder Nein, wie Landrat Günther-Martin Pauli betonte, entsprechend sollte am Montag auch keine grundsätzliche Diskusion geführt werden – was nur fast gelang.

Drei Standorte standen zur Wahl: einer in Bisingen, einer in Dürrwangen, einer in Weilstetten (siehe Infokasten). Alle drei sind für den Bau und Betrieb eines Zentralklinikums geeignet, zu dieser Bewertung zumindest kam die Kreisverwaltung.

Also mussten kommunalpolitische Gesichtspunkte zum Tragen kommen. Und da hätte sich in den zahlreichen Informationsveranstaltungen laut Kreisverwaltung gezeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung wolle einen Standort zwischen Balingen und Albstadt. Landrat Pauli empfahl ausdrücklich Dürrwangen. Darauf hatten sich im Vorfeld schon Albstadts Oberbürgermeister Klaus Konzelmann und sein Kollege aus Balingen, Helmut Reitemann, geeinigt. Sie wollten eine gegenseitige Blockade verhindern, die vielleicht noch den dritten Standort, Bisingen, ins Spiel gebracht hätte.  Sollte der Zuschlag für das Zentralklinikum nach Dürrwangen erfolgen, würde beide Städte einfach Gelände tauschen. Dann käme das Klinikum auch auf Gemarkung Laufen, also auf Albstädter. Wodurch wiederum Konzelmann seine Zusage einhalten könnte: Wenn schon das bestehende Albstädter Krankenhaus aufgegeben werden muss, dann soll das Zentralklinikum auch auf Albstädter Gebiet stehen.

Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hatte (in nicht öffentlicher Sitzung) dagegen Weilstetten empfohlen.

Keine Grundsatzentscheidung

Selbst in den Fraktionen waren sich die Kreisräte nicht einig. Das zeigte sich am Montagabend. Elmar Maute (SPD) plädierte erneut für den Erhalt des Albstädter Standorts (die Initiative „Pro Krankenhaus Albstadt“ hielt vor dem Sitzungssaal im Regen Plakate hoch), alles andere sei nicht finanzierbar.

Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger (CDU) fehlte die „sachliche Auseinandersetzung“. „Aber es dürfte auch dem Letzten klar sein“, so Waizenegger, „dass hier wieder einmal eine rein politische Entscheidung getroffen wird.“ Oder wie es Dörte Conradi (CDU) formulierte: Bisingen sei allein aus „strategischen Gründen“, sprich der Bevölkerungsverteilung, „schwer vermittelbar“. Mit dem Standort Dürrwangen könnte die „aufgewühlte Stimmung befriedet werden“. Da aber ein derartiges Projekt gewaltige Ausmaße habe, beantragte Waizenegger namentliche Abstimmung.

Die fiel mit 36 gegen 20 Stimmen für Dürrwangen aus (siehe Infokasten).

Es ist übrigens bereits der zweite Anlauf, ein Zentralklinikum im Zollernalbkreis zu realisieren. Vor gut zwölf Jahren wurde die Debatte schon einmal geführt, damals wurde das Krankenhaus in Hechingen geschlossen.

Fast punktgleiche Bewertungen


Drei Standorte standen bei der Kreistagssitzung am Montagabend zur Wahl. Der Vergleich und die Bewertung im Vorfeld waren zu dem  Ergebnis gekommen, dass alle drei für den Bau und Betrieb eines Zentralklinikums geeignet sind: „Kelleregert“ in Balingen-Weilstetten (87 von 100 Punkten), „First-­äcker“ in Balingen-Dürrwangen (85/100) und „Bisingen-Nord“ in Bisingen (85/100).

Mit Ja für Dürrwangen stimmten (in alphabetischer Reihenfolge): Monique Adrian, Thomas Baumann, Ruth Braun, Dörte Conradi, Dietmar Foth, Martin Frohme, Juliane Gärtner, Karl-Otto Gerstenecker, Hans Goessler, Hans-Martin Haller, Andreas Hauser, Manuela Heider, Werner Jessen, Philipp Kalenbach, Wolfgang Ketterer, Veronika Kugele, Andreas Laib, Heiko Lebherz, Tim Leukhardt, Hermann Luppold, Angela Mauch, Lambert Maute, Uli Metzger, Thomas Miller, Friedrich Pommerencke, Anton Reger, Oliver Rentschler, Bernhard Rewes, Reinhold Schäfer, Walter Sieber, Krischan Spengler, Karl-Josef Sprengler, Gerhard Teufel, Josef Ungermann, Konrad Wiget, Wolfgang Ziemen.

Mit Nein: Helmut Barth, Werner Beck, Gisela Birr, Magdalena Dieringer, Konrad Flegr, Angela Godawa, Heinrich Götz, Ingrid Gruler, Friedrich Klein, Elmar Maute, Lothar Mennig, Ingrid Riester, Peter Seifert, Hubert Schiele, Oliver Schmid, Harald Schwabenthan, Armin Schweitzer, Roman Waizenegger, Johann Widmaier, Helga Zimmermann-Fütterer.

Entschuldigt waren in der Sitzung: Manfred Bopp, Manfred König, Andrea Metzger. Als befangen galt: Lorenz Welte.