Eine rund zehn Jahre andauernde Hängepartie neigt sich dem Ende zu: Das Theater die Tonne erhält für 8,41 Millionen Euro einen Neubau auf dem ehemaligen Listhallenareal. Damit nimmt auch die dritte Säule der Kulturkonzeption - nach franz.K und Stadthalle - Gestalt an.

Barbara Bosch, die nochmals kurz auf die lange Geschichte des Projekts einging, charakterisierte den entstehenden Neubau als "einzigartiges Gebäude, das für sich stehe, das auch von außen symbolisiere, was innen stattfinde: nämlich innovatives Theater". Ausdrücklich lobte sie die Tonne. Der Standort an der Jahnstraße sei eingeführt und biete gute Zukunftsperspektiven.

"Dieses Projekt ist zur jetzigen Zeit in dieser Form nicht zu rechtfertigen", hielt Gabriele Gaiser (CDU) dagegen. Sie begründete die Ablehnung ihrer Fraktion mit den kontinuierlich gestiegenen Baukosten - von einstmals zwei auf jetzt neun oder zehn Millionen Euro - und der schwierigen Haushaltssituation der Stadt mit einer geplanten Kreditaufnahme von 60 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren. Ganz anders sah dies Helmut Treutlein: Der SPD-Fraktionsvorsitzende sprach euphorisch von einem "großen Tag für die Stadt", von einem "großen Tag für die Kultur" und von einem "großen Tag für den Gemeinderat", der einen langen Atem bewiesen und mit dem Beschluss ein "Zeichen für unsere Gestaltungskraft" gesetzt habe.

Auch für Grünen-Fraktionssprecher Rainer Buck ist der beschlossene Neubau ein "Meilenstein", eine "wichtige Zukunftsentscheidung für die Stadt Reutlingen".

"Die Tonne sind wir - das ist unser Stadttheater", erklärte der FWV-Fraktionsvorsitzende Jürgen Fuchs und lobte das "hervorragende Programm".

Während Jessica Tatti (Linke) nochmals für die parallele Bespielbarkeit von großem Saal und Probebühne warb, begründete Dr. Karsten Amann, warum er - anders als die übrigen CDU-Räte - für die Vorlage stimme. Eine Entscheidung, die auch ihm Bauchschmerzen verursache. Aber es sei ungewiss, was 2017 mit der Planie 22 passiere. Zudem "macht der Neubau Sinn und ist an der Zeit", so Amann.

Zu den Gesamtkosten von 8,41 Millionen Euro trägt der Landkreis einen Zuschuss von 100 000 Euro bei. Ein Antrag der SPD, der den Einbau einer Kühlung und Befeuchtung der Raumbelüftung vorsah, erhielt ebenso wenig eine Mehrheit wie der Antrag der Grünen, die sich für einen Gründachaufbau ausgesprochen hatten. Keine Chance hatte auch der Antrag der beiden Linken-Stadträte Jessica Tatti und Thomas Ziegler. Die Mehrheit des Gremiums lehnte die von ihnen geforderte gleichzeitige Bespielbarkeit von Saal und Probebühne ab.

So bleibt es bei den beschlossenen Einsparungen - mit einer Ausnahme: Der Tonne-Förderverein zahlt die Fußbodenheizung im Foyer in Höhe von 13 000 Euro.