Hechingen/Jungingen Der Himmel steht allen offen

In der Johanneskirche legten die Besucher in der Osternacht ihre Lasten in Form von Steinen ab, um dann das Licht der Auferstehung zu empfangen.
In der Johanneskirche legten die Besucher in der Osternacht ihre Lasten in Form von Steinen ab, um dann das Licht der Auferstehung zu empfangen.
Hechingen/Jungingen / SWP 02.04.2013
"Ostern ist das Feuer der Liebe für eine zerrissene Welt", lautete die Botschaft an die evangelischen Christen in Hechingen. Festgottesdienste fanden in der Johanneskirche, in Jungingen und in Sickingen statt.

Mit getragener Gitarrenmusik begann der Gottesdienst an Karfreitag in der Johanneskirche. Wolfgang und Julius Nägele stimmten so in die besonders ruhige Atmosphäre des Gottesdienstes ein, in dem der Tod Jesu Christi am Kreuz im Mittelpunkt stand. Die Feier des Abendmahls untermalten sie als Gesangsduo mit geistlichen Liedern. In der Predigt über Matthäus 27 führte Pfarrer Würth aus: "Gott ist nicht mehr im Allerheiligsten zu finden, unnahbar und gefährlich, sondern im leidenden Gottessohn, im Mann am Kreuz." Als Konsequenz für die Dunkelheiten unserer Zeit betonte er: "Die Totenwelt darf uns nicht mehr festhalten, der Himmel steht allen offen."

In den Karfreitagsgottesdiensten im evangelischen Gemeindehaus Jungingen und in St. Antonius Sickingen erinnerte Pfarrerin Dorothee Kommer an die Bürgerkriegsopfer in Syrien ebenso wie an die Opfer rechtsextremem Terrors in unserem Land. Sie ermutigte dazu, angesichts von Leid und Schuld den Blick zu richten auf Jesus Christus, der den Weg der Gerechtigkeit für uns gegangen ist bis ans Kreuz.

In den Ostergottesdiensten in Jungingen und Sickingen stimmte die Gemeinde zu den Orgelklängen von Christian Bartle ein in den Osterjubel: Christ ist erstanden! Pfarrerin Dorothee Kommer sagte in ihrer Ansprache: "Es ist vieles schwer zu begreifen im Grenzbereich von Leben und Tod. Aber die Botschaft ist klar: Der Auferstandene ist uns vorausgegangen. Er erwartet uns. Der Weg zu ihm ist frei. Auch der Tod kann ihn nicht verschließen."

Die Osternachtfeier, vorbereitet durch ein Gottesdienstteam, begann am Sonntagmorgen um 6 Uhr. Die zahlreichen Besucher wurden eingeladen, Lasten in Form eines Steinsymbols unter das Kreuz zu legen und dann das Licht der Auferstehung zu empfangen, indem jeder eine persönliche Kerze anzünden konnte. Mit dem Jubelruf "Laudates omnes gentes - Lobsinget alle Völker" gingen die Besucher singend wieder an ihre Plätze. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es ein Osterfrühstück. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Christian Bartle gestaltet.

Im Osterfestgottesdienst in der Johanneskirche betonte Pfarrer Jungbauer, dass die Botschaft, das Wort von der Auferstehung damals in den Menschen etwas in Gang gebracht, was sich in wenigen Jahrzehnten über die damalige Welt ausbreitete - bis hin nach Rom, ins Machtzentrum der damaligen Welt. "Das Werk der Liebe und die liebenden Taten Jesu sind nicht zu Ende. Sie gehen weiter. Die Selbsthingabe Jesus, auf die Liebe vertrauend zu sterben, hat sich durchgesetzt und Menschen haben begonnen, der Liebe, der Nächstenliebe, der Fürsorge zu vertrauen.

Ostern ist der Beginn einer großen weltverändernden Bewegung. Es hat sich das Vertrauen ausgebreitet, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Vielmehr: Die geistig seelisch Lebendigkeit von Menschen bleibt, auch über den Tod hinaus. Ostern ist auch der Beginn einer großen sozialen Bewegung von Menschen, die sich zusammengeschlossen haben und begriffen haben: Es gibt keine Ausgrenzung von Menschen. Es gibt nur das eine: alle Rassen und Klassen, alle Religionen und Kulturen gehören zusammen, indem Menschen nicht auf Feindschaft und Vorurteile setzen, indem Menschen nicht Krieg gegen andere machen. Es kann nur eines geben, was uns Menschen immer wieder aufrichtet: Das Wort von der Versöhnung, wie Paulus später sagt."

Der Festgottesdienst am Sonntag wurde vom Kirchenchor unter Leitung von Kantor Alexander Baumgärtner und dem Trompeter Stephan Herrmann musikalisch gestaltet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel