,,Er hat sich einfach auf den Weg gemacht – einfach gegangen. Ohne viele Worte.“ Die Worte von Siegfried Rieths Frau Gerlinde klingen traurig, aber auch bewundernd. Kompromisse mochte der Hechinger Allgemeinmediziner nicht. In klaren Worten hat er ohne Schnörkel über seine Krankheit gesprochen. Das Schicksal hat unbarmherzig zugeschlagen.

Zwischen Hoffnung und brutalem Realismus schwankten seine Stimmungen. „Ich kann schon was aushalten – ich will kämpfen.“ So wie er kompromisslos seinen Weg gegangen ist, so ist er von uns gegangen. Die Rückschläge, die Nebenwirkungen, die verlorene Hoffnung. „Ich sterbe“, hat er gesagt. Keiner hat es geglaubt. Wenig später geschah es.

Die Patienten vermissen ihn. Seine warme Offenheit, die Klarheit seines Denkens. Er war immer so nah bei den Leuten. Pragmatische Lösungen. Klare Konzepte. Das wurde verstanden. Bei Patienten und Kollegen war er durch seine offene und freundliche Art beliebt.

Seine Kindheit verbrachte Siegfried Rieth in Waldenbuch, besuchte das Internat in Mössingen, machte nach dem Abitur die Krankenpflege, dann folgte das Studium. Mit seiner Frau Gerlinde hat er drei Kinder: Katja, Anja und Jan. Er hatte eine große Liebe zur Natur: Berge, Klettern, Wandern. Keine mondänen Hotels, sondern die Hütte mit dem klaren kalten Wasser war seins.

Er war gern dabei. Bei den Veranstaltungen des Ärztenetzes, für das er sich als Gründungsmitglied eingesetzt hat. Als Kassenwart war er gründlich und genau. Hatte eine klare Meinung, nicht immer bequem, aber unumstößlich. Er war immer für einen Spaß zu haben, hat gerne gelacht. Beim Ärztenetz war er immer in erster Reihe. Für sich war er bescheiden, für die anderen willig. „Was willst du mir erzählen“ sagte er zur Mitarbeiterin des psychoonkologischen Dienstes, „ich habe 28 Jahre Palliativmedizin gelebt.“ Er hat sie weggeschickt. Die Patienten haben ihn verstanden. Er hat sie verstanden. Immer ein offenes Ohr – auch für die Kollegen. Einer von uns.