Hechingen Der Glaube ans WM-Finale ist da

Hechingen / Sabine Hegele/Hardy Kromer 13.06.2018
Die HZ sprach vor dem Start der Fußball-WM mit lokalen Experten über ihre Erwartungen an die deutsche Nationalelf.

Nach dem WM-Eröffnungsspiel Russland – Saudi Arabien an diesem Donnerstag ist vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Nationalelf gegen Mexiko am Sonntag. Anpfiff in Moskau ist um 17 Uhr. Wie werden Jogis Jungs in das Turnier starten, können sie die zuletzt deprimierenden Auftritte gegen Österreich und Saudi Arabien vergessen machen, wie weit werden sie kommen – werden sie gar den Titel von 2014 verteidigen können? Die HZ hat bei lokalen, fußballerfahrenen Experten nachgefragt.

Franz Ermantraut glaubt, dass das mannschaftliche Miteinander „noch nicht so da ist“, ist aber natürlich zuversichtlich: „Deutschland kann sich von Spiel zu Spiel steigern – das weiß man.“ Auch aus diesem Grund hält er die Titelverteidigung für möglich – wenn es auch „schwieriger wird als in Brasilien“. Neben der deutschen Nationalelf zählt Ermantraut Frankreich und Brasilien zum Favoritenkreis. Vor allem die Brasilianer: „Die werden versuchen, das Debakel von vor vier Jahren im eigenen Land gutzumachen.“

Bedauert hat der Bollemer, dass Leroy Sané aus dem WM-Kader gefallen ist – „der hätte zum Spieler des Turniers werden können“, glaubt er. Weniger Probleme hat Ermantraut damit, dass Özil und Gündogan mit dabei sind: „Das sind zwei gute Spieler. Die werden das Beste für uns geben.“ Eventuell schon zum erwarteten 3:1-Sieg gegen Mexiko beitragen.

Manfred Haug, Sportvorstand beim SV Rangendingen, zählt Deutschland nicht zum engsten Favoritenkreis. Mehr traut er Frankreich, Brasilien, Argentinien und Spanien zu. Skeptisch ist Haug nicht nur mit Blick auf die beschämenden Spiele gegen Österreich und Saudi Arabien. Grundsätzlich, sagt er, sei es schwierig, einen solch großartigen Erfolg wie den von 2014 zu wiederholen. Auch habe er den Eindruck, dass der ein oder andere Spieler – mit bereits zahlreichen Titeln dekoriert – nicht so den allerletzten Biss mitbringt. Die Rieseneuphorie wie in Brasilien werde es jedenfalls nicht mehr geben, sagt er. Dennoch: „Das Halbfinale ist immer drin“, was ja auch schon ein Erfolg wäre. Abzustellen gelte es dann allerdings die Schwächen, die die DFB-Elf offenbare, wenn sie auf technisch gute und schnelle Spieler trifft – „dann wackeln wir“. Wie Ermantraut bedauert auch Haug, dass Sané in Russland nicht dabei ist, und zu Özil und Gündogan äußert er sich pragmatisch: „Die sollen gut spielen. Es geht hier um Fußball und nicht um Politik.“ Auch die Personalie Manuel Neuer ist für den Rangendinger schnell „abgehakt“: „Er ist die Leitfigur der Mannschaft.“ Am Sonntag soll er sie zum 2:1-Sieg führen.

Wolfgang Dehn, langjähriger FCler und TSGler, glaubt an den Finalsieg. „Ich habe großes Vertrauen in Jogi Löw, dass er weiß, wie er spielen will – und das auch an die Mannschaft bringt.“ Dass dem jüngst nicht so war, habe an der noch fehlenden (richtigen) Einstellung gelegen. „Aber die kommt noch“, ist Dehn sicher. Und zwar genau mit den Spielern, die im Kader für Russland stehen. Dabei hält er es bei Özil und Gündogan wie Manfred Haug: „Das sind naive junge Leute, keine Politiker. Die sollen einfach gut Fußball spielen.“ Gut heißt für Dehn in diesem Fall Passgenauigkeit und im Stellungsspiel energisch dran am Gegner. „Auch müssen wir wieder mutiger nach vorne spielen.“

Dabei hofft Dehn auf Marco Reus. Ihm wünscht er, „dass ihm alles gelingt – weil er bockstark ist und weil er es verdient hat“. Vielleicht hat Reus ja schon im ersten Gruppenspiel einen Lauf. Wolfgang Dehn jedenfalls tippt auf einen 4:1-Sieg.

Hechingens neuer Bürgermeister Philipp Hahn weist jeden Fußball-Expertenstatus von sich. Dennoch äußert er sich auf HZ-Nachfrage gerne: „Ich habe große Sorge um die deutschen Mannschaft, wenn ich an das Spiel gegen Österreich denke.“ Gleichwohl traut er Jogis Jungs eine Steigerung gegen Mexiko zu und tippt auf einen 2:0-Sieg. Das Spiel wird er sich im Kreise seiner Nachbarn in Bechtoldsweiler anschauen.

Mit Sorge blickt der Bürgermeister auch auf das WM-Finale, das am 15. Juli mit dem Hechinger Kinderfest kollidiert. „Ich finde schon“, sagt Philipp Hahn augenzwinkernd, „dass die Planer in Russland sich hätten nach Franz Ermantraut richten können.“

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