Hechingen Der Gemeindesaal wird zum WM-Studio

Stadtpfarrer Michael Knaus freut sich auf die Fußball-WM und das gemeinsame Gucken im Gemeindesaal.
Stadtpfarrer Michael Knaus freut sich auf die Fußball-WM und das gemeinsame Gucken im Gemeindesaal. © Foto: Sabine Hegele
Hechingen / Sabine Hegele 16.06.2018
„Fußball alleine zu schauen macht doch keinen Spaß“, sagt Hechingens Stadtpfarrer Michael Knaus.

Das gab’s in Hechingen auch noch nicht: Stadtpfarrer Michael Knaus ist großer Fußballfan, möchte die WM-Spiele aber nicht alleine schauen („das macht doch keinen Spaß“) – und funktioniert den katholischen Gemeindesaal für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft einfach mal um in ein WM-Studio. Das habe er an seinen früheren Pfarrstellen auch schon so gemacht, denn schließlich „gehört das Gemeindehaus doch uns allen“. Ihm, Knaus, sei es lediglich „in Obhut gegeben“. Konkret wurde die Planung nach einem Luki-Gottesdienst in kleiner Runde. Da seien Stimmen laut geworden, die Fußball-Weltmeisterschaft gerne in Gesellschaft, aber halt nicht mit Hunderten von Fans beim Public Viewing erleben zu wollen. Damals mit dabei und angetan von der Idee: Jürgen Wirth (MS Show Technik).

Ohne ihn, sagt der Stadtpfarrer, hätte sich das Projekt WM-Studio nicht realisieren lassen: „Jürgen bringt sein ganzes Equipement daher – und das kostenlos!“ Apropos: Kosten wird der „Eintritt“ in den Gemeindesaal nichts, willkommen sind Fußballfans so lange, bis der Saal voll ist. Grundsätzlich gilt für Michael Knaus: „Wer guat tut, darf nei“.

Noch einmal zu den Finanzen: Verdienen darf die katholische Kirchengemeinde am WM-Studio nicht. Zwar wird es Getränke geben – allerdings auf Spendenbasis. „Und wenn der ein oder andere ein paar Getränke oder Kuchen für sich und/oder die Allgemeinheit mitbringt, ist das natürlich auch okay.“ Sollten nach dem Turnier jedoch ein paar Euro im Spendenkässle gelandet sein, fließen die entweder in die Kirchturmsanierung oder in den Sozialfonds der Kirchengemeinde.

Damit zum bevorstehenden Spiel der deutschen Nationalelf am Sonntag gegen Mexiko – oder besser zu deren Chancen auf den erneuten Titelgewinn. „Da bin ich eher skeptisch“, bekennt der Geistliche, und hofft, dass nicht schon nach der Vorrunde Schluss ist für Jogis Jungs. Wobei es Michael Knaus wichtig ist klarzustellen: „Da geht es nicht um Nationalstolz, sondern um die Freude am Fußball.“ Und wenn der Gegner besser war, „muss man der Fairness Raum geben“.

Natürlich dürfe man stolz sein auf sein Herkunftsland, aber dennoch „gehören wir doch alle zusammen“. König Fußball trage dazu bei. Deshalb gilt für den Stadtpfarrer: „Man darf gegeneinander spielen, aber nicht gegeneinander sein.“

Info Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) und die Bischofskonferenz haben per Rahmenvertrag mit der Gema die Aufführungsrechte auf sichere Beine gestellt. Einzige Bedingung: Es darf keine kommerzielle Veranstaltung sein.

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