Schlechte Nachrichten aus dem Stuttgarter Kultusministerium für die Gymnasien Hechingen und Haigerloch: Die beiden Schulen sind nicht auf der Liste der 22 neuen Modellschulen, die im kommenden Schuljahr neunjährige Gymnasialzüge einführen dürfen. Das teilten am Mittwoch der SPD-Wahlkreisabgeordnete Klaus Käppeler und der Tübinger Grünen-Abgeordnete Daniel Lede Abal mit.

Mehr Glück als die beiden Bewerber aus dem Zollernalbkreis hatten in der Region die Eugen-Bolz-Schule in Rottenburg und das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Metzingen.

Käppeler zufolge kommen Hechingen und Haigerloch in erster Linie deshalb nicht zum G 9-Zug, weil das Kultusministerium sich daran orientierte, in den allermeisten Fällen nur eine Modellschule pro Landkreis zu genehmigen. „Das“, so der Abgeordnete, „war das Hauptkriterium“. Im Zollernalbkreis wird der neunjährige Weg zum Abitur bereits seit dem laufenden Schuljahr wieder am Gymnasium Ebingen angeboten.

Sieben Ausnahmen von der Regel soll es freilich gegeben haben, weil aus sieben Landkreisen keine G9-Bewerbung vorlag. Allerdings haben die Extrawürste nur so große Landkreise wie beispielsweise Stuttgart und Ludwigsburg gebraten bekommen.

Ein weiteres Kriterium, das zumindest Hechingen geschadet hat, ist die örtliche Konkurrenz. Klaus Käppeler zufolge spielte es für das Kultusministerium eine wichtige Rolle, ob es in einer Stadt bereits andere Möglichkeiten gibt, in neun Jahren zum Abitur zu gelangen, sei es über berufliche Gymnasien oder über eine Gemeinschaftsschule. In Hechingen haben die Schüler mit dem Wirtschaftsgymnasium und dem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium gleich zwei Alternativen zum G 8-Turboabi.

„Ich bedaure, dass nicht alle 52 Bewerber zum Zuge gekommen sind“, sagte Klaus Käppeler gegenüber der HZ. Mehr G 9 wäre mit Sicherheit „im Sinne der Kinder“ gewesen, die dann weniger Lerndruck, mehr Freizeit und mehr Freiraum für musische und sportliche Aktivitäten bekommen hätten. Die SPD, so Käppeler, habe sich „vielfach für eine deutliche Ausweitung des Schulversuchs G9 stark gemacht“. Doch der grüne Koalitionspartner habe darauf bestanden, dass es außer den 22 schon laufenden Modellversuchen nicht mehr als die jetzt genehmigten weiteren 22 Schulen gebe.

Die Schulleitung des Hechinger Gymnasiums war am Mittwochnachmittag für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen. In der Heiligkreuzstraße hatte man sich den G9-Zug nicht zuletzt deshalb gewünscht, um einen weiteren Rückgang der Schülerzahlen aufzuhalten. Das Hechinger Gymnasien hat in den vergangenen Jahren aus den verschiedensten Gründen mehrere hundert Schüler verloren. Von einem neunjährigen Zug hatte man sich neue Attraktivität in der Konkurrenz mit Balingen, Haigerloch und Gammertingen versprochen.

Eine Rückkehr zu G9 war aber auch der Wunsch der Eltern der kommenden Fünftklässler gewesen. Sie hatten sich in einer Umfrage zu 95 Prozent für einen G9-Zug ausgesprochen. Der Gemeinderat hatte den Antrag fast einstimmig unterstützt.

Auch das Gymnasium in Haigerloch wäre nur zu gern zu G 9 zurückgekehrt. Das Ergebnis einer Umfrage unter den Eltern der derzeitigen Dritt- und Viertklässler in Haigerloch, Heiligenzimmern, Empfingen und Rangendingen war eindeutig, das Votum im Gemeinderat ebenso. Für den G 9-Antrag, den man fristgerecht eingereicht hat, wurde laut Schulleiter Helmut Opferkuch ein „absolut interessantes Konzept“ erarbeitet. „Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass es klappt“, bedauert Opferkuch die Absage aus Stuttgart, trägt den Korb aber mit Fassung: „Davon geht die Welt nicht unter.“
Das Haigerlocher Gymnasium genießt einen ausgezeichneten Ruf. Mehr als jeder dritte Schüler kommt von auswärts. Zwar hat Haigerloch einige Schüler an Sulz verloren, seit die Nachbarstadt G 9 anbieten kann, aber dass jetzt Rottenburg nennenswert Schüler aus Haigerloch abziehen wird, hält Helmut Opferkuch für unwahrscheinlich. „Das macht uns keinen Kummer.“ Was anderes wäre es gewesen, hätte Hechingen den Zuschlag bekommen. Aber diese Gefahr war nach Meinung des Schulleiters von vornherein gering: „Wenn die Landesregierung ihre eigenen Kriterien von einer G9-Schule pro Landkreis ernst genommen hat, war der Zollernalbkreis mit Ebingen bereits bedient.“ So herrscht am Haigerlocher Gymnasium trotz Absage durchaus Aufbruchstimmung. Opferkuch: „Wir besitzen ein sehr gutes G 8-Konzept, das wir seit der Einführung im Jahr 2004 konstant weiterentwickelt haben – und diesen Weg werden wir weiterverfolgen.“