Hechingen / Diana Maute  Uhr
Die kfd-Pfarrgruppe Hechingen fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Katholischen Kirche - und ruft zum Streik auf.

Sie engagieren sich auf vielfältige Weise in den Kirchengemeinden, übernehmen ehrenamtlich Dienste und tragen maßgeblich zu einem lebendigen Gemeindeleben bei: Frauen leisten viel in der Katholischen Kirche. Und doch: „Zu sagen haben wir praktisch nichts“, bringt es Ulrike Stoll-Dyma auf den Punkt. Die Pastoralreferentin ist Mitglied der kfd-Pfarrgruppe Hechingen, die vor zwei Jahren gegründet wurde und bei der Glaube und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Neben all der Kraft und der Freude, die die Frauen daraus schöpfen, gibt es innerhalb der Kirche auch Schattenseiten, vor denen sie die Augen nicht verschließen möchten. So sind es nicht nur die ans Licht gekommenen Missbrauchsfälle innerhalb der Katholischen Kirche, die ihnen „großes Unbehagen“ bereiten. Kritisch sehen sie auch die niedrige Stellung der Frauen innerhalb der Kirche, das Festhalten am Zölibat sowie die kirchliche Sexualmoral, die sich nicht an der Lebenswelt der Menschen orientiere. Schon lange stößt das vielen engagierten Katholikinnen sauer auf, doch ihre Rufe nach Veränderung blieben bisher zumeist ungehört.

Genau das soll sich nun ändern. „Hier in Hechingen und bundesweit solidarisieren sich derzeit die Frauen, um auf Missstände hinzuweisen“, sagt Ulrike Stoll-Dyma. Und das sei gut so: „Es ist wirklich an der Zeit, denn uns reicht`s jetzt einfach“, spricht sie ihren Mitstreiterinnen aus dem Herzen. Die Kirche müsse aufwachen und sich für Veränderungen öffnen, wenn sie eine Zukunft haben wolle. Noch sei sie vielen Menschen wichtig, aber wie lange noch?

„Wir möchten nicht austreten, sondern erreichen, dass die Kirche ein Stück weit zu unserer Kirche wird“, sind sich die kfd-Frauen einig. Um dies zu erreichen, sei es nötig, aufzustehen und aktiv zu werden.

Der kfd-Bundesverband fordert mit der Aktion „#MachtLichtAn“ die deutschen Bischöfe auf, die Missbrauchsfälle lückenlos aufzuklären und verkrustete Machtstrukturen abzuschaffen. Diese Aktion unterstützt die Pfarrgruppe Hechingen ebenso wie die der kfd-Gruppe Münster, die unter dem Stichwort „Maria 2.0“ eine Petition an Papst Franziskus verfasst. Damit verbunden ist eine Aktion, die sicherlich viel Aufmerksamkeit erregen wird: In der Woche vom 11. bis 18. Mai sind alle Frauen zum Kirchenstreik aufgerufen.

Eine Woche in keine Kirche

Unter dem Motto „Wir Frauen stehen auf“ beteiligt sich die kfd-Gruppe Hechingen an diesem Streik und ruft alle Frauen dazu auf, mitzumachen. „In dieser Woche betreten wir keine Kirche und leisten keine Dienste, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen“, heißt es dazu. Doch das ist noch längst nicht alles: In der Streikwoche wird die Gruppe ihre Forderungen an die Kirchentore heften und mit vielen Aktionen (siehe Info-Kasten) in Hechingen Präsenz zeigen. „Egal, ob Unterstützer oder Gegner – wir möchten mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen“, betont Jutta Lieb-Weith, die Vorsitzende der Hechinger kfd-Gruppe.

Außerdem werden Unterschriften gesammelt, um sie zusammen mit einem offenen Brief an Dekan Alexander Halter und den Freiburger Erzbischof Stephan Burger zu übersenden. Brief und Unterschriftenliste werden in allen Hechinger Kirchen ausliegen.

Natürlich wolle man niemandem verbieten, einen Gottesdienst zu besuchen, Solidarität könne man auch auf andere Weise zeigen, betont die kfd-Gruppe. Zum Beispiel durch das Tragen eines weißen Oberteils oder Schals, dem Erkennungszeichen der Aktion, oder durch einen „Maria 2.0“-Button an der Kleidung. Zum Mitmachen sind sowohl Frauen als auch Männer aufgefordert. Die Hechinger Ministranten hätten schon jetzt ihre Teilnahme zugesagt, so Ulrike Stoll-Dyma. „Dass die Aktion generationenübergreifend ist und uns Menschen aller Altersgruppen unterstützen, freut uns besonders“, sagt sie. Schon jetzt sei in der Öffentlichkeit eine gewisse Nervosität zu spüren. Wie die Aktion letztlich ankomme, sei für alle Beteiligten spannend. Dranbleiben am Streben nach Veränderung möchten die Frauen auch danach, denn: „Die Kirche liegt uns am Herzen.“

Zwei Andachten gibt es auch in Streikzeiten

Der Streik Von Samstag, 11. Mai, bis Samstag, 18. Mai, findet der erste Hechinger Kirchenstreik statt.

Die Infos Am Sonntag, 12. Mai, wird die kfd-Pfarrgruppe Hechingen vor, nach und während des Gottesdienstes, der um 10 Uhr in der Stiftskirche beginnt, vor der Kirche über ihre Aktion informieren.

Die Andacht Am Dienstag, 14. Mai, wird ab 18.30 Uhr im Klostergarten Stetten eine Maiandacht der Katholischen Frauengemeinschaft gefeiert.

Das Finale Am Freitag, 17. Mai, wird ab 18.30 Uhr parallel zur Messe eine Andacht im Johannessaal in Stetten gehalten.