Engel sind himmlische Wesen. Jeder kommt irgendwann mit einem Engel in Berührung, und sei es nur, wenn damit eine helfende, rettende Hand gemeint ist. Momentan zum Beispiel sind  nicht wenige Mitglieder der Gattung unter uns: „Corona-Engel“ gehen in Krankenhäusern, Altenheimen, bei der Feuerwehr oder in der Nachbarschaftshilfe ihrer segensreichen Arbeit nach.

Engel haben seit Menschengedenken die Phantasie der Menschen beflügelt, sei es als Respekt einflößender Gesandter  Gottes, sei es als süße Putten, die Schlösser wie auch Sofakissen gleichermaßen zieren. Einige tun den Engel-Kult komplett als Spinnerei ab. Andere glauben ganz fest an die Kraft und Macht ihres Schutzengels und geloben, damit Zeit ihres bisherigen Lebens bestens gefahren zu sein. Von Engeln wird nicht nur in der Bibel und im Koran berichtet, sondern auch in Heiligenlegenden, Wundergeschichten, Sagen und Märchen oder – heutzutage – auch in der Esoterik.

Es klopft aufs Autodach und etwas tritt auf die Bremse

Herbert Hurm hat eine ganz eigene Einstellung zu den himmlischen Wesen. Plötzlich und ganz unerwartet habe er zu ihnen gefunden. Im Gespräch mit der HZ erzählt der Lehrer a. D. und passionierte Aquarellmaler aus Weildorf bei Haigerloch, wie er zum Engelmaler wurde, und welche Bedeutung er diesen  Geistwesen in (geflügelter) Menschengestalt beimisst. „Ich hatte zwar schon etliche Bücher über Engel gelesen“, erinnert sich Hurm und nennt beispielhaft die US-amerikanischen Autorinnen Diana Cooper oder Doreen Virtue. Aber damals habe er kaum Berührungspunkte mit diesem Thema gefunden. Das sollte sich 1981 schlagartig ändern.

Was hat denn damals, vor knapp 40 Jahren, ihr Interesse auf Engel gelenkt?

Herbert Hurm: Ich war damals als Realschullehrer in Balingen tätig, wohnte aber mit meiner Familie in Bad Imnau. Eines Morgens war ich relativ spät dran und fuhr mit meinem Auto eine Abkürzung. Auf der Kreisstraße, in die ich einbiegen wollte, sah ich einen kleineren Lastwagen heranfahren. Hinter dem würde ich  ein ganzes Stück herzuckeln müssen und Zeit verlieren, dachte ich mir, also wollte ich unbedingt vor ihm an der Einmündung sein. In dem Moment, als ich zum Beschleunigen ansetzte, hatte ich das Gefühl, etwas „klopfe“ über mir am Autodach und das Gaspedal war wie blockiert, der Druck auf das Bremspedal dagegen erhöht. Instinktiv leitete ich eine Vollbremsung ein. Das Vorderteil meines Autos ragte etwa einen halben Meter in die Vorfahrtstraße, als ich zum Stehen kam. Gleichzeitig hupte es wütend von beiden Seiten. Von rechts kam der Lastwagen, dessen Tempo ich unterschätzt hatte und aus der anderen Fahrtrichtung schoss ein BMW mit überhöhter Geschwindigkeit vorbei, den ich vorher überhaupt nicht gesehen hatte, so sehr war ich von dem Lastwagen abgelenkt. Ohne das Eingreifen dieser „Energie“ und die blitzschnelle Reaktion darauf wäre ich wohl zwischen den beiden Fahrzeugen förmlich zerquetscht worden – es wäre nicht der erste tödliche Unfall an dieser Stelle gewesen.

„Der Engel hat sich aus sich selbst heraus gemalt“

Nicht selten schildern Menschen solche Begebenheiten. Sie sagen also, sie spürten in jenem Moment das Wirken eines Schutzengels?

Hurm: Ja, für mich ganz eindeutig. Und es sollte auch nicht das einzige Mal bleiben. Ein paar Jahre später fuhr ich, begleitet von unserem jüngsten Sohn, ins Donautal nach Beuron, um dort einen der letzten MAN-Triebwagen der Hohenzollerischen Landesbahn für die Zeitung zu fotografieren. Im kurvenreichen Gefälle vor Hausen im Donautal erlebte ich wieder Ähnliches wie in Bad Imnau: eine Art Klopfen, das Blockieren des Gaspedals und das Niederdrücken der Bremse. Ich kam zum Stehen und in dem Moment überquerte ein Reh die Straße. Ohne diesen „Eingriff“, da bin ich mir sicher, wäre die Sache ziemlich übel ausgegangen, denn ich hätte instinktiv versucht, dem Tier auszuweichen – nach rechts den steilen Abhang hinunter oder nach links gegen die schroffe Felswand.

Mit diesen Erfahrungen war Ihr Interesse an „höheren Mächten“ verständlicherweise geweckt.

Ja, das kann man wohl sagen. In den 90er-Jahren beschäftigte ich mich intensiver mit den Themen Engel, Sterben, Tod und Wiedergeburt, las viele Bücher dazu, belegte diverse Kurse. Unter anderem absolvierte ich über drei Jahre hinweg in Wochenendkursen die Ausbildung zum Gestaltpädagogen und führte Gespräche mit Menschen, die ich, was diesen Themenbereich betraf, für kompetent hielt. Manchmal gab es  plausible Aussagen. Oft traf ich aber nur auf Scheinwissen oder Angeberei.

Hunderte dieser Engelfotos sind seitdem unterwegs

Wann haben Sie dann begonnen, die himmlischen Wesen nicht nur zu erforschen, sondern auch zu malen?

Das war im Jahr 1996 und geschah recht unerwartet. Ich belegte spontan einen dreiwöchigen Intensivkurs in der Toskana. Später belegte ich weitere Malkurse in der Fischermühle bei Rosenfeld, wo ich die Arbeit mit hochwertigen Aquarellfarben kennen und schätzen lernte. Von Susanne Schäfer, einer ausgebildeten Kunsttherapeutin, bekam ich viele Anregungen zu einer besonderen Maltechnik, nämlich nass auf dünnem Papier – das aber sehr schnell einreißen konnte – zu malen. Aus drei Grundfarben – Gelb, Rot und Blau – werden dabei alle anderen Farbtöne ermischt und man erreicht so eine ganz besondere Anmutung der Bilder.

War das die Geburtsstunde des Engelmalers Herbert Hurm?

Oh nein, keineswegs. Erst nach jahrelangem (!) Experimentieren wagte ich mich endlich daran, selbst einen Engel zu malen. Es  war der „Gelbe Engel“. Noch nie zuvor hatte ich so lange an einem Bild gearbeitet. Doch im Rückblick würde ich sagen, dass sich der Engel aus sich selbst heraus gemalt hat. Für mich war er ab diesem Moment „Gabriel“, der Verkündigungsengel.

Ihr Erstling hat offenbar eine besondere Bedeutung für Sie?

Ja, meinem Eindruck nach macht das Bild die Kraft, das Licht und die Ausstrahlung, die so ein Engel besitzt, einigermaßen sichtbar. Außerdem machte ich von dem Bild ein Foto und ließ Abzüge herstellen, die seitdem immer wieder nachbestellt werden mussten, so groß war ihr Absatz. Darüber war ich selbst erstaunt.

Das heißt, Ihr „Gabriel“ hat  sehr viele Menschen angesprochen?

Das kann man so sagen. Hunderte dieser Engelfotos sind seitdem unterwegs, in Autos, darunter auch etliche in Streifenwagen der Polizei, was mich besonders freut. Ich weiß, dass sie in Kinderzimmern hängen oder in Handtaschen mitgeführt werden. Ein Engelbild, das ich einer Bekannten schenkte, schaffte es bis nach Hawaii, wo sie es einem der bekanntesten spirituellen Heiler vorstellte. er soll gesagt haben, dass mein Engel einer der stärksten Engel sei, den er je gesehen habe.

Sie haben inzwischen ein stattliches Oeuvre an Engelbildern, die auch hierzulande gut bekannt sind.

Ja, ich höre nicht auf, Engel zu malen, und sie werden auch ausgestellt, gern in der Adventszeit, mehrfach zum Beispiel im „Cafe im Kloster“ in Hirrlingen oder bei der großen Engelausstellung in Haigerloch.

Der Glaube an Engel wird ja gern als Spinnerei abgetan. Was sagen Sie dazu?

Für mich kann ich nur sagen, dass ich unbedingt an das Wirken dieser himmlischen Helfer glaube. Ich fahre jetzt über 48 Jahre unfallfrei, meist mehr als 20 000 Kilometer im Jahr und geriet dabei immer wieder in Situationen, wo ein Unfall unausweichlich schien. Dass es immer gut, wenn auch oft äußerst knapp ausging, führe ich auf den Schutz der Engel zurück, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Was ist Ihre Botschaft an die Zweifler und Kritiker?

Ob man an die Kraft der Engel glaubt oder nicht, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich treffe allerdings immer mehr Menschen, die es tun.

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