Jugendarbeit Dem Nachwuchs etwas zutrauen

Gemeinsam für mehr Mitbestimmung: In verschiedenen Workshops hatten die Kinder und Jugendlichen des Diasporahauses die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Foto: Diana Maute
Gemeinsam für mehr Mitbestimmung: In verschiedenen Workshops hatten die Kinder und Jugendlichen des Diasporahauses die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Foto: Diana Maute © Foto: Maute
Bietenhausen / Diana Maute 12.11.2016

Theoretisch gäbe es viel zu sagen, denn mitreden kann eigentlich jeder. Warum dann diese Tatsache nicht in die Praxis umsetzen? Das Partizipationsprojekt, das vom Diasporahaus Bietenhausen entwickelt wurde, hat vor allem zwei Dinge zum Ziel: Es möchte das Selbstvertrauen der Kinder stärken und sie über ihre Rechte aufklären. Alles in allem trägt es so zur Persönlichkeitsbildung junger Menschen bei. Bei was darf ich mitbestimmen und auf welche Weise kann ich mich einbringen? Das sind nur zwei Fragen, auf die das Partizipationsprojekt den Mädchen und Jungen Antworten liefert.

Waren bei der ersten Tagung im vergangenen Jahr die Kinderrechte zentrales Thema, stand die zweite Tagung, die am Freitag im Bürgerhaus Bietenhausen stattfand, unter dem Motto „Sei Botschafter – mach dein Projekt.“ Was nichts anderes heißt, als dass die Kinderrechtsbotschafter lernen, ihr neugewonnenes Wissen in ihre Wohngruppen und Klassen zu tragen und dort auch selbst aktiv werden.

An der Veranstaltung nahmen über 60 demokratisch gewählte Kinder und Jugendliche aus den Schulklassen sowie den Wohn- und Tagesgruppen des Diasporahauses aus Albstadt, Balingen, Hechingen und Rottenburg teil.

Begrüßt wurden sie von Projektkoordinatorin Gertrud Teller, die einen spannenden Tag ankündigte. André Guzzardo, Leiter des Diasporahauses Bietenhausen, fand lobende Worte für die engagierten Schüler: „Dank euch und eurer Arbeit lebt das Diasporahaus“, freute er sich. Bevor sich die jungen Akteure in verschiedenen Workshops mit Themen wie dem aktuellen Hilfeplan des Diasporahauses, selbstbewusstem Auftreten oder einer Filmproduktion beschäftigten, wurden sie mit dem „Kinderrechte-Rap“ musikalisch auf die Tagung eingestimmt. „Ich find´s gut, hier dabei zu sein“, äußerte sich ein elfjähriger Junge, der sich eifrig an einem Workshop beteiligte. Dem konnten seine beiden Tischnachbarn nur zustimmen: „Hier darf jeder sagen, was er will. Das ist viel besser als Schule“, waren sie sich einig.

Mit dabei waren auch drei Studentinnen der Universität Tübingen, die das Projekt wissenschaftlich begleiten, sowie Michael Riehle vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, welcher das auf drei Jahre angelegte Modellvorhaben finanziell fördert. „Das hier ist ein großes und sehr wichtiges Projekt mit vielen Teilnehmern“, unterstrich Riehle die enorme Bedeutung für die Jugendhilfe im Land.

„Am Anfang gab es Zweifel, ob das klappen kann. Aber man kann den Kindern ruhig etwas zutrauen“, betonte Projektleiter Martin Griesinger. Seit der ersten Tagung sei bereits einiges bewegt worden. „Wir haben erreicht, dass sich die Kinder der verschiedenen Einrichtungen zum ersten Mal vernetzen.“ Die gewählten Gruppensprecher, die von Coaches begleitet werden, tauschen sich bei gemeinsamen Treffen aus, um sich die Frage zu stellen: „Was wollen wir überhaupt?“

Das ganze Konzept ruht auf zwei Säulen: Der Beteiligung im Alltag, bei der vor allem auch die Pädagogen gefragt sind, sowie einer Partizipationsstruktur, die sich auf die Mitwirkung im Gruppenrat bezieht.

Wichtig dabei: „Was die Kinder einbringen, muss Gehör finden“, betont Gertrud Teller. Ziel sei es, in der Jugendhilfe eine Grundhaltung zu entwickeln, in der Beteiligung aktiv gelebt werde. „In dem Projekt steckt nicht nur für die Kinder viel Potenzial, sondern auch für die Einrichtung“, so die Koordinatorin.

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