In seiner Sondersitzung am Donnerstagabend hat der Gemeinderat Jungingen unter anderem die ausstehende Freibadöffnung verhandelt und erteilte der Verwaltung mit einer knappen Mehrheit den Auftrag, die Öffnung auch unter den strengen Hygieneregeln und Vorgaben des Landes unabhängig von Zusatzkosten zu ermöglichen.

30 000 Euro fürs Wasser

Noch im Mai war an eine Öffnung der Freibäder nicht zu denken gewesen. Deshalb hatte Jungingen entschieden das Wasser mit anzunehmenden Kosten von alleine über 30 000 Euro noch nicht einzulassen, sondern abzuwarten, wo die Reise hingeht, so Bürgermeister Oliver Simmendinger. Auch die Spezialfarbe, mit der das komplette Becken jedes Jahr aufs Neue behandelt werden muss, wurde zwar bestellt, aber noch nicht aufgetragen, um möglichst keine unnötigen Kosten zu generieren. Alle zeitintensiven Maßnahmen wie Spachtel-, Reinigungs- oder sonstige Instandhaltungsarbeiten wurden allerdings ausgeführt, um für den Fall einer möglichen Öffnung gewappnet zu sein.

Endlich: das Signal!

Nachdem vergangene Woche seitens der Landesregierung das erhoffte Signal zur möglichen Freibadöffnung kam, wurde in Zusammenarbeit mit der Bäderleitung Ursula  Köbele händeringend versucht, die möglichen Bedingungen für den Badebetrieb festzulegen und auch die anzunehmenden Kosten hochzurechnen.

Die Bedingungen seitens der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen wurden so verstanden, dass unter „ansteckungssicheren“ Bedingungen nur sechs Personen im Schwimmer- und zehn Personen im Nichtschwimmer-Becken zugelassen wären. Der Gemeindetag hat hingegen Flächenangaben gemacht, die bis zu 75 Personen in beiden Becken zuließen. Die maximale Anzahl der Besucher richtet sich nach der Anzahl der zugelassenen Personen im Wasser, da davon ausgegangen wird, das ein Drittel der Gäste im Wasser sind und zwei Drittel auf der Liegewiese. So steht ein Spielraum von insgesamt maximal 48 bis zu 225 Besuchern zur Debatte.

Wie viele denn nun?

Wie viele Menschen soll man also einlassen? Hinzu kommt, das jeder Badegast mit Anschrift erfasst werden muss, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können. In großen Städten wird deshalb fast ausschließlich mit Online-Buchungssystemen gearbeitet, so dass es beim Eintritt zu keinen langen Warteschlangen kommt.

Bürgermeister Oliver Simmendinger, gelernter IT-Fachmann,  sieht dies zwar ebenfalls als beste Möglichkeit an die nicht zu unterschätzende Eintrittsproblematik zu lösen. Ob es jedoch in der Kürze der Zeit gelingt, eine solche Handy-App oder eine Buchungsplattform zu schaffen steht noch in den Sternen. Auch die bargeldlose Bezahlung wäre ein wichtiges Thema, für den sicheren Betrieb.

Gemeinderat debattiert intensiv

Statt mehr Geld für Sicherheits- und Hygienemaßnahmen auszugeben, sollte das gesparte Geld lieber in die Zukunft des Bades investiert werden, argumentierten diejenigen, die sich gegen eine Öffnung des Bades aussprachen. Der Badespaß bliebe auf der Strecke – das Geld sei sinnvoller in beispielsweise eine neue Beckenumrandung oder eine kleine Rutsche investiert und ein klares Zeichen „pro“ Freibad – nur eben ohne ein Öffnung in diesem Jahr.

Nach stundenlanger Abwägung der unterschiedlichen Standpunkte, Möglichkeiten und Einschränkungen wurde letztlich mit knapper Mehrheit für die Öffnung des Freibades gestimmt. Es gab auch einige Enthaltungen, die spürbar auf die Tatsache zurückzuführen sind, dass man einerseits das Bad gerne aufmachen und den Mitbürgern diese Möglichkeit geben möchte, anderseits aber von einem sehr kontrollierten und von Abstand geprägten Badebetrieb auszugehen ist, der überdies vermutlich auch noch wesentlich mehr kosten wird als in anderen Jahren.

Drei Wochen braucht’s

Damit sind die Weichen gestellt, und die abschließenden Vorbereitungen können beginnen. Sobald das Wetter mitspielt, wird die Farbe verstrichen, das Wasser eingelassen und die Filteranlage in Betrieb genommen.

Alles in allem geht man für diese Arbeiten von einem Zeitfenster von etwa drei Wochen aus, so dass von einer Öffnung des Junginger Freibades spätestens in der ersten Juli-Woche auszugehen ist. In dieser Zeit muss parallel dazu der Badebetrieb inklusive der Themen Eintritt, Preise, Bezahlung, maximale Besucheranzahl, Abstandsregelungen, Hygiene- und Reinigungspläne und einiges mehr festgelegt werden.

Es braucht mehr Personal

Klar ist auch, um den Badebetrieb leisten zu können, bedarf es auf jeden Fall weiteren Personals. Ob dies über Ehrenamtliche, über kurzfristige Beschäftigte oder gegebenenfalls über Dienstleister (zum Beispiel Security-Firmen) beschafft werden kann, hängt vom Bedarf und Angebot ab. Die Mitarbeiter der Verwaltung werden in den nächsten Tagen und Wochen das bestehende Betriebskonzept auf Corona-Verhältnisse „umbauen“ und im Bedarfsfall auch einen Aufruf an Ehrenamtliche starten.

Dazu das Originalzitat von Bürgermeister Simmendinger: „Es wird ganz anders sein als sonst, darauf müssen sich die Besucher einstellen. Wir hoffen und werben um das nötige Verständnis für alle Einschränkungen, die wir als Betreiber unter Umständen auferlegen müssen, um die Auflagen zu erfüllen. Der Anspruch der Badegäste, sich beim Besuch nicht anzustecken hat Priorität. Dennoch freue ich mich, dass wir unseren Mitbürgern den Badebesuchs ermöglichen werden, zumal der Urlaub für viele dieses Jahr ausfällt.“

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Besucher oder 225. Mehr dürfen nicht rein ins Junginger Freibad. Die Deutsche Gesellschafts für das Badewesen und der Gemeindetag sind sich derzeit noch sehr uneinig.