Archäologie Archäologen tagen in Hechingen

Dr. Klaus Kortüm sprach über die Villa Rustica.
Dr. Klaus Kortüm sprach über die Villa Rustica. © Foto: Diana Maute
Hechingen/Stein / Diana Maute 27.05.2017

Spuren der Vergangenheit gibt es in Hechingen und Umgebung viele zu entdecken. Für die zahlreichen Teilnehmer der Jahrestagung der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern war drei Tage lang ein anspruchsvolles Programm geboten. Fachvorträge und Exkursionen ermöglichten einen tiefen Einblick in die archäologischen Forschungsgebiete der Region.

Neben der Alb, Oberschwaben und dem Bodensee stand auch die Villa Rustica in Stein als herausragende archäologische Stätte im Mittelpunkt eines Vortrags. „Wir befinden uns hier in Hechingen, das mit der Villa Rustica in Stein einen der ganz wichtigen Fundpunkte in der Region aufweist“, führte der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Claus Wolf, in das Thema ein. Einerseits hätten die jüngsten Forschungen in Stein neue, „ganz phantastische Befunde“ mit sich gebracht, andererseits gebe es noch viele ungeklärte Fragen, die „wissenschaftlich hochspannend“ seien.

Über den aktuellen Forschungsstand und die Perspektiven in Stein informierte der Provinzialrömische Archäologe Dr. Klaus Kortüm vom Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen. „Stein stellt eine herausragende Örtlichkeit der Archäologie in unserem Land dar“, unterstrich er zu Beginn seines Vortrags. Dem Entdecker Gerd Schollian und den Mitgliedern des Fördervereins sei es zu verdanken, dass sich die reizvoll gelegene Anlage zu einem stark frequentierten Freilichtmuseum und einem wichtigen außerschulischen Lernort entwickelt habe: „Archäologie wird hier anschaulich erlebbar.“ Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Förderverein und den Denkmalschützern habe sich seit 2011 immer intensiver und vertrauensvoller entwickelt. Denn in jenem Jahr wurde das Gebäude M, auch „Haus mit den umgefallenen Wänden“ genannt, entdeckt. „Ab diesem Zeitpunkt sind wir in Stein wieder verstärkt aktiv geworden, da dieser besondere Befund professionelle Grabungen erforderte“, erläuterte der Experte. Erste Sondagen auf der terrassenartigen Erhebung im Wald brachten umgefallene Wände zutage, darunter Mauerreihen mit Fenstern und Zierbögen. Auch Konsolensteine und Dachziegel wurden gefunden. Am oberen Ende des Hangs zeigte sich die Ursache für den Einsturz des Gebäudes: „Im Untergrund wirken hier enorme Kräfte; die Bewegung führte dazu, dass die Wände nach außen kippten“, so
Kortüm.

Die Forschungsarbeiten am Gebäude M seien im Rahmen einer Prospektion abgelaufen. Das heißt: Alle ausgegrabenen Mauerteile sind im Boden geblieben und wurden wieder zugeschüttet. Die Forscher wissen nun aber sehr genau, wie das Gebäude, das wohl als Scheuer oder Speicher diente, einst ausgesehen hat. „Wir haben hier eines der wenigen provenzialrömischen Gebäude, das man rekonstruieren kann und eins zu eins wieder aufbauen könnte“, so der Experte. Die zeichnerische Rekonstruktion zeigt ein relativ einfaches, aber dennoch markantes Gebäude.

Auch in Zukunft gebe es in Stein noch viel zu tun, unterstrich der Experte. Zu den wichtigsten Projekten zählt der Wiederaufbau des Tempelbezirks, der laut Kortüm ein „Alleinstellungsmerkmal für Anlagen in unseren Breiten“ darstellt. Geklärt werden soll die Frage, wie groß die gesamte Anlage in Stein ursprünglich war. Während einer Exkursion am Sonntag machten sich die Archäologen selbst ein Bild von der Villa Rustica.